Willensfreiheit – RealitĂ€t oder bloße Illusion?


Charlie Rutz

by Charlie Rutz | Datum: 18.10.2008
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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Hauptteil
__2.1 Determinismus
__2.2 Indeterminismus
__2.3 Kompatibilismus
__2.4 Inkompatibilismus
__2.5 Libertarianismus
__2.6 Willensfreiheit – RealitĂ€t oder bloße Illusion?
3. Schlussbemerkung
4. Quellen- und Literaturverzeichnis

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1. Einleitung

In dem Film „Matrix Reloaded“ treffen die Hauptcharaktere Neo, Trinity und Morpheus in einem Restaurant auf den sogenannten Merowinger[1], der sich zur KausalitĂ€t Ă€ußert: [Merowinger]: „Sehen Sie, es gibt nur eine Konstante, eine UniversalitĂ€t. Es ist die einzige echte Wahrheit: KausalitĂ€t. Aktion – Reaktion. Ursache und Wirkung.“ [Morpheus]: „Alles beginnt mit einer Entscheidung.“ [Merowinger]: „Nein. Falsch! Entscheidung ist eine Illusion […]. […] KausalitĂ€t. Es gibt kein Entrinnen davor. Wir sind fĂŒr alle Zeit ihre Sklaven.“ Diese Weltanschauung des Merowinger spiegelt sich auch in den Theorien vom Determinismus (logisch, theologisch, kausal etc.) wider, gerade im kausalen Sinne, die allesamt natĂŒrlich nicht einfach in eine gemeinsame Formel zu fassen sind, was ebenso fĂŒr das GegenstĂŒck zum (kausalen) Determinismus, den Indeterminismus, sowie die Theorien vom Kompatibilismus, Inkompatibilismus und Libertarianismus gilt. All diese Weltanschauungen verbindet eines: NĂ€mlich die Untersuchung der Frage, ob wir Menschen Willensfreiheit besitzen oder dies bloße Illusion ist. Nach der Idee von der Willensfreiheit verfĂŒgt „jeder von uns ĂŒber so etwas wie die persönliche FĂ€higkeit zur Erstauslösung von Entscheidungen und BeschlĂŒssen […, wobei] wir unter Voraussetzung genau gleichbleibender Vergangenheit, Gegenwart und Personenbeschaffenheit imstande [sind], das Gegenteil dessen zu wĂ€hlen oder zu beschließen, was wir tatsĂ€chlich gewĂ€hlt oder beschlossen haben.“[2] Dazu gehört auch die FĂ€higkeit, „anders zu handeln, als wir dies in Wirklichkeit tun.“[3]

Die philosophische Debatte rund um die Willensfreiheit dreht sich im Wesentlichen um die Frage, ob sich Freiheit und Notwendigkeit gegenseitig ausschließen oder nicht bzw. was fĂŒr Bedingungen erfĂŒllt sein mĂŒssen, damit eine Entscheidung als frei angesehen werden kann und ob diese Bedingungen in unserer Welt tatsĂ€chlich erfĂŒllt sind. Damit verbunden besteht zwischen den Diskutanten der weitgehende Konsens, dass einer Entscheidung folgende Bedingungen zugrunde liegen mĂŒssen, damit sie als frei angesehen werden kann: „1. Die Person muss eine Wahl zwischen Alternativen haben; sie muss anders handeln bzw. sich anders entscheiden können, als sie es tatsĂ€chlich tut. (Die Bedingung des Anders-Handeln- oder Anders-Entscheiden-Könnens) 2. Welche Wahl getroffen wird, muss entscheidend von der Person selbst abhĂ€ngen. (Urheberschaftsbedingung) 3. Wie die Person handelt oder entscheidet, muss ihrer Kontrolle unterliegen. Diese Kontrolle darf nicht durch Zwang ausgeschlossen sein (Kontrollbedingung).“[4]

Von großer Bedeutung ist dabei die Fragestellung, ob die genannten Bedingungen auch zutreffen, wenn die Theorie vom Determinismus der Wahrheit entsprechen sollte. Diese und ihr Pendant, der Indeterminismus, werde ich zunĂ€chst zu beschreiben versuchen und anschließend die damit im direkten Zusammenhang stehenden philosophischen Positionen von Kompatibilismus, Inkompatibilismus und Libertarianismus kurz vorstellen. Womöglich wird es mir nicht gelingen, eine exakte Beschreibung dieser Positionen vorzunehmen. Unter anderem deshalb, weil ich den Eindruck gewonnen habe, dass es keine allgemein gĂŒltigen bzw. allseits anerkannten Definitionen dieser philosophischen Positionen gibt und auch deren angebliche Vertreter nicht unbedingt immer nur einer zugeordnet werden können. Es ist nur der Versuch, die Positionen zur Willensfreiheit etwas zu systematisieren. In den Kontroversen ĂŒber die Willensfreiheit gewinnen immer mehr auch die neuesten Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften, also der Hirnforschung, an Bedeutung. Dort wird beispielsweise behauptet, dass in „>>Wirklichkeit<< [niemand] denke […], sondern das Gehirn […] ein Spiel der Neuronen [spiele], bei dem das Selbst kein Wörtchen mitzureden habe“[5] und dass sein „Denken, […] FĂŒhlen und Wollen, sein Glauben, Hoffen und Lieben“[6] eine bloße Illusion sei.

2. Hauptteil

2.1 Determinismus

Der Begriff Determinismus[7] dient hĂ€ufig „als Bezeichnung fĂŒr eine ganz allgemeine Theorie der gesamten RealitĂ€t, zu der auch die unbelebte Welt und insbesondere die physikalischen Elementarteilchen gehören. Oft wird der Ausdruck aber auch […] als Bezeichnung fĂŒr eine Vorstellung, eine Lehre oder eine Theorie, die von Personen handelt und zu dem Ergebnis fĂŒhrt, daß wir in irgendeinem Sinne nicht frei und verantwortlich sind“[8], verwendet. Und drittens kann der Determinismus „lediglich eine Anschauung ĂŒber unsere Natur [sein], und zwar im wesentlichen die Anschauung, wonach die gewöhnliche KausalitĂ€tsvorstellung auf uns und unser Leben zutrifft und wir den Kausalgesetzen unterliegen.“[9] FĂŒr die Frage, ob Willensfreiheit RealitĂ€t oder bloße Illusion ist, werden alle drei Auffassungen relevant sein, da sie sich in den Debatten ĂŒber Willensfreiheit gegenseitig durchdringen, wobei insbesondere die deterministische These von Interesse sein wird, dass unser Wille nicht frei, sondern von inneren und Ă€ußeren Ursachen vorherbestimmt ist.

In diesem Zusammenhang gibt es unterschiedliche Auffassungen darĂŒber, wie stark die jeweiligen ZustĂ€nde bzw. Geschehnisse in unserer Welt vorherbestimmt bzw. determiniert sind. In den Debatten ĂŒber die Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit spielt hauptsĂ€chlich der kausale Determinismus eine Rolle. Dabei handelt es sich um eine Idee, nach der es „Bedingungen und Gesetze gibt, die festlegen, wann was geschieht […]: Die Vergangenheit legt in einer solchen Welt eine einzige, eindeutig bestimmte Zukunft fest. Die tatsĂ€chliche Vergangenheit dieser Welt, zusammen mit den in dieser Welt gĂŒltigen Gesetzen, lĂ€ĂŸt nur ein einziges zukĂŒnftiges Geschehen zu. Es gibt zu jedem Zeitpunkt nur eine einzige mögliche Zukunft.“[10] Dieser strenge Determinismus, der Grundlage fĂŒr die weiteren Überlegungen und AusfĂŒhrungen ist, schließt aus, dass wir auch nur ansatzweise eine Willens- bzw. Entscheidungsfreiheit besitzen. Er ist gleichbedeutend mit dem Kausalprinzip und ist also „die Annahme, daß alles in der Welt, d.h. jeder eindeutig definierte Weltzustand (state of affairs) nach unverbrĂŒchlichen Kausalgesetzen durch jeden anderen logisch eindeutig festgelegt sei.“[11] Insbesondere seitens der Vertreter einer deterministischen Weltanschauung wird hĂ€ufig die berĂŒhmt gewordene Metapher vom sogenannten Laplaceschen DĂ€mon zitiert. So heißt es im Vorwort des vom französischen Mathematiker und Astronomen Pierre-Simon Laplace (28.3.1749–5.3.1827) im Jahre 1814 veröffentlichten Essayi philosophique sur les probabilitĂ©s:

„Wir mĂŒssen also den gegenwĂ€rtigen Zustand des Weltalls als die Wirkung seines frĂŒheren und als die Ursache des folgenden Zustands betrachten. Eine Intelligenz, welche fĂŒr einen gegebenen Augenblick alle in der Natur wirkenden KrĂ€fte sowie die gegenseitige Lage der sie zusammensetzenden Elemente kennte, und ĂŒberdies in derselben Formel die Bewegungen der grĂ¶ĂŸten Weltkörper, wie des leichtesten Atoms umschließen; nichts wĂŒrde ihr ungewiß sein und Zukunft wie Vergangenheit wĂŒrde ihr offen vor Augen liegen.“[12]

Laplace entwickelte also die Vorstellung eines allwissenden Wesens, das dank der Kenntnis von Ort, Masse und Geschwindigkeit aller Materieteilchen im Universum zu einem bestimmten Zeitpunkt das gesamte Weltgeschehen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) berechnen und vorherbestimmen kann.

2.2 Indeterminismus

Die philosophische Theorie vom Indeterminismus besagt ganz allgemein, dass „bestimmte Ereignisse nicht geschehen mussten, sondern etwas anderes geschehen konnte. Diese Ereignisse sollen daher nicht notwendig herbeigefĂŒhrt, nicht notwendige Folge oder Wirkung von etwas, also nicht durch Ursachen determiniert, sondern indeterminiert (= unbestimmt) sein.“[13] Im Gegensatz zum kausalen Determinismus soll es laut Indeterminismus also Ereignisse geben, die ohne Kausalzusammenhang und damit absolut zufĂ€llig hervorgerufen werden. Im Speziellen wird in der Philosophie eine Unterscheidung zwischen dem epistemischen und dem ontologischen Indeterminismus vorgenommen. So setzt ein „epistemischer Indeterminismus […] explizit aus der Perspektive des Handelnden an und rĂ€umt dabei eine prinzipielle Unvorhersagbarkeit ein, die auch dann zutrifft, wenn der Determinismus zutreffen sollte.“[14] Dies ist bezogen auf unsere ErkenntnisfĂ€higkeit, der bestimmte Grenzen gesetzt sein können: Wenn ich beispielsweise nicht genau voraussagen kann, was fĂŒr einen Spielzug der gelegentlich von mir zum Duell herausgeforderte Schachcomputer als nĂ€chstes macht, obwohl er im Rahmen der mir bekannten Schachregeln agiert und ich ĂŒber dessen Funktionsweise informiert bin. Ein bedeutendes Argument, das dem epistemischen Indeterminismus zugeordnet wird, ist, dass „die Voraussage eigener Handlungen unmöglich ist, weil jeder Versuch, die Daten fĂŒr eine solche Voraussage zu gewinnen, und auch die Formulierung der Voraussage selbst“[15] unsere Handlungsweise bestimmen können, weshalb die „Akte, die zum Bilden der Voraussage erforderlich sind, die GĂŒltigkeit der Voraussage zunichte machen.“[16]

Dagegen bezieht sich der ontologische Indeterminismus auf die Welt bzw. eine Sache an sich. Was damit gemeint ist, möchte ich anhand der Quantenphysik kurz beschreiben: Mit der Quantenphysik „nahmen die Physiker endgĂŒltig Abschied von der Absolutheit des Wissens. Die Quantentheorie besagt, dass sich nur noch die Wahrscheinlichkeit eines Vorgangs beschreiben lĂ€sst.“[17] Eine wichtige Grundlage dieser modernen Auffassung bildet die Heisenbergsche UnschĂ€rferelation, die aussagt, dass in der subatomaren Welt das Gesetz von Ursache und Wirkung (-> KausalitĂ€tsprinzip) aufgehoben wird, da es unmöglich ist, Ort und Impuls eines Teilchens gleichzeitig beliebig genau zu bestimmen bzw. zu messen: je genauer man den Ort eines Teilchens misst, desto ungenauer wird die Information ĂŒber dessen Impuls und andersherum. Diese in der heutigen Physik weit verbreitete Theorie ist von prinzipieller Natur und grĂŒndet nicht auf den technischen EinschrĂ€nkungen der zum Einsatz kommenden Messapparate.

Und auch wenn Einstein als Reaktion auf diese Heisenbergsche Theorie behauptete: „Gott wĂŒrfelt nicht!“, so geben neuere, weitgehend anerkannte naturwissenschaftliche Erkenntnisse Anlass zu der Schlussfolgerung, dass vieles von einem objektiven Zufall bestimmt zu sein scheint, wie der radioaktive Zerfall, da bisher im praktischen Sinne nichts gegenteiliges bewiesen werden konnte und es keine ernsthaften Hinweise auf eine andere Schlussfolgerung gibt. So können auf dem Gebiete der Quantenphysik nur Wahrscheinlichkeitsaussagen getroffen werden, jedoch keine exakten Voraussagen. Dieser auf der Quantenebene herrschende absolute bzw. objektive Zufall wĂ€re dann dem ontologischen Indeterminismus zuzuordnen, da er sich auf unsere Welt an sich beziehen wĂŒrde. Zusammenfassend lĂ€sst sich sagen, dass der ontologische Indeterminismus „eine Eigenschaft der Natur selbst“[18] ist, wĂ€hrend der epistemische Indeterminismus „nur in unserem Wissen liegt und keine objektive Eigenschaft der Natur ist.“[19]

2.3 Kompatibilismus

Die heutzutage dominierende These des Kompatibilismus ist die Vereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus. Zu den bekanntesten Vertretern der klassischen kompatibilistischen These gehören David Hume (26.4.1711–25.8.1776) und Thomas Hobbes (5.4.1588–4.12.1679), die sich darauf beschrĂ€nkten, die Entscheidungsfreiheit[20] und nicht etwa auch die Willensfreiheit als kompatibel mit dem Determinismus anzusehen. Die bereits erwĂ€hnte moderne Auffassung vom Kompatibilismus wurde entscheidend von dem englischen Philosophen George Edward Moore (4.11.1873–24.10.1958) mitgeprĂ€gt. Er hielt es fĂŒr „gewiß, 1. daß wir oft anders gehandelt haben wĂŒrden, wenn wir uns dazu entschieden hĂ€tten; 2. daß wir uns in Ă€hnlicher Weise oft anders entschieden haben wĂŒrden, wenn wir uns entschieden hĂ€tten, uns so zu entscheiden; und 3. daß uns fast immer eine andere Entscheidung möglich war, in dem Sinn, daß niemand von uns mit Sicherheit wissen konnte, ob er sich nicht so entscheiden wĂŒrde.“[21] FĂŒr ihn zeichnet sich die Willensfreiheit durch die FĂ€higkeit aus, das wollen zu können, was man wollen will.

Der US-amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt versuchte spĂ€ter diese Gedanken Moores mit seiner hierarchischen Theorie der Willensfreiheit prĂ€ziser auszuformulieren. Darin unterscheidet Frankfurt nach WĂŒnschen von erster und zweiter Stufe, die ein Mensch haben kann. WĂŒnsche, die sich auf Handlungen beziehen, beispielsweise mein Wunsch, Kinokarten fĂŒr den Film „The Dark Knight“ zu kaufen, sind nach Frankfurt WĂŒnsche erster Stufe. Dagegen bezeichnet er WĂŒnsche von zweiter Stufe als WĂŒnsche, die die WĂŒnsche erster Stufe zum Gegenstand haben: So mag der Alkoholiker den Wunsch haben, Alkohol zu trinken. Jedoch ist es laut Frankfurt genauso vorstellbar, dass der Alkoholiker den Wunsch hat, eben diesen Wunsch nicht zu haben, weil er weiß, dass der Konsum von Alkohol seinem Körper schadet und er es deshalb gut finden wĂŒrde, wenn sich der Wunsch, Alkohol zu trinken, wenigstens nicht gegen seine anderen WĂŒnsche behauptete. FĂŒr Frankfurt „ist eine Person in ihrem Wollen frei, wenn ihr Handeln durch die WĂŒnsche erster Stufe bestimmt wird, von denen sie auf der zweiten Stufe will, dass sie handlungswirksam werden.“[22]

Doch stellt sich u.a. der deutsche Philosoph Ansgar Beckermann die Frage, ob es fĂŒr die Willensfreiheit wirklich ausreicht, „dass auf der ersten Stufe genau die WĂŒnsche handlungswirksam werden, von denen wir dies auf der zweiten Stufe wollen? Und wĂŒrde das in Frankfurts Theorie nicht bedeuten, dass sie den WĂŒnschen dritter Stufe entsprechen? Usw. usw. Es droht also ein unendlicher  Regress. Außerdem wird […] ein fĂŒr Willensfreiheit entscheidender Gesichtspunkt außer Acht gelassen – der […] der Wertung und des moralischen Urteils.“[23] Weitgehende Einigkeit zwischen den Kompatibilisten besteht dagegen in der Auffassung, dass diejenigen Entscheidungen und Handlungen als frei gelten, „die ich ausfĂŒhre bzw. treffe, weil ich sie ausfĂŒhren oder treffen will, die keinerlei inneren oder Ă€ußeren ZwĂ€ngen unterliegen.“[24]

2.4 Inkompatibilismus

Bezugnehmend auf den Kompatibilismus und im Widerspruch zu diesem postulieren die Vertreter des Inkompatibilismus, dass Willensfreiheit und moralische Verantwortung unvereinbar mit dem Determinismus sind. Als Untermauerung dieser These ziehen die BefĂŒrworter des Inkompatibilismus oft das sogenannte Konsequenzargument des amerikanischen Philosophen Peter van Inwagen heran. Der deutsche Philosoph Thomas Buchheim ĂŒbersetzte die Kernaussage dieses Arguments aus Inwagens Publikation An Essay on Free Will (1983, S. 16) wie folgt: „Wenn der Determinismus wahr ist, dann sind unsere Handlungen die Konsequenzen der Naturgesetze und von Ereignissen in ferner Vergangenheit. Doch steht nicht in unserer Macht, was geschah, bevor wir geboren wurden, und auch nicht in unserer Macht, wie die Naturgesetze beschaffen sind. Also stehen die Konsequenzen dieser beiden Dinge (zu denen auch unsere gegenwĂ€rtigen Handlungen gehören) nicht in unserer Macht.“[25]

Das wĂŒrde im Umkehrschluss bedeuten, dass unsere Entscheidungen und Handlungen nur dann als frei anzusehen sind, wenn ausschließlich wir selbst als Verursacher dieser gelten. Von solch einer Idee der Letzturheberschaft spricht beispielsweise auch der amerikanische Philosoph und Vertreter einer inkompatibilistischen Position Robert Kane, fĂŒr den „die Freiheit auf der FĂ€higkeit [beruht], die letzte Quelle und der Ursprung unserer eigenen Ziele und Absichten zu sein.“[26] Dagegen wenden bekennende Kompatibilisten wie Ansgar Beckermann ein, dass es doch wohl nicht so wĂ€re, „dass Menschen als Wesen ohne alle WĂŒnsche und Absichten auf die Welt kommen, um dann aus dem großen Arsenal auszuwĂ€hlen – diesen Wunsch hĂ€tte ich gern und diese Absicht und dann vielleicht auch noch jenes Ziel. Diese Idee ist sogar völlig absurd; denn ein Wesen ohne WĂŒnsche und Absichten hĂ€tte gar kein Motiv, sich ĂŒberhaupt Ziele und Absichten zuzulegen, und es hĂ€tte auch gar keine Kriterien, nach denen es auswĂ€hlen könnte.“[27]

2.5 Libertarianismus

Als die radikalste Form der Bejahung fĂŒr die Existenz eines freien Willens beim Menschen gilt der Libertarianismus, dessen Vertreter Inkompatibilisten sind, die nicht nur die Vereinbarkeit von Determinismus und Freiheit verneinen, sondern behaupten, dass der (kausale) Determinismus falsch ist und wir Menschen somit einen freien Willen besitzen sowie fĂŒr unser Handeln moralisch verantwortlich sind. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Annahme einer sogenannten AkteurskausalitĂ€t, die der amerikanische Philosoph Roderick Chisholm (1916-1999) wie folgt beschrieb: „Wir dĂŒrfen also nicht sagen, daß jedes Ereignis, das zu der Handlung gehört, durch ein anderes Ereignis verursacht ist. Und wir dĂŒrfen nicht sagen, daß einige der Ereignisse, die fĂŒr die Handlung wesentlich sind, ĂŒberhaupt nicht verursacht sind. Die Möglichkeit, die also bleibt, ist diese: Wir sollten sagen, daß mindestens eines der Ereignisse, die an der Handlung beteiligt sind, nicht durch irgendwelche anderen Ereignisse, sondern statt dessen durch etwas anderes verursacht ist. Und dies andere kann nur der Handelnde sein – der Mensch.“[28] Demnach wĂ€re eine Handlung nur dann als frei anzusehen, wenn sie weder kausal determiniert ist noch absolut zufĂ€llig geschieht, sondern vom jeweiligen Akteur bzw. Menschen selbst verursacht wurde.

Ich wĂ€re in diesem Sinne laut Chisholm als Akteur sozusagen ein unbewegter Beweger. Als Konsequenz daraus wird zwischen zwei Arten von KausalitĂ€t unterschieden: der EreigniskausalitĂ€t auf der einen und der AkteurskausalitĂ€t auf der anderen Seite. Von EreigniskausalitĂ€t, was nichts anderes als die ĂŒbliche Vorstellung von KausalitĂ€t bedeutet, wird gesprochen, wenn ein Ereignis ein anderes notwendigerweise nach sich zieht. Wenn also beispielsweise der Baum vor meinem Hause umstĂŒrzte, weil ein Blitzschlag ihn traf, dann war der Blitzschlag die Ursache dafĂŒr, dass der Baum umfiel. Dagegen bedeutet AkteurskausalitĂ€t nach Chisholm, dass ein Ereignis nicht durch ein anderes hervorgerufen wurde, sondern allein durch einen Akteur wie mich selbst: „Ich kann ein Ereignis hervorbringen, indem ich etwas tue, was seinerseits dieses Ereignis verursacht. Ich mache das Licht an, indem ich den Schalter betĂ€tige […], indem ich eine bestimmte Handbewegung ausfĂŒhre. Aber diese Handbewegung selbst (oder vielleicht den neuronalen Vorgang, der zu dieser Handbewegung fĂŒhrt) verursache ich direkt – ohne etwas anderes zu tun, was sie (ihn) kausal hervorruft.[29] Der handelnde Akteur setzt nach dieser Auffassung also eine völlig neue Kausalkette in die Welt.

2.6 Willensfreiheit – RealitĂ€t oder bloße Illusion?

Nachdem ich die bedeutendsten philosophischen Positionen in der Debatte rund um die Willensfreiheit kurz darzustellen versucht habe, fĂŒhle ich mich offen gestanden so unzufrieden wie Goethes Faust zu Beginn der Handlung: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“ Sicher, mir war von Anfang an bewusst, dass die Materie rund um das Thema Willensfreiheit Ă€ußerst komplex ist – jedoch gewann ich den Eindruck, dass hier oft auf einer theoretischen Ebene diskutiert wird, die ich nur schwerlich bis gar nicht in Verbindung mit meinem alltĂ€glichen Leben  bringen kann.

2.6.1 Das GefĂŒhl der Willensfreiheit (= FreiheitsgefĂŒhl)

Gerade die Vertreter einer harten deterministischen Auffassung schließen aufgrund der Vorstellung, dass wir in einer von Naturgesetzen und KausalitĂ€ten beherrschten Welt leben, die Möglichkeit eines freien Willens vollkommen aus. Schließlich sei in der beschriebenen Welt alles Geschehen und jeder Zustand eindeutig durch vorhergehende Ereignisse (kausal) vorherbestimmt. Danach hĂ€tte ich also gar nicht anders handeln können, als diesen Beitrag zum Thema Willensfreiheit zu schreiben. Hier spielt fĂŒr die harten Deterministen in Bezug auf menschliche Entscheidungen u.a. das von Arthur Schopenhauer geprĂ€gte Gesetz der Motivation eine herausragende Rolle, das besagt, „dass jede menschliche Entscheidung durch Motive verursacht wird. […] Die Motive (lat.-mlat. = Beweggrund) ‚bewegen‘ den Willen und sind der ‚Motor‘ (lat. = Beweger) von Entscheidungen. Die Motivation ist damit die Summe der Motive, die den Willen bewegen und ihn letztlich bestimmt haben. Die Motive von Entscheidungen reprĂ€sentieren dabei die Werte (Interessen) der Person. Diese wirken also als Motive auf die Entscheidung der Person und bestimmen die Entscheidung. Die EmpfĂ€nglichkeit fĂŒr bestimmte Werte ist von Person zu Person verschieden. Jede Person ist so durch verschiedene Werte in ihrem Verhalten bestimmbar oder motivierbar.“[30]

In diese Richtung gehen auch die auf neuesten Erkenntnissen der Neurowissenschaften basierenden Behauptungen von Hirnforschern wie Wolf Singer oder Gerhard Roth, die erklĂ€ren, dass der freie Wille eine bloße Illusion wĂ€re, da u.a. im Gehirn stetig Motive gegeneinander abgewogen werden, die fĂŒr oder gegen eine Handlung sprechen, ohne dass ich mir dieser AbwĂ€gungsprozesse bewusst bin. Singer meint, dass es sowohl unbewusste als auch bewusste AbwĂ€gungsprozesse gĂ€be und wir „letztere als unserem freien Willen unterworfen wahrnehmen, auch wenn in beiden FĂ€llen der Entscheidungsprozeß selbst auf deterministischen neuronalen Prozessen beruht.“[31] Unterschiedlich sind fĂŒr ihn „lediglich die Herkunft der Variablen und die Art ihrer Verhandlung: Genetische Faktoren, frĂŒhe PrĂ€gungen, soziale LernvorgĂ€nge und aktuelle Auslöser, zu denen auch Befehle, WĂŒnsche und Argumente anderer zĂ€hlen, wirken stets untrennbar zusammen und legen das Ergebnis fest, gleich, ob sich Entscheidungen mehr unbewußten oder bewußten Motiven verdanken.“[32] Doch was könnte der Grund dafĂŒr sein, dass determiniert ist, dass mir vorgegaukelt wird, ich besĂ€ĂŸe einen freien Willen? Damit ich mich, wie Singer sagt, einfach nur gut fĂŒhle? Warum sollte ich mich nicht auch gut fĂŒhlen können, wenn ich nicht dieses FreiheitsgefĂŒhl empfinde?

Was wĂŒrde die Natur damit bezwecken wollen, uns die Illusion zu geben, wir könnten anders handeln wollen, und uns gleichzeitig zu ermöglichen, diese Illusion als Illusion (siehe Hirnforscher) zu entlarven?  WĂ€re das nicht unsinnig? Sollten wir tatsĂ€chlich keine Willensfreiheit besitzen: Warum fĂŒhle ich mich dann oft frei darin zu entscheiden, ob ich dieses oder jenes tun will, beispielsweise diesen Beitrag ĂŒber Willensfreiheit zu schreiben oder nicht? Aus meiner Ich- bzw. Innenperspektive heraus fĂŒhle ich mich jedenfalls, ausgeschlossen in Situationen eines von mir wahrgenommenen Ă€ußeren oder inneren Zwanges, oft frei darin zu entscheiden, ob ich A, B oder C usw. tue. Da dieses GefĂŒhl zu der von mir erlebten Wirklichkeit gehört, ist es auch etwas mich stark prĂ€gendes. Wenn mir jetzt ein Hirnforscher zu erklĂ€ren versucht, ich besĂ€ĂŸe keinen freien Willen, weil sich Verhaltensmanifestationen wie „Wahrnehmen, Vorstellen, Erinnern und Vergessen, Bewerten, Planen und Entscheiden, und schließlich die FĂ€higkeit, Emotionen zu haben […,] operationalisieren, aus der Dritten-Person-Perspektive heraus objektivieren und im Sinne kausaler Verursachung auf neuronale Prozesse zurĂŒckfĂŒhren“[33] lassen, so bezweifle ich, dass er alles ĂŒber das aus der Ich-Perspektive heraus resultierende Erleben meines FreiheitsgefĂŒhls wĂŒsste bzw. darĂŒber, welche HirnzustĂ€nde welches Verhalten auslösen – selbst dann, wenn mein Gehirn irgendwann neurobiologisch bis ins letzte Detail durchleuchtet wĂ€re.

Nicht zuletzt deshalb, weil jeder „Versuch, den Zustand des Gehirns exakt zu beschreiben, […] einen Eingriff in das Gehirn voraus[setzte], welcher wiederum dessen Zustand augenblicklich verĂ€ndert[e].“[34] Ebenso ist es fraglich, ob sich mit einer Sprache der Neurowissenschaften, also dem Beschreiben unseres Gehirns mit naturwissenschaftlichen bzw. neurobiologischen Begriffen wie Großhirnrinde, Nervenzellen usw., Ideen bzw. Begriffe wie die der Willensfreiheit beschreiben lassen können. Kann denn ein Gehirn entscheiden? Das klingt fĂŒr mich sehr merkwĂŒrdig: Ich entscheide doch wohl, oder? Ein Beispiel: Meine Freundin malt in ihrer Freizeit gerne Bilder. Nun kann ich einerseits mit naturwissenschaftlichen Begriffen die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Bildes beschreiben, also GrĂ¶ĂŸe, Farben usw., andererseits aber auch, was es ausdrĂŒcken und aussagen könnte, wie es Ă€sthetisch auf mich wirkt. Dieses Beispiel soll andeuten, dass der „Begriff der Freiheit […] zu einem Repertoire [gehört], mit dem wir uns als Personen beschreiben, also zu Begriffen wie Absicht, Handlung, Grund. Dort hat der Begriff der Freiheit seinen logischen Ort. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse gehören in einen ganz anderen Rahmen.“[35] Beide Arten der Beschreibung schließen sich nicht gegenseitig aus, keine ist richtiger als die andere.

Einerseits können wir uns mit naturwissenschaftlichem Vokabular als bloße Körper beschreiben, andererseits in einer durch innere Reflexionen unseres eigenen Selbst gebildeten Sprache als Person (z. B. Philosophie des Geistes: Ich denke, also bin ich!). Weder die eine, noch die andere Sichtweise kann einseitig dazu dienen, die Wirklichkeit zu beschreiben, womit es auch zweifelhaft ist, unser FreiheitsgefĂŒhl durch eine Perspektive von Außen auf unser Gehirn als bloße Illusion abzutun. Davon zu sprechen, ein Gehirn verfĂŒge ĂŒber einen freien Willen oder nicht, wĂ€re also Unsinn: Vielmehr besitze ich als Person einen freien Willen oder nicht. Und dieses Ich kann wohl kaum durch eine Ă€ußerliche Untersuchung meines Gehirns beschrieben werden, sondern nur durch innere geistige Reflexionen. Genauso ist auch das persönliche Erleben des von mir beschriebenen FreiheitsgefĂŒhls keine am Gehirn beobachtbare Eigenschaft. So mögen zwar die Hirnforscher die organische Grundlage meines erlebten FreiheitsgefĂŒhls bestimmen können, jedoch nicht dieses Erlebnis als solches, denn es wird mir nur aus der Innenperspektive heraus als erlebendes Subjekt unmittelbar gewahr. Insofern lassen sich zum Beispiel „Einstellungen zu wichtigen Lebensproblemen, persönliche Entscheidungen […] oder das Empfinden von Scham und Schuld […] nicht am Gehirn beobachten [… .] Sind [diese Bewusstseinsinhalte] […] deshalb weniger real, als die Gehirnprozesse, auf denen sie beruhen?“[36] Wohl kaum.

2.6.2 Die Bedingtheit des freien Willens

Zuvor bin ich auf das FreiheitsgefĂŒhl eingegangen, dessen Existenz sicherlich auch harte Deterministen nicht leugnen können, da sie höchstwahrscheinlich selbst gut damit vertraut sind. Bewiesen habe ich jedoch nicht, ob es denn objektiv auch so etwas wie einen freien Willen gibt, also die Möglichkeit, in bestimmten Situationen anders handeln zu können. Hier nun soll eine Überlegung des deutschen Philosophen Peter Bieri ins Spiel gebracht werden, der in keinster Weise daran zweifelt, dass wir in einer von Naturgesetzen und KausalitĂ€ten beherrschten Welt leben und dass es Bedingungen, genauer gesagt Motive fĂŒr unser Handeln gibt: „unsere WĂŒnsche, GefĂŒhle, Gedanken, Überzeugungen und Erwartungen. Sie legen fest, was wir in einem bestimmten Moment tun. Und diese Motive haben ihrerseits Vorbedingungen: Sie entwickeln sich aus dem, was in der Welt draußen geschieht, aber auch aus dem, was wir getan haben, und aus frĂŒheren Motiven.“[37] Dieser Schlussfolgerung schließe ich mich an. Sie wĂŒrde natĂŒrlich bedeuten, dass wir ĂŒber keinen absolut freien Willen verfĂŒgen. Das ist ja auch irgendwie logisch. Denn schließlich wĂ€re ein solcher Wille nicht mein Wille bzw. mir nicht zugehörig, da es nichts gĂ€be, auf das er zurĂŒckfĂŒhrbar wĂ€re, also beispielsweise meinen Charakter, meine Gedanken, Phantasien und Empfindungen – aber gerade diese Eigenschaften machen mich doch erst zu der Person die ich bin, oder? Nur dann, wenn ich mich als Urheber einer Entscheidung oder Handlung erfahre, kann ich davon sprechen, dass diese meinem Willen entsprachen. Damit verbunden ist die Frage nach dem Sinn meines Tuns: Warum will ich dieses oder jenes tun? Warum will ich ins Kino gehen?

NatĂŒrlich deshalb, weil es bestimmte Motivationen bzw. Bedingungen gibt, die mich dazu veranlassen. Ich gehe ja nicht grundlos ins Kino: Entweder interessiert mich das Thema des Films sehr oder ich tue es meiner Freundin zuliebe usw. Mein Willensakt, ins Kino zu gehen, ist durch Ă€ußere (Es muss ein Kino existieren, in das ich gehen kann. Mir darf es nicht am nötigen Kinogeld fehlen etc.) und innere (Ich habe ein Faible fĂŒr dieses oder jenes Film-Genre oder möchte meine Freundin glĂŒcklich machen usw.) Bedingungen zustande gekommen. Als meinem Willen entspringend wĂŒrde ich es dagegen nicht empfinden, wenn man mich mit vorgehaltener Waffe und unter Bedrohung meines Lebens dazu zwingt, mir einen ungeliebten Film anzusehen. Ergo: Nur die erlebte „Urheberschaft ist erlebte Bedingtheit durch den Willen.“[38] Das Empfinden, dass ich aus einem bestimmten Grund das tun wollte, was ich tat.

Zugleich muss man zwischen Willens- und Handlungsfreiheit unterscheiden: Denn ich kann ja durchaus den Willen besitzen, eine Sprache wie Französisch zu erlernen, um in einer internationalen Organisation wie der UNO arbeiten zu können. Jedoch kann mir das Fehlen einer entsprechenden Sprachbegabung oder einer anderen essentiellen FĂ€higkeit zum Erlernen der Sprache einen Strich durch die Rechnung machen. Oder ich will eine Handlung wie das Gehen vollziehen, kann dies aber nicht, weil ich mir beim Fußball spielen ein Bein gebrochen habe. Die Freiheit meines Willens hĂ€ngt also nicht davon ab, dass ich auch so handeln kann wie ich will.

Doch zurĂŒck zu dem, was ich wollen kann. Dies ist natĂŒrlich durch Ă€ußere und innere UmstĂ€nde begrenzt: In welches Kino ich gehen, welches Buch ich lesen oder welchen Beruf ich ergreifen will, ist „durch die Angebote bestimmt, die man mir macht“[39] (Ă€ußere UmstĂ€nde). Der Wille, jetzt etwas zu essen oder zu trinken, ist durch körperliche BedĂŒrfnisse wie Hunger und Durst bedingt. GefĂŒhle wie Mitleid oder Hass liegen meinem Wollen zugrunde, ob ich einem anderen helfe oder ihn verfluche. Die AusprĂ€gung meiner Persönlichkeit im Laufe meines Lebens beeinflusst, ob ich in bestimmten Situationen eher ein Risiko eingehe oder den sicheren Weg wĂ€hle usw. (innere UmstĂ€nde). Diese Liste von Beispielen fĂŒr die Bedingtheit unseres Willens ließe sich beliebig fortfĂŒhren. Bestimmte UmstĂ€nde in der Welt um mich herum und in mir selbst bilden also die Bedingung dafĂŒr, was ich will. Doch wie vertrĂ€gt sich diese Sichtweise mit der Idee der Freiheit? Die Antwort: Die „Begrenzung unseres Wollens durch etwas, was vorausgeht, [ist] […] kein Hindernis fĂŒr die Freiheit, sondern deren Voraussetzung.“[40] Denn „Wesen mit einem grenzenlosen Willen wĂ€ren, statt eine besonders große Freiheit des Wollens zu besitzen, gĂ€nzlich willenlose Wesen, weil es an ihnen nichts gĂ€be, das unter die Idee des Willens fiele, welche die Idee eines notwendigerweise persönlichen Willen ist.“[41]

Dennoch stehen uns SpielrĂ€ume dafĂŒr offen, mittels unseres Denkens Einfluss auf unseren Willen zu nehmen, und zwar darauf, welche AusprĂ€gung er haben soll: Die „Handlung ist Ausdruck eines Willens, und wir bereiten sie vor, indem wir den Willen durch Überlegung in eine bestimmte Richtung lenken.“[42] Das Ausmaß dessen, wie viel Freiheit oder Unfreiheit unser Wille besitzt, hĂ€ngt also maßgeblich davon ab, wie sehr es uns gelingt, unseren Willen durch eigene Überlegungen, Nachdenken und kritische Selbstreflexion in eine bestimmte Richtung zu manövrieren. Damit zusammenhĂ€ngend spielt der Begriff der Selbsterkenntnis eine große Rolle. Denn nur das Ausmaß der selbstkritischen ÜberprĂŒfung unserer Urteile und Entscheidungen sowie die Einsicht in das eigene Wollen bestimmt darĂŒber, wie stark wir auf unseren Willensbildungsprozess Einfluss nehmen und inwieweit wir uns als Autor unseres Willens betrachten können. Die IntensitĂ€t der Selbsterkenntnis bestimmt ganz maßgeblich, inwieweit ich mich als Autor meines Willens begreifen kann: In dem Maße, wie ich durch selbstkritisches Überlegen in einem Sachverhalt meinen Willen zu bilden versuche oder zu bilden imstande bin, steigt oder fĂ€llt auch meine Willensfreiheit.

Das Ausmaß dessen, wie frei ich bei meiner Willensentscheidung war, ist auch entscheidend dafĂŒr, inwieweit ich moralisch fĂŒr mein Handeln verantwortlich gemacht werden kann. So wĂŒrden wir wohl nie einen geisteskranken Menschen moralisch dafĂŒr verantwortlich machen, wenn er einem anderen Menschen Schaden zufĂŒgt. Denn der Geisteskranke war ja nicht Herr ĂŒber sein Handeln. Wenn also ein Zwang im Spiel ist, können wir auch nicht von Willensfreiheit sprechen. Es „gehört zur Logik und zum Sinn des Entscheidungsprozesses, daß ich weiß: Am Ende werde ich nur das eine wollen und tun können. Solange ich ĂŒberlege und mir verschiedene Möglichkeiten vorstelle, ist die Willensbildung nicht abgeschlossen, und es ist wahr, wenn ich denke: Jetzt, wĂ€hrend ich an die Alternativen denke, ist noch nicht alles festgelegt. Doch das Nachdenken ĂŒber die Alternativen ist insgesamt ein Geschehen, das mich, zusammen mit meiner Geschichte, am Ende auf einen ganz bestimmten Willen festlegen wird. Das weiß ich, und es stört mich nicht, im Gegenteil: Genau darin besteht die Freiheit der Entscheidung.“[43]

Von großer Bedeutung bei diesem Entscheidungsprozess ist das von mir erlĂ€uterte FreiheitsgefĂŒhl, das ich aus meiner Ich- bzw. Innenperspektive heraus erlebe: Denn es vermittelt mir den Eindruck einer mir offen stehenden Zukunft, auf deren Ausgestaltung meine Willensentscheidung Einfluss nehmen kann.

3. Schlussbemerkung

Was sind nun die Schlussfolgerungen, zu denen ich gekommen bin? Besitzen wir Menschen so etwas wie Willensfreiheit oder ist dies bloße Illusion? Wie ich bereits vermutete, konnte eine Antwort darauf aufgrund der KomplexitĂ€t der Thematik nicht einfach ausfallen – schon gar nicht im Rahmen eines solchen ĂŒberblicksartigen Beitrags zu Willensfreiheit. Zumal die Debatte zur Willensfreiheit bereits seit vielen Jahrhunderten auf Ă€ußerst kontroverse Art und Weise gefĂŒhrt wird, wobei sie aktueller denn je ist, betrachtet man die lebhaften Reaktionen seitens Philosophen, Juristen usw. auf die Äußerungen prominenter Hirnforscher wie Wolf Singer, die neurowissenschaftlich bewiesen zu haben denken, dass der Mensch ĂŒber keinen freien Willen verfĂŒgt. Im Rahmen dieses Beitrags gelangte ich zunĂ€chst einmal zu der Erkenntnis, dass ich die verschiedenen ArgumentationsstrĂ€nge zur Willensfreiheit oft nicht direkt mit meinem Lebensalltag zu verbinden in der Lage war. Und so rĂŒckte ein fĂŒr mich aus der Ich- bzw. Innenperspektive heraus unmittelbar erfahrbares und erlebbares GefĂŒhl von Freiheit in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen: das sogenannte FreiheitsgefĂŒhl. Demnach fĂŒhle ich mich aus meiner subjektiven Perspektive heraus – ausgeschlossen eines von mir wahrgenommenen Ă€ußeren oder inneren Zwanges – oft frei darin zu entscheiden, ob ich A, B oder C usw. tue. Und da mich dieses FreiheitsgefĂŒhl im Alltag sehr stark prĂ€gt, können mich auch keine Behauptungen, dass dieses FreiheitsgefĂŒhl nur eine Illusion wĂ€re, tief erschĂŒttern. Schwerer ist es, objektiv zu beweisen, dass ich etwas wie Willensfreiheit besitze. Letztendlich konnte ich nur umreissen, was fĂŒr mich einen freien Willen ausmacht, wobei ich maßgeblich von den im Buch Handwerk der Freiheit erlĂ€uterten Überlegungen Peter Bieris inspiriert wurde. So ist ein freier Wille durchaus mit der Vorstellung vereinbar, dass unsere Welt durch KausalitĂ€ten und Naturgesetze beherrscht wird – nur können wir dann nicht von einem grenzenlosen Willen sprechen, ĂŒber den wir verfĂŒgen, sondern von einem u.a. durch Motive wie WĂŒnsche, GefĂŒhle, Gedanken usw. bestimmter Wille, der nur bedingt frei ist. Es liegt nun an mir selbst, an meiner FĂ€higkeit zur Selbsterkenntnis, am kritischen Überlegen, Nachdenken und Urteilen ĂŒber einen Sachverhalt, inwieweit ich in einem Entscheidungsprozess, bei dem ich mehrere Möglichkeiten des Handelns mittels meiner Vorstellungskraft durchspielen kann, dazu imstande bin, bewusst Einfluss auf meine Willensbildung zu nehmen und Regie ĂŒber meinen Willen zu fĂŒhren. Mit anderen Worten: Ich habe mir meine Willensfreiheit mittels meines Denkens zu erarbeiten!

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen:

Laplace, Pierre Simon de: Philosophischer Versuch ĂŒber die Wahrscheinlichkeit (1814), herausgegeben v. Richard von Mises, mit Anm. von H. Pollaczek-Geiringer, ĂŒbersetzt von Heinrich Löwy unter Verwendg d. Übertr. durch N. Schwaiger, Leipzig 1932.
Schopenhauer, Arthur: Preisschrift ĂŒber die Freiheit des Willens (1839), mit einer Einl., Bibliogr. und Reg. hrsg. von Hans Ebeling, Hamburg 1978.

Literatur:

Beckermann, Ansgar: Freier Wille – Alles Illusion?, in: Barton, S. (Hg.) „
 weil er fĂŒr die Allgemeinheit gefĂ€hrlich ist!“, Baden-Baden 2006.
Bieri, Peter: Das Handwerk der Freiheit, 5. Aufl., Frankfurt a. M. 2003.
Buchheim, Thomas: Libertarischer Kompatibilismus. Drei alternative Thesen auf dem Weg zu einem qualitativen VerstÀndnis der menschlichen Freiheit, in: Hermanni, Friedrich / Koslowski, Peter (Hg.): Der freie und der unfreie Wille, Paderborn 2004.
Fritzsch, Harald: Quantenphysik und eine neue Deutung der Naturgesetze, in: Der Brockhaus Multimedial, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2005.
Geyer, Christian: Hirnforschung und Willensfreiheit, Frankfurt a. M. 2004.
Goller, Hans: Sind wir bloß ein Opfer unseres Gehirns? Hirnforscher betrachten Willensfreiheit als Illusion. Stimmen der Zeit (2005), 223, Heft 7, S. 453.
Honderich, Ted: Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem, aus dem Englischen ĂŒbersetzt von Joachim Schulte, Stuttgart 1995.
Klein, Andreas: AnschlĂ€ge auf die Freiheit? Neurobiologische und metaphysisch-theoretische Problematisierungen einer ethischen Zentralkategorie, in: Zeitschrift fĂŒr Evangelische Ethik (ZEE) 48 (2004).
Koch, Martin: Ist Freiheit nur eine Illusion?, in: Neues Deutschland vom 24./25.6.2006.
Moore, George Edward: Freier Wille, in: Pothast, Ulrich: Seminar: Freies Handeln und Determinismus, Frankfurt a. M. 1978.
Singer, Wolf: Verschaltungen legen uns fest. Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen, in: Geyer, Christian: Hirnforschung und Willensfreiheit, Frankfurt a. M. 2004.
Spilgies, Gunnar: Die Bedeutung des Determinismus-Indeterminismus-Streits fĂŒr das Strafrecht, Hamburg 2004.
Vowinkel, Bernd: Maschinen mit Bewusstsein – Wohin fĂŒhrt die kĂŒnstliche Intelligenz?, Berlin 2006.

Lexika:

Der Brockhaus multimedial 2005 premium (DVD), Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2005.

Internet:

Beckermann, Ansgar: Haben wir einen freien Willen?, http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit, Abschnitt „Grundfragen und Grundpositionen“.
Beckermann, Ansgar: Sind wir Gefangene unserer Neuronen? – Vortrag vom 7.2.04., der bei der Tagung Schicksal und Verantwortung in der Klinik Flachsheide gehalten wurde; http://www.uni-bielefeld.de/philosophie/personen/beckermann/neuronen%20vortrag.pdf.

Fußnoten

  1. Anm.: Ob man den Film kennt oder nicht ist irrelevant, da die Aussagen an sich bedeutend sind.
  2. Honderich, Ted: Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem, aus dem Englischen ĂŒbersetzt von Joachim Schulte, Stuttgart 1995, S. 8.
  3. Ebd. S. 8.
  4. Beckermann, Ansgar: Haben wir einen freien Willen?, http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit (29.8.2006, 11:50 Uhr), Abschnitt „Grundfragen und Grundpositionen“.
  5. Geyer, Christian: Hirnforschung und Willensfreiheit, Frankfurt a. M. 2004, S. 10.
  6. Geyer S. 10.
  7. Anm.: Der Begriff Determinismus ist vom lateinischen Wort determinare abgeleitet, was ins Deutsche ĂŒbersetzt so viel wie abgrenzen bzw. bestimmen heißt.
  8. Honderich S. 8.
  9. Ebd. S. 8-9.
  10. Bieri, Peter: Das Handwerk der Freiheit, 5. Aufl., Frankfurt a. M. 2003, S. 16.
  11. Buchheim, Thomas: Libertarischer Kompatibilismus. Drei alternative Thesen auf dem Weg zu einem qualitativen VerstÀndnis der menschlichen Freiheit, in: Hermanni, Friedrich / Koslowski, Peter (Hg.): Der freie und der unfreie Wille, Paderborn 2004, S. 41.
  12. Laplace, Pierre Simon de: Philosophischer Versuch ĂŒber die Wahrscheinlichkeit (1814), herausgegeben v. Richard von Mises, mit Anm. von H. Pollaczek-Geiringer, ĂŒbersetzt von Heinrich Löwy unter Verwendg d. Übertr. durch N. Schwaiger, Leipzig 1932.
  13. Spilgies, Gunnar: Die Bedeutung des Determinismus-Indeterminismus-Streits fĂŒr das Strafrecht, Hamburg 2004, S. 25.
  14. Klein, Andreas: AnschlĂ€ge auf die Freiheit? Neurobiologische und metaphysisch-theoretische Problematisierungen einer ethischen Zentralkategorie, in: Zeitschrift fĂŒr Evangelische Ethik (ZEE) 48 (2004), S. 189.
  15. Pothast, Ulrich: Seminar: Freies Handeln und Determinismus, Frankfurt a. M. 1978, S. 269.
  16. Ebd. S. 269.
  17. Fritzsch, Harald: Quantenphysik und eine neue Deutung der Naturgesetze, in: Der Brockhaus Multimedial, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2005.
  18. Vowinkel, Bernd: Maschinen mit Bewusstsein – Wohin fĂŒhrt die kĂŒnstliche Intelligenz?, Berlin 2006, S. 67.
  19. Ebd. S. 67.
  20. Anm.: Eine Person ist in ihrem Handeln frei, wenn sie tun kann, was sie tun will.
  21. Moore, George Edward: Freier Wille, in: Pothast, Ulrich: Seminar: Freies Handeln und Determinismus, Frankfurt a. M. 1978, S. 155.
  22. Beckermann, Ansgar: Freier Wille – Alles Illusion?, in: Barton, S. (Hg.) „
 weil er fĂŒr die Allgemeinheit gefĂ€hrlich ist!“ Baden-Baden 2006, S. 302.
  23. Ebd. S. 302-303.
  24. Beckermann, Ansgar: Haben wir einen freien Willen?
    http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit (8.9.2006, 1:45 Uhr), Abschnitt „Grundfragen und Grundpositionen“.
  25. Buchheim: S. 36-37.
  26. Ansgar Beckermann: Sind wir Gefangene unserer Neuronen? – Vortrag vom 7.2.04., der bei der Tagung Schicksal und Verantwortung in der Klinik Flachsheide gehalten wurde; http://www.uni-bielefeld.de/philosophie/personen/beckermann/neuronen%20vortrag.pdf (9.9.06, 2:30 Uhr), S. 8.
  27. Ebd. S. 8.
  28. Chisholm, Roderick: Die menschliche Freiheit und das Selbst, 1964, in: Pothast, Ulrich: Seminar: Freies Handeln und Determinismus, Frankfurt a. M. 1978, S. 76.
  29. Beckermann, Ansgar: Haben wir einen freien Willen?
    http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit (10.9.2006, 00:04 Uhr), Abschnitt „Grundfragen und Grundpositionen“.
  30. Spilgies S. 24.
  31. Singer, Wolf: Verschaltungen legen uns fest. Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen, in: Geyer, Christian: Hirnforschung und Willensfreiheit, Frankfurt a. M. 2004, S. 61.
  32. Ebd. S. 62-63.
  33. Ebd. S. 35.
  34. Koch, Martin: Ist Freiheit nur eine Illusion?, in: Neues Deutschland vom 24./25.6.2006.
  35. Bieri, Peter: Das Gehirn entscheidet gar nichts, in: Der Tagesspiegel vom 24.9.2004, http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/24.09.2004/1377798.asp (19.9.2006, 0:44 Uhr).
  36. Goller, Hans: Sind wir bloß ein Opfer unseres Gehirns? Hirnforscher betrachten Willensfreiheit als Illusion. Stimmen der Zeit (2005), 223, Heft 7, S. 453.
  37. Bieri S. 18.
  38. Ebd. S. 35.
  39. Bieri S. 35.
  40. Ebd. S. 53.
  41. Ebd. S. 53.
  42. Ebd. S. 54.
  43. Bieri S. 287-288.
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8 Kommentare ĂŒber “Willensfreiheit – RealitĂ€t oder bloße Illusion?”

  1. freigeist 2000Zu360 schreibt:

    jede mĂŒnze hat mehr als nur zwei seiten. so rechne auch den rand alle unebenheiten und unterschiede in seiner gesamtmasse im bezug auf seine umgebung. das ist das kleine 1×1

  2. Klaus Rohde schreibt:

    Ich vermisse jede Referenz zu Schopenhauer, der sich ja ausfĂŒhrlich mit der Willensfreiheit beschĂ€ftigt hat.

    Siehe hier http://krohde.wordpress.com unter Arthur Schopenhauer, Grundriss seiner Philosophie und andere Artikel ĂŒber Schopenhauer dort.

    Auszug

    “Der Wille, das Ding an sich, ist Eines (d.h. alle Individuen werden nach ihrem Tod in ihn eingehen), und er (sein intelligibler Charakter) ist frei, da er nicht den Kategorien der KausalitĂ€t, der Zeit und des Raumes unterliegt. Der empirische Charakter aber, wie er von uns erkannt wird, ist strikt, in allen Einzelheiten, determiniert. Jeder hĂ€lt sich a priori fĂŒr frei in dem Sinne, dass ihm jede Handlung möglich sei, und lernt seinen eigenen Charakter erst a posteriori, durch Erfahrung, kennen. “Der Intellekt nĂ€mlich erfĂ€hrt die BeschlĂŒsse des Willens ersta posteriori und empirisch. Demnach hat er, bei einer vorliegenden Wahl, kein Datum darĂŒber, wie der Wille sich entscheiden wird.” ” Die Behauptung einer empirischen Freiheit des Willens
.hĂ€ngt 
damit zusammen, dass man das Wesen des Menschen” fĂ€lschlich “in eine Seele setzte,

”.

  3. Rainer Ostendorf schreibt:

    Ich denke, wer an die Willensfreiheit glaubt, der kann auch nicht anders, als er ist.

    Schöne GrĂŒsse aus MĂŒnchen

    Rainer Ostendorf

  4. Rainer Ostendorf schreibt:

    Hallo, ich habe mich auch in meiner Galerie mit der Willensfreiheit auseinandergesetzt. Schaut doch mal rein.
    mfg
    Rainer Ostendorf

  5. Mario schreibt:

    Ah der Film Matrix kommt am Freitag um 20 Uhr 15 auf irgendeinem Privatsender.
    Den guck ich dann an ^^
    Danke fĂŒr den Tipp und klar konntest du mir weiterhelfen 😀
    Wegen paar Monaten ist das mit der Altersfreigabe nicht schlimm^^
    Die Altersfreigabe ist ja nur auf den grĂ¶ĂŸten Teil der Bevölkerung spezialisisert.
    Es gibt immer mal Ausnahmen die schon recht frĂŒh entwickelt sind^^

  6. Alexander schreibt:

    Hallo Mario,
    gibt es einen freien Willen? Ich finde Charlie hat sich mit der Frage gut auseinandergesetzt. Die rote bzw. blaue Pille ist eine Anspielung auf den Film Matrix. Den kannst du offiziell noch gar nicht gesehen haben, er hat ja eine Jugendfreigabe ab 16 *g*. Zumindest der erste Teil der Trilogie ist sehr sehenswert, gerade auch aus philosophischer Sicht (ĂŒber Teil 2 und 3 wollen wir aber lieber nicht reden…). Dort wird der Hacker Neo vor die Wahl gestellt. Er muss sich zwischen zwei Pillen entscheiden: nimmt er die blaue Pille, bleibt er in der vertrauten und angenehmen Welt (die aber eine Illusion ist), nimmt er die rote Pille, erfĂ€hrt er die unangenehme und gefĂ€hrliche Wahrheit.
    Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas weiterhelfen.

  7. Mario schreibt:

    Deine BeitrÀge, Herr Lutz oder Charlie, falls es dich nicht stört, sind sehr interessant.
    Danke fĂŒr die Empfehlung.
    Im Laufe des Tages kommt noch ein weiterer Kommentar dazu.

    Und dann noch eine Frage an Martin. Was meinst du mit roter oder blauen Pille schlucken?

  8. Martin schreibt:

    Tja, – wo haben wir uns das bloß abgeguckt?

    Wir schaffen kĂŒnstliche Intellegenz und bringen ihr immer mehr das Denken bei…

    Leider sehen wir uns immer als Lehrer aber schon lange nicht mehr als Lehrnende…

    Die Festplatte packen wir voll mit Youtube bis der Rechner in die Knie geht…

    Aber das Hirn nutzen wir nicht voll aus – weil es sich der „Sprache“ unterworfen hat

    Es beginnt langsam die Äera des stillen Zuhörens…

    Und jede noch so kleine Informartionseinheit in einem GesprĂ€ch beginnt wichtig zu werden…

    Milliarden Gedanken die ĂŒber ein veraltetes Sprachsystem verbunden sind…

    Freidenken bedeutet: Nichts ist eine Null und Nichts ist eine Eins in der Welt

    Pro und Contra sind binÀrische Berechnungen

    Nietzsche sagte „alles ist eitel“

    „Jenseits von gut und böse“

    Wir mĂŒssen nur unsere HĂ€nde unter Kontrolle halten um nicht jeden Gedanken spontan auszufĂŒhren und unseren Mund um nicht die Möglichkeit zu schaffen uns misszuverstehen…

    Ein Raum

    Zehn Menschen

    Stundenlanges Schweigen

    Und plötzlich ruft jemand:

    „Ja, – es ist wahr – wir sind alle gleich“

    „Im Herz – nicht im Kopf“

    Alle Nicken – nehmen sich in die Arme

    TrĂ€nen laufen…

    Denn man hat auch die Unmöglichkeit erkannt sein Denken und die Innere Erkenntnis ĂŒber das „Medium“ Sprache weiterzugeben…

    Vor Jahren noch nannte man das Schweigen „Weisheit“ und sprach es dem Alter einer Person zu.

    Heute nennen wir es Authismus

    Wir erlauben uns das zu bewerten:

    Was aber wenn ein Kind geboren wird, dass noch vor dem ersten Wort erkannt hat, dass Nietzsche vielleicht Recht hatte und beschließt zu schweigen?

    Ist das Willensfreiheit oder eine Krankheit?

    Langsam sollte wir die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es auch noch andere Kommunikationsmittel als unsere StimmbÀnder gibt

    Rote oder blaue Pille schlucken?

    Welcome to Matrix 2.0

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