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Planet der Habenichtse


Erstellt am 25.11.2010 von Charlie Rutz


(Ursula K. Le Guin | Foto by JuTa | Quelle: Wikimedia / Creative Commons-Lizenz)

Originaltitel:The Dispossessed. An Ambiguous Utopia
Erscheinungsjahr:1974
AutorinUrsula K. Le Guin
ISBN:0-060-125632 (= englische Originalausgabe)

WÀhrend auf dem Planeten Urras mehrere miteinander konkurrierende Staaten existieren, die in eine kapitalistische Weltordnung eingebettet sind, besteht auf dem ihn umkreisenden Mond namens Anarres eine anarchistische Gesellschaftsform. Denn im Zuge einer anarchistischen Revolte auf Urras gewÀhrte man den AufstÀndischen vor 170 Jahren, den wenig fruchtbaren Mond Anarres zu besiedeln.

Mit großem Einfallsreichtum, gepaart mit viel Liebe zum Detail, entwickelt die Autorin eine tiefgrĂŒndige Geschichte und einen Gegenentwurf zu einer kapitalistisch ausgeprĂ€gten Gesellschaftsordnung, die nicht von ungefĂ€hr der unsrigen sehr Ă€hnlich ist – wenn teilweise auch ĂŒberspitzt dargestellt. Die Sympathien der Autorin mit den VerhĂ€ltnissen auf Anarres sind deutlich erkennbar, auch wenn Le Guin dennoch nicht völlig einseitig Partei ergreift, welche Gesellschaftsform nun die bessere ist, sondern beide auf ihre StĂ€rken und SchwĂ€chen zu ĂŒberprĂŒfen versucht. In einer Buchrezension von Johannes Kaufmann wurde aber nicht zu Unrecht darauf verwiesen, dass „Autorin und Protagonist […] nicht selten in idealistische SchwĂ€rmerei abzudriften [drohen]“.[1] Wobei ich als ebenso idealistisch eingestellter Mensch durchaus VerstĂ€ndnis dafĂŒr habe.

Bei dem Roman wird in zweierlei Hinsicht deutlich, dass es sich dabei nicht um eine klassische Utopie handelt: Einerseits wird die anarchistische Gesellschaft auf Anarres nicht als ein starres und perfektes Gebilde prĂ€sentiert, sondern als eine in der Entwicklung befindliche Gesellschaftsform, die stetig der VerĂ€nderung unterworfen ist – ob nun zum Guten oder Schlechten. Wie ein roter Faden zieht sich der Grundgedanke durch das Buch, dass es keinen gesellschaftlichen oder politischen Ideal- bzw. Endzustand geben kann: denn alles in der Welt ist im Wandel und in Bewegung befindlich. Andererseits erlaubt es uns die Autorin, die kapitalistische Gesellschaft auf Urras durch die vermeintlich unvoreingenommenen Augen eines Fremden zu betrachten: und zwar aus der Perspektive des von Anarres stammenden Physikers Shevek, der zugleich den Hauptcharakter des Romans darstellt. Diese Vorgehensweise ermöglicht es dem Leser, zu erkennen, wie absurd viele in unserer kapitalistischen Gesellschaft herangereiften Gewohnheiten und Verhaltensweisen doch anmuten können.

Allerdings: Das im Buch prĂ€sentierte kapitalistische System ist weitaus repressiver als das heute in der westlichen Welt existierende. Das mag zum einen daran liegen, dass die Autorin mit dem Mittel der Übertreibung ihre Vorstellungen besser darzustellen vermag. Und zum anderen ist auch erwĂ€hnenswert, dass der Roman im Jahre 1974 erschien, also mitten im Bewusstsein und Hintergrund bestimmter Ereignisse zu Zeiten des Kalten Kriegs. Mich hat der Roman von Anfang an gefesselt, wobei dies sicherlich auch auf mein Interesse an alternativen Gesellschaftsmodellen zurĂŒckzufĂŒhren ist.


[1] Johannes Kaufmann: Planet der Habenichtse. Eine ambivalente Utopie, Internet:
http://www.aurora-magazin.at/medien_kultur/sf_kaufmann_frm.htm (25.11.2010).

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Bakunin-Anarchismus vs. Marx-Kommunismus


Erstellt am 05.01.2008 von Charlie Rutz

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Hauptteil
__2.1 Zur Person Karl Marx
__2.2 Zur Person Michael Bakunin
__2.3 Der Konflikt zwischen Marx und Bakunin
__2.4 Vergleich zweier gegensÀtzlicher Sozialismuskonzeptionen
_……._2.4.1 Bakunin-Anarchismus
…….__2.4.2 Marx-Kommunismus
…….__2.4.3 Bakunin-Anarchismus versus Marx-Kommunismus
3. Schlussbemerkung
4. Quellen- und Literaturverzeichnis

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1. Einleitung

In diesem Beitrag sollen die wesentlichen kommunistischen Vorstellungen von Karl Marx und die anarchistischen Ideen Michael Bakunins verglichen werden. Die Motivation fĂŒr das Verfassen dieser Arbeit ist in meinem Interesse fĂŒr alternative Gesellschaftsmodelle zu suchen, die ohne den klassischen Staat auskommen und antiautoritĂ€rer organisiert sind. Der Konflikt zwischen Marx und Bakunin, die zwei absolut gegensĂ€tzliche Sozialismuskonzeptionen vertraten, wurde erstmals in der Internationalen Arbeiterassoziation bzw. der Ersten Internationale (1864 – 1877) ausgetragen. Diese Auseinandersetzung ist erst kĂŒrzlich wieder in der Forschung von Wolfgang Eckhardt thematisiert worden, der in den BĂ€nden 5 und 6 der Reihe Michael Bakunin – AusgewĂ€hlte Schriften neben einer umfangreichen Einleitung Quellen und Dokumente zur Kontroverse zwischen Marx und Bakunin bis zum Jahr 1870 veröffentlichte. Als wesentliche Forschungsliteratur, auf der diese Arbeit fußen wird, dient allerdings, da sie nĂ€her am Puls der damaligen Zeit und der ausgetragenen Kontroverse liegt, die Schrift Marx und Bakunin von dem ZĂŒrcher Arbeiterarzt Fritz Brupbacher (1874-1944), das im Jahre 1913 im sozialdemokratischen Birk-Verlag in MĂŒnchen erschien und sowohl von Sozialdemokraten als auch Anarchisten mit großer Aufmerksamkeit als auch heftiger Kritik bedacht wurde.

Die verwendete Ausgabe ist ein textlich unverĂ€nderter Nachdruck von Marx und Bakunin, die der Katrin Kramer Verlag im Jahre 1976 mit einem Vorwort von Kurt Lang neu herausgab. Das Werk von Fritz Brupbacher, der zwischen der vorletzten Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg zu den schillerndsten Figuren der schweizerischen Arbeiterbewegung gehörte, stellte einen wichtigen Beitrag zur Neubelebung und zum Überdenken der bis dahin festgefahrenen Diskussion ĂŒber den Konflikt zwischen Marx und Bakunin dar. Brupbacher unternahm darin den Versuch, die Beiden „individualpsychologisch zu durchdringen“[1]. Obwohl man annehmen könnte, dass Brupbacher aufgrund seiner anarchischen Grundhaltung und Sympathien fĂŒr Bakunin parteiisch zu Ungunsten von Marx argumentieren wĂŒrde, so ist sein aufrichtiges BemĂŒhen erkennbar, auch letzterem gerecht zu werden. Im Folgenden werden zunĂ€chst die zwei Protagonisten kurz vorgestellt, deren persönlicher Konflikt umrissen sowie ihre Ă€ußerst gegensĂ€tzlichen Sozialismuskonzeptionen verglichen und hinterfragt.

2. Hauptteil

2.1 Zur Person Karl Marx

Karl Marx
Bild von: Kentin
Lizenz: public domain
Quelle: .-wikimedia

Karl Marx (5.5.1818 – 14.3.1883), der in seiner Jugend Philosophie, Geschichte und Jura studierte, gilt insbesondere wegen zahlreicher Veröffentlichungen wie dem Kapital, seinem Hauptwerk, oder dem Manifest der Kommunistischen Partei, das er zusammen mit Friedrich Engels (28.11.1820 – 5.8.1895) verfasste, als einer der bedeutendsten Vordenker und Vertreter der neuen Bewegung des Sozialismus, der er mit seinen theoretischen Arbeiten ein wissenschaftliches Fundament schuf: Marx sah den Kommunismus, vereinfacht gesagt, als reale Bewegung an, die infolge der Überwindung der bĂŒrgerlichen Gesellschaft einen Zustand der freien Selbstentfaltung des Menschen herbeifĂŒhren sollte. Seine materialistische Geschichtsauffassung spiegelt sich unter anderem in der Feststellung wider, dass das gesellschaftliche Sein der Menschen ihr Bewusstsein bestimme. Er wirkte in der am 28. September 1864 in London gegrĂŒndeten Internationalen Arbeiterassoziation, kurz: Internationale, entscheidend mit. Den meisten in jener Zeit entstehenden sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien dienten die Überlegungen von Marx als programmatische Grundlage.

2.2 Zur Person Michael Bakunin

Michail Aleksandrowitsch Bakunin
Bild von: Livan
Lizenz: public domain
Quelle: .-wikimedia

Michail Aleksandrowitsch Bakunin (30.5.1814 – 1.7.1876) studierte nach einer abgebrochenen Offizierslaufbahn Philosophie, zuerst in Moskau, dann in Berlin. SpĂ€ter nahm er im Zuge der spĂ€ten MĂ€rzrevolution am Dresdner Aufstand vom Mai 1849 teil, weshalb Gerichte in Sachsen und OlmĂŒtz ihn zum Tode verurteilten. Vor der Vollstreckung lieferte man ihn jedoch an Russland aus. In der Peter-und-Pauls-Festung (Sankt Petersburg), wo man ihn festhielt, schrieb er seine revolutionĂ€r-anarchistischen Gedanken nieder und sandte diese im Jahr 1857 an Zar Alexander I. als Bittschrift („Beichte“). In Abmilderung seiner Strafe verbannte man ihn nach Sibirien, von wo er 1861 ĂŒber Japan und die USA nach London floh. Dort beteiligte er sich an den Vorbereitungen zum polnischen Aufstand von 1863. Als Vertreter des antiautoritĂ€ren Sozialismus begrĂŒndete Bakunin den kollektivistischen Anarchismus. Seine AktivitĂ€ten verhalfen dem Anarchismus zu einer sozialrevolutionĂ€ren Bewegung, die international organisiert war. Michael Bakunins radikaler Freiheitsanspruch, der ihn zum scharfen Kritiker des Theismus (=der Glaube an einen persönlichen ĂŒberweltlichen Gott, der die Welt als seine Schöpfung erhĂ€lt und das Weltgeschehen lenkt) machte, war sein herausragendstes Wesensmerkmal.

2.3 Der Konflikt zwischen Marx und Bakunin

Im Jahre 1844 traf Bakunin erstmals in Paris mit Marx zusammen – bis in die 1860er Jahre herrschte zwischen Marx und Bakunin ein distanziertes, jedoch nicht feindliches VerhĂ€ltnis. Das schlug jedoch alsbald um: Seit dem Eintreten Bakunins in die Internationale Arbeiterassoziation verschlechterte sich die Beziehung zwischen den Beiden mehr und mehr. Worin mag der Grund dafĂŒr gelegen haben? Marx wirkte federfĂŒhrend bei der GrĂŒndung der Ersten Internationale mit – er verfasste nicht nur deren programmatische Inauguraladresse, sondern nahm auch eine leitende Funktion ein. Er und Friedrich Engels gehörten dem autoritĂ€ren FlĂŒgel an: sie wollten „den Generalrat zu einem machtvollen FĂŒhrungsinstrument der Internationale ausbauen […] und [waren] inhaltlich auf die Eroberung der politischen Macht und die Erreichung materieller Vorteile, wie Lohnerhöhung usw., [fĂŒr die Arbeiterschaft] ausgerichtet“[2]. Dagegen sprach sich der antiautoritĂ€re FlĂŒgel fĂŒr einen rein technischen Generalrat aus: er wollte einen föderalistischen Aufbau der Internationale und diese „den ArbeitskĂ€mpfen als revolutionĂ€res Instrument direkt dienstbar machen […] und inhaltlich auf eine radikale soziale Revolution“[3] hinarbeiten. Diese unvereinbaren GegensĂ€tze legten bereits den Grundstein fĂŒr alle zukĂŒnftigen FlĂŒgelkĂ€mpfe. Mit Bakunin trat schließlich auf Seiten der AntiautoritĂ€ren ein impulsiver Agitator, ein Mann von großer Ausstrahlungskraft, der Ersten Internationale bei.

Er und Freunde von ihm konstituierten sich zugleich mit der Alliance de la democratie socialiste als „ein Zweig der Internationale und nahmen deren Statuten an.“[4] Marx sah darin offensichtlich die Gefahr, seine dominierende Stellung in der Internationale an Bakunin zu verlieren. Und tatsĂ€chlich musste er kurze Zeit spĂ€ter auf dem Baseler Kongress eine schmerzliche Niederlage gegen seinen neuen Konkurrenten einstecken: „Die Bakunisten traten fĂŒr die sofortige Abschaffung [des Erbrechts] ein, was zur Abstimmungsniederlage der Marxisten fĂŒhrte.“[5] WĂ€hrend der von Marx verfasste Antrag des Generalrates mit klarer Mehrheit abgelehnt wurde, verfehlte der von Bakunin inspirierte nur knapp die absolute Mehrheit. Daran schließt sich eine wahre Anti-Bakunin-Kampagne an: Den Anfang machte die sogenannte „Konfidentielle Mitteilung“ von Marx, in der er Bakunin zu diffamieren versuchte. Unter anderem heißt es dort seitens Marx ĂŒber Bakunin im Zusammenhang mit dem Baseler Kongress wörtlich: „B. setzte eine völlige Konspiration ins Werk, um sich die MajoritĂ€t auf dem Basler Kongreß zu sichern. Sogar an falschen Vollmachten fehlte es nicht, wie die des Herrn Guillaume fĂŒr Locle etc. B. selbst bettelte sich Vollmachten von Neapel und Lyon. Verleumdungen aller Art gegen den Generalrat wurden ausgestreut.“[6]

Seinen vorlĂ€ufigen Höhepunkt fand die marxsche Kampagne in der Allianz-BroschĂŒre, einer von Marx, Engels und Paul Lafargue verfassten Kampfschrift gegen Bakunin, die von falschen VorwĂŒrfen nur so wimmelte. Dagegen fand Bakunin, trotz dieser erbitterten Polemik gegen ihn, in seiner Darstellung des Konflikts anerkennende Worte fĂŒr die Verdienste von Marx: Er hatte „Respekt vor Marxens AbstraktionsfĂ€higkeit und seiner Gelehrsamkeit in bezug auf das Generelle, speziell in der Ökonomie“[7]. Auch zeigt Bakunin nicht zuletzt in einem Brief aus dem Jahre 1868 an Marx persönlich seine „Achtung fĂŒr den wissenschaftlichen Wert von Marxens ‚Kapital'“[8]. Gleichwohl „empfand [Bakunin] fĂŒr den Charakter von Marx nie eine große Sympathie“[9]. Marx indes war es zwar nicht gelungen, in der Folge die anarchistischen Ideen aus der Ersten Internationale zu verbannen, jedoch verhinderte er mit der Berufung des nĂ€chsten Kongresses der Internationale nach Den Haag im Jahre 1872, dass Bakunin an diesem teilnehmen konnte: Jedermann wusste, dass es ihm nicht möglich war, aus der Schweiz auszureisen, „denn er war schwerkrank und wurde sowohl in Frankreich als auch in Deutschland steckbrieflich gesucht.“[10]

Marx nutzte die ungewollte Abwesenheit von Bakunin, um weitere Propaganda gegen ihn zu machen: Auf dem Kongress wurde dann entschieden, Bakunin und seinen AnhĂ€nger James Guillaume aus der Internationale auszuschließen. Das fĂŒhrte zur Spaltung der Ersten Internationale: Die Anarchisten grĂŒndeten daraufhin ihre eigene Internationale – Anarchismus und Marxismus gingen nun endgĂŒltig ihre eigenen Wege. Jetzt konnte man „von einer eigenstĂ€ndigen anarchistischen Bewegung sprechen“[11]. Es wĂ€re jedoch zu einfach, diese Entwicklungen allein als Resultat eines persönlichen Machtkampfes zwischen Marx und Bakunin anzusehen: Die Ursache dafĂŒr liegt vielmehr in dem Zusammenprall zweier zutiefst gegensĂ€tzlicher Sozialismuskonzeptionen!

2.4 Vergleich zweier gegensÀtzlicher Sozialismuskonzeptionen

Wie bereits festgestellt wurde, ist die Spaltung der Ersten Internationale nicht vorrangig auf persönliche Differenzen und MachtkĂ€mpfe zwischen Marx und Bakunin zurĂŒckzufĂŒhren – vielmehr ist sie das Ergebnis zweier sich unversöhnlich gegenĂŒberstehender Sozialismuskonzeptionen. Auf eine knappe Formel zusammengefasst: Bakunin-Anarchismus vs. Marx-Kommunismus.

2.4.1 Bakunin-Anarchismus

Michail Aleksandrowitsch Bakunin strebte eine klassen- und staatenlose Kollektivordnung an: er „entwickelte […] die Vision einer internationalen Revolution, die weltweit mit allen staatlichen Institutionen und sozialen ZwangsverhĂ€ltnissen Schluß machen soll“[12]. Seines Erachtens mĂŒsse sich diese Revolution durch einen vitalen Aufbruch aus den Kreisen des Volkes (gemeint als Gegensatz zu den Herrschenden bzw. FĂŒhrungseliten!) vollziehen, der zu freiheitlichen Formen gesellschaftlicher Organisation fĂŒhre: „zur Verwaltung des öffentlichen Lebens durch Delegierten-Komitees, zur Bildung von unabhĂ€ngigen Kommunen (Gemeinden und Kreisen), zu einer groß angelegten Föderierung aller Initiativen, mit einem Wort: zur Anarchie.[13]“ Nur so sah Bakunin die Schaffung von vollkommener Freiheit gewĂ€hrleistet. Dabei kam fĂŒr ihn auch eine Art von revolutionĂ€rer Staat nicht in Frage. Er schloss die Verwirklichung der ganzen Freiheit in einem reformierten bĂŒrgerlichen Staat aus, da dieser „durch â€șâ€șdie sogenannten praktischen Tagesnotwendigkeitenâ€čâ€č der Realpolitik die Einlösung der sozialrevolutionĂ€ren Forderungen nur hinauszögere.“[14]

Bakunin kritisierte die ganze Palette autoritĂ€rer Gesellschaftskonzepte, ob nun das Prinzip des Zentralismus, die rousseausche Lehre vom Gesellschaftsvertrag oder religiöse Formen, und stellte jedweden Legitimationsversuch der Herrschaft von Menschen ĂŒber Menschen in Frage. Er sprach von einer Pseudovolksvertretung bei den Regierenden des bĂŒrgerlichen Staates, der „Verwaltung einer Mehrheit durch eine Minderheit im Namen der angeblichen Dummheit ersterer und der angeblichen Weisheit Letzterer“[15], einer Handvoll Privilegierter, die sich auf einen Pseudo-Volkswillen stĂŒtzen. Bakunin trat dagegen fĂŒr die GrĂŒndung der Vereinigten Staaten von Europa ein, die jedweder Form von Staat entbehrten. Er proklamierte das Prinzip „der freie[n] Föderation der Individuen“[16]. Ein wichtiger Punkt der sogenannten PrinzipienerklĂ€rung der von ihm gegrĂŒndeten Liga fĂŒr Friede und Freiheit zum Thema Die Vereinigten Staaten von Europa war, „daß kein zentralisierter, bĂŒrokratischer und eben dadurch militĂ€rischer Staat, selbst wenn er sich als Republik bezeichnet, in ernsthafter und aufrichtiger Weise einem internationalen Bund beitreten kann.“[17] Zudem forderten Bakunin und seine AnhĂ€nger die Abschaffung eines sogenannten historischen Rechts der Staaten.

Der Staat mĂŒsse „sich selbst in der nach Maßgabe der Gerechtigkeit frei organisierten Gesellschaft auflösen“[18]. In der Beseitigung der Zentralstaaten sah Bakunin die Voraussetzung dafĂŒr geschaffen, dass sich die „ideale Gesellschaft, die freie Vereinigung aller freien Einheiten, die von unten nach oben organisiert seien, entwickeln“[19] könne. Sowohl die freie Vereinigung als auch umgekehrt die freie Abspaltung sollte das wichtigste politische Recht dieser Einheiten sein. Eine Kernforderung von Bakunin, die all diesen Vorstellungen zugrundelag, war, dass „jedes Volk, jede Provinz und jede Gemeinde das absolute Recht [haben mĂŒsse], frei, autonom zu sein, zu leben und sich zu regieren nach eigenem Willen.“[20] Dabei setzte er voraus, dass jede Einheit aus eigenem Antrieb heraus nicht nur ihre Freiheit, sondern auch die anderer Einheiten schĂŒtzen werde, wenn diese angetastet wĂŒrde.

Hinsichtlich seiner kollektivistischen Vorstellungen im ökonomischen Sinne sprach Bakunin vom „ökonomisch notwendige[n] Prinzip der kollektiven Bebauung des gemeinsamen Bodens […] das Prinzip, nach dem der Ertrag oder sein Gegenwert gleichmĂ€ĂŸig verteilt wird“[21], und zwar nicht nach juristischer, sondern rein menschlicher Gerechtigkeit, die von den FĂ€higeren und StĂ€rkeren mehr Arbeit als den UnfĂ€higen und SchwĂ€cheren verlangt sowie den Lohn nicht nach dem Arbeitsmaß, sondern den BedĂŒrfnissen jedes Einzelnen verteilt. Außerdem meinte Bakunin, dass die Ideen des Anarchismus jedem Menschen „als der klare, vollkommene und logische Ausdruck seines eigenen Instinkts“[22] innewohnen wĂŒrden und „die Volksmassen die Freiheit, nach der sie dĂŒrsten, […] mit Gewalt erobern“ mĂŒssten: „indem sie ihre elementaren KrĂ€fte außerhalb des Staates und gegen ihn organisieren mĂŒssen.“[23]

2.4.2 Marx-Kommunismus

Mit der Kritik der politischen Ökonomie, die im Kapital niedergeschrieben ist, beabsichtigte Karl Marx den Nachweis zu erbringen, dass die Gesetze der kapitalistischen Warenproduktion nur fĂŒr eine historisch begrenzte Phase Geltung haben und insbesondere durch ihre Entfaltung auf ihre eigene Aufhebung und damit eine sozialistische Gesellschaftsordnung hinwirken. Er bemerkte im Nachwort zur zweiten Auflage des Kapitals, dass er bei der Abfassung desselbigen eine dialektische Methode zur Anwendung bringe, die das direkte Gegenteil von der des Philosophen Friedrich Wilhelm Hegel sei: WĂ€hrend fĂŒr Hegel „der Denkprozeß […] der Demiurg des wirklichen [wĂ€re], das nur seine Ă€ußere Erscheinung bildet“[24], ist bei Marx „umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und ĂŒbersetzte Materielle.“[25] Auf die praktischen VerhĂ€ltnisse, die Marx zu analysieren gedachte, geht er im Nachwort auch ein.

So stellte er u. a. fest, dass die moderne Industrie einen periodischen Zyklus durchlaufe, deren Gipfelpunkt eine allgemeine Krise wĂ€re: „sie ist wieder im Anmarsch, obgleich noch begriffen in den Vorstadien“[26]. Die Kritik von Marx zielte auf das real existierende kapitalistische Wirtschaftssystem ab, das zur Ausbeutung der Arbeiterklasse fĂŒhre. In seinen Augen entwickelt die „kapitalistische Produktion […] nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergrĂ€bt: die Erde und den Arbeiter.“[27] Nach Marx stellte die ideelle Gleichstellung aller Menschen nach dem BĂŒrgerrecht den Gegensatz von Arbeit und Besitz her – die gleiche Behandlung von materiell ungleich Ausgestatteten schaffe die Voraussetzung dafĂŒr, dass sich die ökonomischen Unterschiede zum Schaden der Lohnarbeiter auswirkten. Das Recht auf Eigentum sorge insofern fĂŒr die Eigentumslosigkeit der ĂŒberwiegenden Mehrheit der Menschen, da sie so nicht ĂŒber die Produktionsmittel verfĂŒgen könnten.

Daher hinge das Maß der Freiheit des Einzelnen von dem Umfang seiner ökonomischen Mittel ab: FĂŒr Marx war der Arbeiter allein „frei in dem Doppelsinn, daß er als freie Person ĂŒber seine Arbeitskraft als seine Ware verfĂŒgt, daß er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.“[28] Er hielt den bĂŒrgerlichen Staat – ebenso wie Bakunin – fĂŒr eine Pseudo-Demokratie, die als eine Art von politischem Oberbau zur Wahrung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und damit der UnterdrĂŒckung der Proletarier (Arbeiter) diente. Alles sei zu Gunsten des Wirtschaftswachstums darauf ausgerichtet, die Gewinne der Kapitalisten zu maximieren, wobei die Arbeiter möglichst lange und intensiv bei geringen Löhnen arbeiten mĂŒssten. Marx prophezeite, dass der Kapitalismus an einer Abfolge von durch ihn selbst hervorgerufener ökonomischer Krisen zugrunde gehen wird: die Schere zwischen Arm und Reich, die Verelendung, wĂŒrde immer grĂ¶ĂŸer und damit auch der Unmut des Proletariats, das sich schließlich in revolutionĂ€rer Form der Produktionsmittel bemĂ€chtigen und diese vergesellschaften werde: daraufhin folge eine Diktatur des Proletariats. Gleichzeitig kĂ€me es zur Abschaffung der Kapitalistenklasse. Von jetzt an wĂ€re die Arbeit ausschließlich ein Mittel zum Zwecke der Bereicherung der allgemeinen LebensverhĂ€ltnisse, statt zur Vermehrung des Kapitals. Am Ende dieses Prozesses stĂ€nde das Absterben des Staates und der Beginn des sogenannten Reichs der Freiheit: Ist die Arbeit in der ersten Phase des Kommunismus noch eine Notwendigkeit, um zu ĂŒberleben, wird sie in der zweiten durch die VerkĂŒrzung des Arbeitstages eine sinnstiftende TĂ€tigkeit, „wo das Arbeiten, das durch Not und Ă€ußere ZweckmĂ€ĂŸigkeit bestimmt ist, aufhört“[29].

2.4.3 Bakunin-Anarchismus vs Marx-Kommunismus

Nachdem wir die Grundelemente der beiden Sozialismuskonzeptionen nĂ€her betrachtet haben – natĂŒrlich nicht bis ins letzte Detail, da dies den engen Rahmen dieser Arbeit sprengen wĂŒrde -, gilt es nun, diese miteinander zu vergleichen. ZunĂ€chst einmal ist festzustellen, dass zwischen Marx und Bakunin eine nicht unbedeutende Verbindung besteht: beide waren Materialisten, sahen die Ökonomie als Basis der Gesellschaft an, setzten sich fĂŒr die Abschaffung des Kapitalismus sowie jeder Art von Staatsreligion ein und sprachen beim bĂŒrgerlichen Staate von einer Pseudo-Demokratie. Die dramatischen GegensĂ€tzlichkeiten zwischen den Vorstellungen von Marx und Bakunin treten dagegen besonders bei der Rolle des Staates in einer postkapitalistischen Gesellschaft hervor: So war Marx der Auffassung, das Proletariat mĂŒsse den bĂŒrgerlichen Staat erobern und zum Instrument seines Befreiungskampfes umfunktionieren. Bakunin trat dagegen fĂŒr die Zerschlagung des Kapitalismus und des Staates in ein und derselben Revolution ein. Er wehrte sich vehement gegen einen Staatssozialismus, „den Sozialismus im Sinne des kommunistischen Manifestes, der alle KrĂ€fte der Gesellschaft im Staate konzentrieren wolle und somit die Verneinung aller Freiheit sei.“[30]

Hier wird deutlich, dass bei Bakunin die Idee der absoluten Freiheit in den Vordergrund tritt, wĂ€hrend es bei Marx die der ökonomischen Gleichheit ist. Marx konstatiert, dass der Staat zunĂ€chst noch aufrechterhalten werden mĂŒsse, um zu regieren und die Produktionsmittel zu zentralisieren: zu dieser autoritĂ€ren Überwachungs- und Leitungsfunktion gehöre die Kontrolle und Planung der Produktion. Dieser politischen Übergangsphase, der revolutionĂ€ren Diktatur des Proletariats, folge schließlich eine „Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die freie Entwicklung aller ist.“[31] Diese neue Gesellschaft funktioniere im Sinne: „Jeder nach seinen FĂ€higkeiten, jedem nach seinen BedĂŒrfnissen!“[32] DemgegenĂŒber forderte Bakunin die „gĂ€nzliche Beseitigung des Prinzips und der Vormundschaft des Staates.“[33]

Er wollte die Gesellschaft „von unten nach oben [organisieren], auf dem Weg der freien Vereinigung und die Abschaffung des individuellen und erblichen Eigentums, das eine Staatsinstitution sei.“[34] Wahrlich von prophetischem Gehalt, schaut man sich einmal spĂ€tere Staatssysteme (wie in der damaligen Sowjetunion) des real existierenden Kommunismus an, ist die geĂ€ußerte Kritik Bakunins, dass eine Regierung im Staatskommunismus „eine einzige Staatsbank grĂŒnden [werde], die die ganze kommerziell-industrielle, landwirtschaftliche und sogar wissenschaftliche Produktion auf sich konzentriert“[35], wobei das Volk in zwei Armeen aufgeteilt wĂŒrde: nĂ€mlich in eine industrielle und eine landwirtschaftliche, die unter dem Kommando einer neuen privilegierten wissenschaftlich-politischen Klasse stehe: den staatlichen Ingenieuren. In Anbetracht dieser Vorstellungen von Marx und Bakunin kann man deren unterschiedliche Konzeptionen gut und gerne auch anarchischer Föderalismus versus Staatssozialismus nennen! Der freiheitsliebende Bakunin empfand eine tiefe Abneigung gegen die autoritĂ€ren, allzu wissenschaftlichen Ideen von Marx – bei aller WertschĂ€tzung fĂŒr dessen AbstraktionsfĂ€higkeit und Gelehrsamkeit in Bezug auf die Ökonomie: denn im Sinne der Marxschen Vorstellungen wĂ€re das Individualbewusstsein der Menschen wĂ€hrend der Diktatur des Proletariats dem Klassenbewusstsein zum Opfer gefallen.

Versucht man, die beiden Protagonisten individualpsychologisch zu durchdringen, kommt man zu folgendem Schluss: Marx betrachtete die Welt hauptsĂ€chlich in der Rolle des Wissenschaftlers, der seinen Fokus auf das Allgemeine legte, Bakunin dagegen mehr als KĂŒnstler, der seinen Blick auf das Individuelle richtete.[36] Marx diente „seine Theorie als [..] Leitfaden seines Handelns“[37], wĂ€hrend Bakunins Leitfaden „der Wille zur Freiheit, den er in sich und in aller lebendigen Substanz sah“[38], war. Bakunin meinte, „daß das natĂŒrliche und gesellschaftliche Leben immer dem Denken vorausgeht, welches nur eine seiner Funktionen, nie aber sein Resultat sein wird“[39], dass sich das Leben niemals aus abstrakten Reflexionen entfalte – wozu man die Theorien von Karl Marx zĂ€hlen kann – und selbst „die rationalste und tiefsinnigste Wissenschaft […] nicht die Formen des zukĂŒnftigen gesellschaftlichen Lebens erahnen“[40] kann. Das Erkennen dieser fundamentalen Unterschiede im Wesen und Weltbild der Beiden kann zum besseren VerstĂ€ndnis ihrer verschiedenen Denkweisen und scharfen Auseinandersetzungen dienen. Abschließend sei noch gesagt, dass Marx und Bakunin auf dem Felde der Politik zwar die wichtigen Ideengeber zweier gegensĂ€tzlicher Sozialismuskonzeptionen, jedoch keine einsamen Helden waren, die sich auf der WeltbĂŒhne duellierten: es gibt weitaus mehr Akteure, zu nennen ist z. B. Friedrich Engels als enger Freund und Mitstreiter von Karl Marx, die eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Welche der beiden in dieser Arbeit behandelten Sozialismusströmungen im weiteren Verlauf der europĂ€ischen Geschichte zunĂ€chst einmal die breitere Manifestierung in Politik und Gesellschaft fand, lĂ€sst sich mit dem Verweis auf die Entwicklungen Anfang des 20. Jahrhunderts leicht beantworten: Sozialdemokraten und Kommunisten, die sich beide auf Marx beriefen, prĂ€gten die Parteienlandschaft, wĂ€hrend die Bewegungen der Anarchisten keine bedeutende Rolle mehr spielten: sie wurden u. a. in Russland von den Kommunisten verdrĂ€ngt und in sogenannten SĂ€uberungsaktionen gegen Ende der russischen Revolution gewaltsam niedergeschlagen. Auch heutzutage nehmen die Vertreter des Anarchismus gesamtgesellschaftlich eine Minderheitenposition ein.

3. Schlussbemerkung

Bei der GegenĂŒberstellung von Marx-Kommunismus versus Bakunin-Anarchismus haben sich neben einigen Gemeinsamkeiten wie die Kritik an einer Pseudo-Demokratie im bĂŒrgerlichen Staate, dem Willen zur Abschaffung jeder Form von Staatsreligion oder dem Faktum, dass sowohl Marx als auch Bakunin die Ökonomie als Grundlage jeder funktionierenden Gesellschaft ansahen, vor allem klare GegensĂ€tze feststellen lassen: WĂ€hrend Marx den Staat als Mittel zum Zwecke der Auslöschung der Bourgeois-Herrschaft und der Befreiung des Proletariats einzusetzen gedachte, wollte Bakunin diesen sofort in ein- und derselben Revolution vernichten, da er sich im Sinne einer Idee der absoluten Freiheit gegen jeden Zentralismus wandte und fĂŒr eine freie Organisation der Gesellschaft von unten nach oben eintrat.

In der Ersten Internationale war diese Unvereinbarkeit der ideologischen Vorstellungen von einem sozialistisch-zentralistischen Staat auf der einen und eines freiheitlich-föderalistischen Sozialismus auf der anderen Seite mit einem Zusammenprall von libertĂ€r-sozialrevolutionĂ€rem (Bakunin) und politisch-parlamentarischem FlĂŒgel (Marx) verbunden, der schließlich zu deren Spaltung fĂŒhrte. Bakunin lehnte die Forderung von Marx nach einer Diktatur des Proletariats sowie die fĂŒhrende Rolle einer revolutionĂ€ren Kaderpartei ebenso wie staatliche Hierarchien ab, da fĂŒr ihn jede Art von Staat die Verneinung der individuellen Freiheit bedeutete. Er setzte auf dezentrale, kollektive und konsensuale Entscheidungsstrukturen. GrundsĂ€tzliche Einigkeit zwischen Bakunin-Anarchismus und Marx-Kommunismus bestand in der EinschĂ€tzung, dass die Notwendigkeit einer sozialen Revolution bestehe, die eine radikale UmwĂ€lzung der BesitzverhĂ€ltnisse zu bewirken habe – dazu gehörte auch die von den Anarchisten geteilte Zielvorstellung des Kommunismus von einer klassenlosen Gesellschaft. Hinsichtlich der Realisierbarkeit der unterschiedlichen Auffassungen ist festzustellen, dass es Marx – im Gegensatz zu Bakunin – mit seinen kommunistischen Theorien gelang, breite Massen der Arbeiterbewegung, denen er eine fĂŒr sie nachvollziehbare Zukunftsperspektive aufzeigte, anzusprechen.

Er arbeitete systematisch reflexiv und analysierte die bestehenden VerhĂ€ltnisse, um daraus seine strategisch-langfristigen Überlegungen zu entwickeln. Aus heutiger Perspektive ist aber vor allem zu kritisieren, dass er nicht die Gefahr sah, dass der von ihm proklamierte sozialistische Staat ebenso diktatorische und oligarchische Strukturen entwickeln könne. Bakunin dagegen war sich dessen nur zu gut bewusst. Sein radikaler Anspruch, die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse unmittelbar – notfalls mit Gewalt – im Sinne seiner anarchistischen Ideen zu verĂ€ndern, könnte man als kurzsichtig bezeichnen. Doch im Gegensatz zu Marx war er bekennenderweise kein Theoretiker und entwickelte daher auch kein langfristig angelegtes Konzept. Auch ein situationsbedingter Pragmatismus war ihm fremd gewesen. Vor allem seine ungestĂŒme Bedenkenlosigkeit, mit der er die Zerstörung des Bestehenden forderte, traf schon zu damaligen Zeiten auf viel Kritik. In all seinen antiautoritĂ€ren Vorstellungen und seinem Umgang mit Zeitgenossen spiegelt sich ein unbedingter Trieb zur Freiheit, eine radikale Empörung gegen jede Form der EntmĂŒndigung und EntwĂŒrdigung des Menschen wider – diese idealistische Haltung war zugleich seine große StĂ€rke, aus der sich seine enorme Ausstrahlungs- und Überzeugungskraft speiste.

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen:

Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 23, Das Kapital, Bd. I, (Karl) Dietz Verlag, Berlin/DDR 1968.
Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften. Hrsg. und eingeleitet von Horst Stuke, Ullstein Verlag, Frankfurt a. Main 1972.
Michael Bakunin: Die revolutionĂ€re Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Aus dem Französischen von Michael Halfbrodt, hrsg. v. Wolfgang Eckhardt, Unrast, MĂŒnster 2000.Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 4, Manifest der Kommunistischen Partei, 6. Auflage, (Karl) Dietz Verlag, Berlin/DDR 1972.
Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 19, Kritik des Gothaer Programms, 4. Auflage, (Karl) Dietz Verlag, Berlin/DDR 1973.
Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 16, 6. Auflage, Artikel und Korrespondenzen 1869, unverĂ€nderter Nachdruck der 1. Auflage, (Karl) Dietz Verlag, Berlin/DDR 1975.
Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 25, Das Kapital, Bd. III, (Karl) Dietz Verlag, Berlin/DDR 1983.

Literatur:

Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976.
Karam Khella: Die erfundene RealitĂ€t. Die marxistische Wirtschaftstheorie. Kritik der Kritik der politischen Ökonomie. Theorie und Praxis Verlag, Hamburg 1997.
Walter G. Neumann: Der Kommentar III. Karl Marx: Methode, Geschichtsbegriff, Anthropologie und konkrete Utopie, Verlag fĂŒr die Gesellschaft, Hannover 1998.
Olaf Gerlach/ Stefan Kalmring/ Andreas Nowak (Hrsg.): Mit Marx ins 21. Jahrhundert. Zur AktualitĂ€t der Kritik der Politischen Ökonomie, VSA-Verlag 2003.
Was ist eigentlich Anarchie? – EinfĂŒhrung in Theorie und Geschichte des Anarchismus, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 2003.

[1] Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, Vorwort von Karl Lang, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976, S. V.

[2] Was ist eigentlich Anarchie? – EinfĂŒhrung in Theorie und Geschichte des Anarchismus, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 2003, S. 90.

[3] Ebd. S. 90.

[4] Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976, S. 56.

[5] Was ist eigentlich Anarchie? – EinfĂŒhrung in Theorie und Geschichte des Anarchismus, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 2003, S. 90.

[6] Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 16, 6. Auflage, Artikel und Korrespondenzen, unverĂ€nderter Nachdruck der 1. Auflage, Berlin/DDR 1975, S. 411.

[7] Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976, S. 89.

[8] Ebd S. 89.

[9] Ebd S. 85.

[10] Was ist eigentlich Anarchie? – EinfĂŒhrung in Theorie und Geschichte des Anarchismus, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 2003, S. 91.

[11] Ebd S. 92.

[12] M. Bakunin: Die revolutionĂ€re Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Aus dem Französischen von Michael Halfbrodt, hrsg. v. Wolfgang Eckhardt, MĂŒnster 2000, S. 9.

[13] Ebd S. 9.

[14] Ebd S. 10.

[15] Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften. Hrsg. und eingeleitet von Horst Stuke, Frankfurt a. Main 1972, S. 564.

[16] Ebd S. 32.

[17] M. Bakunin: Die revolutionĂ€re Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Aus dem Französischen von Michael Halfbrodt, hrsg. v. Wolfgang Eckhardt, MĂŒnster 2000, S. 31.

[18] Ebd. S. 60.

[19] Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976, S. 52.

[20] Ebd. S. 52.

[21] Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften. Hrsg. und eingeleitet von Horst Stuke, Frankfurt a. Main 1972, S. 562.

[22] Ebd. S. 643.

[23] Ebd. S. 604.

[24] Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 23, Das Kapital, Bd. I, Berlin/DDR 1968, S. 27.

[25] Ebd S. 27.

[26] Ebd S. 28.

[27] Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 23, Das Kapital, Bd. I, Berlin/DDR 1968, S. 530.

[28] Ebd. S. 183.

[29] Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 25, Das Kapital, Bd. III, Berlin/DDR 1983, S. 828.

[30] Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976, S. 56.

[31] Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 4, Manifest der Kommunistischen Partei, 6. Auflage, Berlin/DDR 1972, S. 482.

[32] Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 19, Kritik des Gothaer Programms, 4. Auflage, Berlin/DDR 1973, S. 21.

[33] Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976, S. 56.

[34] Ebd. S. 56.

[35] Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften. Hrsg. und eingeleitet von Horst Stuke, Frankfurt a. Main 1972, S. 617.

[36] Vgl. Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin: Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, hrsg. v. Katrin Kramer Verlag, Berlin 1976, S. 85.

[37] Ebd. S. 85.

[38] Ebd. S. 85.

[39] Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften. Hrsg. und eingeleitet von Horst Stuke, Frankfurt a. Main 1972, S. 563.

[40] Ebd. S. 636.

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