Adam Smiths Moralphilosophie und der Utilitarismus

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Inhaltsverzeichnis

1. Ein­lei­tung
2. Haupt­teil

__2.1 Klas­si­scher Uti­li­ta­ris­mus
__2.2 Die Kom­pa­ti­bi­li­tät zwi­schen dem Uti­li­ta­ris­mus
.…._.…und Smiths Moral­phi­lo­so­phie
__2.3 Humes und Smiths Gerech­tig­keits­be­grün­dun­gen
.……_im Wider­streit
__2.4 Die Bewir­kung des größ­ten Glücks der größ­ten Zahl
.……-…durch die natür­li­chen Gefüh­le
3. Ergeb­nis­se
4. Quel­len- und Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

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1. Ein­lei­tung

Schon die älte­re For­schung beschäf­tig­te sich mit Adam Smiths Bedeu­tung für den  Uti­li­ta­ris­mus [Defi­ni­ti­on: Uti­li­ta­ris­mus (engl. uti­li­ta­ria­nism, von lat. uti­li­tas, Nut­zen) nennt man die ethi­sche Posi­ti­on, die eine Hand­lung danach bewer­tet, ob sie im Ver­gleich mit ande­ren Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven die größ­te Anzahl posi­ti­ver, nicht-mora­li­scher Wer­te, z. B. Glück, Reich­tum, Gesund­heit, Schön­heit, Ein­sicht usw., her­vor­bringt. Der Uti­li­ta­ris­mus wird der kon­se­quen­tia­lis­ti­schen Ethik und dem Eudä­mo­nis­mus zuge­rech­net und ist eine altru­is­ti­sche Ethik. (Quel­le: http://www.phillex.de/utilitar.htm)]. So gab es eine Tra­di­ti­on, die  Adam Smith als Anhän­ger des Uti­li­ta­ris­mus sah, weil er eine beson­de­re Nähe zu den eng­li­schen Empi­ris­ten Hume und Hut­che­son hat­te, die als Vor­den­ker des klas­si­schen Uti­li­ta­ris­mus gel­ten. Ande­re For­scher lei­te­ten Smith Uti­li­ta­ris­mus aus einer Vor­läufer­funk­ti­on ab: Smith soll eini­ge wich­ti­ge Posi­tio­nen der  klas­si­schen Uti­li­ta­ris­ten Ben­t­ham, Mill und Sidgwick begrün­det haben. Smiths Ruhm als Uti­li­ta­rist war durch sein Spät­werk „der Wohl­stand der Natio­nen” bedingt. Denn die­ses Werk begrün­det, wie eine Nati­on zu Reich­tum gelangt. Es zeigt auf, wel­che Maß­nah­men, wie zum Bei­spiel die Arbeits­tei­lung, in Hin­sicht auf eine pro­spe­rie­ren­de Wirt­schaft nütz­lich sind. Eben aus die­sem Nütz­lich­keits­den­ken fol­ger­ten die For­scher, dass Smith uti­li­ta­ris­tisch geprägt sei. Neben die­ser For­schung, die Smith als Uti­li­ta­ris­ten sieht, ent­wi­ckel­te sich ein wei­te­rer For­schungs­zweig, der sich beson­ders mit sei­ner „Theo­rie der ethi­schen Gefüh­le” (TMS) beschäf­tig­te. Die­ser For­schungs­zweig kam zu ganz ande­ren Ergeb­nis­sen. Für die­se For­scher — zu denen auch Wal­ter Eck­stein gehör­te — war Adam Smith kein ein­ge­fleisch­ter Uti­li­ta­rist. In der Ein­lei­tung sei­ner 1925 ver­öf­fent­lich­ten Über­set­zung der TMS bemerk­te er, dass sich Smith gegen einen zu weit aus­ufern­den Uti­li­ta­ris­mus wand­te.[1] Der fol­gen­de Bei­trag beschäf­tigt sich eben­falls nur mit der TMS, um eine The­se zu erar­bei­ten, die sich an Eck­steins Posi­ti­on anlehnt und wird zei­gen, dass Smith inner­halb sei­ner TMS kei­nen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­tre­ten hat. An eini­gen Stel­len sei­ner Arbeit wer­den ver­schie­de­ne Prin­zi­pi­en des Uti­li­ta­ris­mus benutzt, um sei­ne Argu­men­ta­ti­on ver­ständ­lich zu machen. Trotz­dem kann dar­aus nicht gefol­gert wer­den, dass Smith einen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­trat. Der Uti­li­ta­ris­mus ist eben nicht die wesent­li­che Hand­lungs­norm inner­halb der TMS.

Um die­ses Vor­ha­ben durch­zu­füh­ren, wer­de ich in fol­gen­der Wei­se vor­ge­hen: Zuerst soll ein all­ge­mei­ner Über­blick zum klas­si­schen Uti­li­ta­ris­mus gege­ben wer­den. Es sol­len erst die Gemein­sam­kei­ten der ver­schie­de­nen For­mu­lie­run­gen die­ser Ethik dar­ge­stellt wer­den. Anschlie­ßend stel­le ich eini­ge aus­ge­wähl­te Posi­tio­nen — Ben­t­ham, Mill und Sidgwick — kurz dar. Nach die­sem ein­füh­ren­den Teil wird dis­ku­tiert, inwie­weit Smith einen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­tre­ten hat. Dabei wird zunächst gezeigt, dass Smiths Moral­phi­lo­so­phie mit dem Uti­li­ta­ris­mus nicht kom­pa­ti­bel ist und demons­triert, dass Smiths Sym­pa­thie­kon­zep­ti­on für den klas­si­schen Uti­li­ta­ris­mus von Belang ist. Dar­auf­hin brin­ge ich Argu­men­te vor, aus denen ersicht­lich wird, dass Smith kei­nen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­tre­ten hat und kom­me auf den Ein­fluss des Zufalls auf die Bil­li­gung einer Hand­lung zu spre­chen. Außer­dem wer­de ich auf die Pro­ble­me auf­merk­sam machen, die mit einem idea­len Beob­ach­ter zusam­men­hän­gen. Im nächs­ten Abschnitt des Bei­trags wer­den die von Hume und Smith gemach­ten Gerech­tig­keits­be­grün­dun­gen dis­ku­tiert, wobei ich auf die jewei­li­ge Her­lei­tung der Gerech­tig­keit ein­ge­he. Anhand des Wach­pos­ten-Bei­spiels soll her­vor­ge­ho­ben wer­den, dass Smith einen expla­na­to­ri­schen Uti­li­ta­ris­mus ver­trat. Im letz­ten Teil der Arbeit wird dar­ge­stellt, dass Smith ent­ge­gen dem Uti­li­ta­ris­mus eine Alter­na­tiv­be­grün­dung for­mu­liert hat, die die all­ge­mei­ne Glück­se­lig­keit aus den Hand­lungs­mo­ti­ven (Selbst­täu­schung und Stre­ben nach Aner­ken­nung) her­lei­tet. Mit die­ser Begrün­dung wird die Auf­fas­sung der Uti­li­ta­ris­ten, dass die Hand­lungs­fol­gen das größ­te Glück der größ­ten Zahl bewir­ken kön­nen, zurück­ge­wie­sen.

2. Haupt­teil

2.1 Klas­si­scher Uti­li­ta­ris­mus

Der Uti­li­ta­ris­mus ist eine Ethik­theo­rie, die sich mit dem Beginn des 19. Jahr­hun­derts im anglo­ame­ri­ka­ni­schen Raum aus­brei­te­te. Beson­ders im eng­lisch­spra­chi­gen Raum wur­den ver­schie­de­ne Fas­sun­gen des Uti­li­ta­ris­mus dis­ku­tiert. In Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa setz­te sich der Uti­li­ta­ris­mus zuneh­mend nach dem Zwei­ten Welt­krieg durch. Da es ver­schie­de­ne For­mu­lie­run­gen des Uti­li­ta­ris­mus gibt, folgt zunächst ein all­ge­mei­ner Über­blick zum klas­si­schen Uti­li­ta­ris­mus. Neue­re Kon­zep­tio­nen, wie der Prä­fe­ren­zu­ti­li­ta­ris­mus von Hare sowie der Regel- und Aktu­ti­li­ta­ris­mus blei­ben uner­wähnt.[2] Kon­rad Ott führt fünf wesent­li­che Merk­ma­le des Uti­li­ta­ris­mus an: Dem­nach besitzt die­ser eine „kon­se­quen­tia­lis­ti­sche Ori­en­tie­rung, [eine] hedo­nis­ti­sche Wert­ba­sis,  [einen] Gleich­heits­grund­satz, [eine] Maxi­mie­rungs­struk­tur und [ein] Kal­kü­li­sie­rungs­ide­al”.[3] Durch sei­ne kon­se­quen­tia­lis­ti­sche Grund­struk­tur hängt die mora­li­sche Beur­tei­lung einer Hand­lung stark von den Hand­lungs­fol­gen ab (kon­se­quen­tia­lis­ti­sche Ori­en­tie­rung). Damit steht der Uti­li­ta­ris­mus in einem Gegen­satz zu den deon­to­lo­gi­schen Ethi­ken, die den Wert einer Hand­lung vor­nehm­lich aus den Hand­lungs­mo­ti­ven ablei­ten. Wenn nun die mora­li­sche Beur­tei­lung einer Hand­lung von ihren Hand­lungs­fol­gen abhängt,  muss es ein Ver­fah­ren geben, nach wel­chem die Kon­se­quen­zen einer Hand­lung beur­teilt wer­den. Da der Mensch grund­sätz­lich das Ver­mö­gen hat, Schmerz oder Freu­de zu emp­fin­den[4], braucht der Uti­li­ta­rist nur den Schmerz oder das Leid der Betrof­fe­nen zu mes­sen (hedo­nis­ti­sche Wert­ba­sis). Der Schmerz und das Leid der Betrof­fe­nen wird auf­sum­miert. Bei der Berech­nung die­ser Sum­me wird jeder Betrof­fe­ne nur ein­mal berück­sich­tigt (Gleich­heits­grund­satz). Eini­ge Uti­li­ta­ris­ten gehen bei die­ser Sum­mie­rung davon aus, dass die unter­schied­li­che Qua­li­tät und Quan­ti­tät des Lei­des und der Freu­de mit berück­sich­tigt wer­den soll.

Eine Hand­lung wird von den Uti­li­ta­ris­ten beson­ders dann gebil­ligt, wenn sie beson­ders nütz­lich ist. Der Nut­zen einer Hand­lung wird dabei als Sum­me von Glücks­zu­stän­den ver­stan­den. Die­se Glücks­zu­stän­de wie­der­um sind die durch die Hand­lung bewirk­ten Freu­den bei den Betrof­fe­nen.[5] Bei der Beur­tei­lung des Nut­zens einer Hand­lung kön­nen je nach Spiel­art des Uti­li­ta­ris­mus ver­schie­de­ne Para­me­ter berück­sich­tigt wer­den. So gibt es eini­ge Ethi­ker, die es für zuläs­sig hal­ten, dass die bewirk­ten Freu­den und die bewirk­ten Lei­den gegen­ein­an­der auf­ge­rech­net wer­den. Ande­re Moral­theo­re­ti­ker fra­gen bei der Beur­tei­lung nach dem Maxi­mal- oder Durch­schnitts­nut­zen, den die Betrof­fe­nen aus der Hand­lung erhal­ten (auch Aus­druck des Kal­kü­li­sie­rungs­ide­als). Eine Hand­lung ist dann nütz­lich, wenn sie den meis­ten Nut­zen für die Betrof­fe­nen bewirkt. Opti­mal ist das Ver­hält­nis zwi­schen Hand­lung und Nut­zen, wenn die Hand­lung mög­lichst wenig Leid und viel Freu­de ver­ur­sacht (Maxi­mie­rungs­struk­tur).

Nach die­sem kur­zen Über­blick zu den Gemein­sam­kei­ten des Uti­li­ta­ris­mus sol­len kurz die wich­tigs­ten Posi­tio­nen des klas­si­schen Uti­li­ta­ris­mus dar­ge­stellt wer­den. Jere­my Ben­t­ham gilt als Ers­ter, der das uti­li­ta­ris­ti­sche Prin­zip for­mu­liert hat­te. Für ihn hat­te der Uti­li­ta­ris­mus eine sozi­al­re­for­ma­to­ri­sche Sei­te. Sei­nes Erach­tens soll­ten zukünf­tig die Geset­ze in Groß­bri­tan­ni­en so beschaf­fen sein, dass sie dem größ­ten Glück der dort leben­den Bür­ger dien­lich wären. Neben einer umfas­sen­den Reform der Geset­ze soll­te auch das Gefäng­nis­we­sen  nach dem Pan­op­ti­con-Prin­zip erneu­ert wer­den. Der Hin­ter­grund die­ser Moder­ni­sie­run­gen war, dass Ben­t­ham nicht das indi­vi­du­el­le Wohl beför­dern, son­dern das größ­te Glück der größ­ten Zahl bewir­ken woll­te.[6]

John Stuart Mill gehör­te zu den­je­ni­gen Uti­li­ta­ris­ten, die sich inten­siv mit der Qua­li­tät und der Quan­ti­tät von Lust- und Unlust­emp­fin­dun­gen befass­ten. Er modi­fi­zier­te den Uti­li­ta­ris­mus, sodass auch die Qua­li­tät der Emp­fin­dun­gen bei der Beur­tei­lung des Hand­lungs­nut­zens mit berück­sich­tigt wur­de. So ging er davon aus, dass von zwei Freu­den der­je­ni­gen Vor­zug zu geben sei, die die Belieb­tes­te der brei­ten Mas­se sei. Mill zufol­ge waren die Freu­den der brei­ten Mas­se genau die Freu­den, die dem Idea­len des Bil­dungs­bür­ger­tums ent­spra­chen. Ver­mut­lich des­halb, um sich gegen den Ein­wand zu schüt­zen, dass er eine hedo­nis­ti­sche Ethik, die stark von „ani­ma­li­schen Freu­den” der brei­ten Mas­se geprägt sei[7], betrei­be, ori­en­tier­te er sich an den Idea­len des Bür­ger­tums.[8] Eini­ge Kri­ti­ker Mills fol­ger­ten dar­aus, dass Mill auch als Begrün­der der „Ethik des Genuss­men­schen”[9] ange­se­hen wer­den kön­ne. In einer sol­chen Ethik wür­de „ein Hau­fen glück­li­cher Schwei­ne bes­ser (da ste­hen) als ein unglück­li­cher Sokra­tes”.[10]

Hen­ry Sidgwick aktua­li­siert den Uti­li­ta­ris­mus dahin­ge­hend, dass er nicht mehr von Lusterhö­hung und Unlust­ver­mei­dung spricht, son­dern den Begriff der Prä­fe­ren­zen ein­führt. Für ihn sind Prä­fe­ren­zen die hypo­the­ti­schen Inter­es­sen der von einer Hand­lung betrof­fe­nen Per­so­nen. In Anleh­nung an Ben­t­hams Prin­zip der Beför­de­rung des „größ­ten Glücks der größ­ten Zahl” geht Sidgwick nach Ein­schät­zung von Her­lin­de Pau­er-Stu­der davon aus, dass eine best­mög­li­che Erfül­lung der Prä­fe­ren­zen aller Betrof­fe­nen erstre­bens­wert sei.[11] Sidgwick zufol­ge neigt der Mensch aus Intui­ti­on zur uti­li­ta­ris­ti­schen Ethik.[12]

2.2 Die Kom­pa­ti­bi­li­tät zwi­schen dem Uti­li­ta­ris­mus
——und Smiths Moral­phi­lo­so­phie

Im Fol­gen­den wird dar­ge­stellt, dass Smiths Ethik und der Uti­li­ta­ris­mus nicht kom­pa­ti­bel sind. Zunächst wird kurz auf die Quel­len der mora­li­schen Bil­li­gung bei Smith und bei den Uti­li­ta­ris­ten ein­ge­gan­gen. Dann wird gezeigt, dass für einen Uti­li­ta­ris­ten das Sym­pa­thie­ver­mö­gen wich­tig ist, da es zur „Wahr­neh­mung” der Gefüh­le der Betrof­fe­nen dient. Hier schei­nen sich die bei­de Ethi­ken zu ähneln. Auf den zwei­ten Blick kommt es zu Span­nun­gen zwi­schen den bei­den Ethi­ken, da Smiths unpar­tei­ischer Zuschau­er kein idea­ler Beob­ach­ter ist, der alle Hand­lungs­fol­gen oder alle denk­mög­li­chen Situa­tio­nen wahr­neh­men kann. Außer­dem wird deut­lich, dass der Zufall auf die Gefüh­le einen ent­schei­den­den Ein­fluss hat, der es den Uti­li­ta­ris­ten unmög­lich macht, die kon­kre­ten Gefüh­le der Betrof­fe­nen zu deu­ten.

Für Smith hängt die mora­li­sche Bil­li­gung einer Hand­lung von den sym­pa­the­ti­schen Gefüh­len für die­se Hand­lung ab. Für die mora­li­sche Bil­li­gung einer Hand­lung gibt es vier mög­li­che Wege. So kön­nen wir ers­tens mit den Beweg­grün­den des Han­deln­den sym­pa­thi­sie­ren, zwei­tens kön­nen wir Mit­ge­fühl mit den Betrof­fe­nen der Hand­lung haben (zum Bei­spiel: Dank­bar­keit oder Teil­nah­me an Ver­gel­tungs­ge­füh­len des Betrof­fe­nen), drit­tens emp­fin­den wir „den Grad der Über­ein­stim­mung bei­der Gefüh­le mit dem­je­ni­gen, was in die­ser Situa­ti­on gemein­hin als Gefühl ange­mes­sen erscheint (Schick­lich­keit)” und vier­tens bewun­dern wir in die­sem Han­deln den Bei­trag zur natür­li­chen har­mo­ni­schen Ord­nung der Gemein­schaft.[13]. Neben die­sen vier Mög­lich­kei­ten wer­den kei­ne wei­te­ren Fak­to­ren in der TMS genannt, wie Smith zufol­ge eine Hand­lung mora­lisch beur­teilt wer­den kann. Die­se Auf­fas­sung über die mora­li­sche Bil­li­gung von Hand­lun­gen steht der Posi­ti­on Ben­t­hams gegen­über. Für Ben­t­ham lässt sich die mora­li­sche Bil­li­gung einer Hand­lung nur durch die Nut­zen­kal­ku­la­ti­on bestim­men.[14]

Auf den ers­ten Blick scheint es, dass Smiths Ethik über­haupt kei­nen Bezug zum Uti­li­ta­ris­mus hat. Jedoch ist es gera­de für die Abschät­zung des Nut­zens, also für die guten und schlech­ten Fol­gen einer Hand­lung, bedeut­sam, wenn Rück­sicht auf die Lust- bzw. Unlust­ge­füh­le der Betrof­fe­nen genom­men wird. Somit ist es für den Uti­li­ta­ris­ten eben­falls sinn­voll, Sym­pa­thie für die Betrof­fe­nen zu emp­fin­den[15], andern­falls wäre eine Wahr­neh­mung der Unlust- und Lust­ge­füh­le der Betrof­fe­nen unmög­lich. Es scheint, dass der Uti­li­ta­ris­mus zum Teil auf der Ethik Smiths auf­baut. Solch eine Ethik aber bräuch­te einen Beur­tei­len­den, der ein rie­si­ges Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen hat, um sich in alle Betrof­fe­nen hin­ein­zu­ver­set­zen. Außer­dem müss­ten sich alle Hand­lungs­fol­gen ein­deu­tig abschät­zen las­sen.

Der Beur­tei­len­de müss­te eine Art idea­ler unpar­tei­ischer Beob­ach­ter sein. Er soll­te Firth zufol­ge über ein enor­mes Erfah­rungs­wis­sen ver­fü­gen, um sich in alle denk­mög­li­chen Situa­tio­nen der Betrof­fe­nen hin­ein­zu­füh­len. Außer­dem ist es erfor­der­lich, dass er jeden Betrof­fe­nen wahr­neh­men kön­ne — auch jene, die nicht unmit­tel­bar betrof­fen sind -,   um ein kor­rek­tes Urteil abzu­ge­ben, dass aus der Sum­me der Lust- bzw. Unlust­emp­fin­dun­gen der Betrof­fe­nen resul­tiert. Zusätz­lich müss­te die­ser Beob­ach­ter unvor­ein­ge­nom­men und unpar­tei­lich sein, damit kei­ne Bevor­zu­gun­gen statt­fin­den. Weil es ja für die Uti­li­ta­ris­ten maß­ge­bend ist, dass jeder Betrof­fe­ne gleich­viel zählt. Außer­dem müss­te der idea­le Beob­ach­ter auch sach­lich sein.[16]

D. T. Camp­bell weist dar­auf­hin, dass Smith kei­ne Theo­rie des idea­len Beob­ach­ters in der TMS ver­tritt.[17] Smiths unpar­tei­ischer Zuschau­er genügt nicht die­sen Ansprü­chen, er ist Camp­bell zufol­ge eine sehr indif­fe­ren­te Gestalt, so „dass Smith den unpar­tei­ischen Betrach­ter auch mit einem ganz nor­ma­len Zuschau­er, mit einem bystan­der und mit jeder unbe­tei­lig­ten Per­son iden­ti­fi­ziert”.[18] Wenn also der unpar­tei­ische Zuschau­er in ver­schie­de­nen Gewän­dern auf­tritt, so ist es nicht ersicht­lich, dass Smith von einer ein­heit­li­chen Figur des idea­len Beob­ach­ters aus­geht. Folg­lich kann es sich bei Smith nicht um einen idea­len Beob­ach­ter han­deln, der die von Firth auf­ge­führ­ten Eigen­schaf­ten hat. Wenn Smiths unpar­tei­ischer Zuschau­er nicht die geeig­ne­te Per­son ist, um mora­li­sche Beur­tei­lung im Sin­ne des Uti­li­ta­ris­mus durch­zu­füh­ren, so kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass Smith mit sei­nen Kon­zep­tio­nen der Sym­pa­thie und des unpar­tei­ischen Zuschau­ers kei­nen Uti­li­ta­ris­mus inten­diert hat.

Ange­nom­men, der eben genann­te Ein­wand wür­de nicht zutref­fen und es wür­de einen idea­len Beob­ach­ter geben, so blie­be die Fra­ge offen, ob die­ser Beob­ach­ter die durch eine Hand­lung bewirk­ten Lust- und Unlust­ge­füh­le rich­tig abschät­zen kön­ne. Micha­el S. Aßlän­der weist dar­auf hin, dass auf Gefüh­le der Betrof­fe­nen der Zufall einen immensen Ein­fluss habe[19]. Smith spricht hier­bei von einer „Regel­wid­rig­keit der Emp­fin­dun­gen”[20]. So hin­ge zum Bei­spiel das Maß der Dank­bar­keit von den Umstän­den der Hand­lung ab. Smith ver­deut­licht dies kurz: „Ein Mann, der sich für einen ande­ren um eine Stel­le bewirbt, ohne sie zu erhal­ten, wird (…) Zunei­gung”[21] erhal­ten. Wür­de er aber die Stel­le erhal­ten, so wäre ihm die Dank­bar­keit des ande­ren sicher. Wenn also das Maß der Inten­si­tät der lust­vol­len Gefüh­le des Betrof­fe­nen in die­sem Fall vom Zufall abhängt, so wird ersicht­lich, dass der Zufall auf jede uti­li­ta­ris­ti­sche Nut­zen­kal­ku­la­ti­on einen Ein­fluss hat. Da Smith den Ein­fluss des Zufalls nicht bei der Beur­tei­lung der Hand­lun­gen aus­schlie­ßen kann und möch­te, wird ersicht­lich, dass Smith kei­nen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­tritt.[22]

Die­ser von Smith vor­ge­brach­te Ein­wand, dass der Uti­li­ta­ris­mus mit zufäl­li­gen „Wir­kungs­ket­ten” nicht umge­hen kön­ne, wird auch von heu­ti­gen For­schern vor­ge­bracht. Sie gehen davon aus, dass vie­le mora­li­sche Beur­tei­lun­gen, die sich uti­li­ta­ris­ti­scher Metho­den bedie­nen, von einem unge­wis­sen Wis­sens­stand, wie auch Smith am Bei­spiel des Bewer­bers zeigt, der kei­ne hin­rei­chen­de Kennt­nis von der Zukunft hat, beein­flusst sind.[23] Es lässt sich daher anneh­men, dass Smith den Uti­li­ta­ris­mus ablehnt.

Wie gezeigt wur­de, ist die Sym­pa­thie­kon­zep­ti­on für den Uti­li­ta­ris­mus von Bedeu­tung. Sie ist grund­le­gend für die „Mes­sung der Gefüh­le” der Betrof­fe­nen. Jedoch gibt es bei Smith kei­nen Zuschau­er, der sich in alle Betrof­fe­nen hin­ein­den­ken kann, um deren Gefüh­le nach­zu­emp­fin­den. Außer­dem geht Smith davon aus, dass die Gefüh­le, die durch eine Hand­lung bei den Betrof­fe­nen bewirkt wer­den, stark vom Zufall beein­flusst sind. Damit stellt er sich gegen eine Beur­tei­lung der Hand­lungs­kon­se­quen­zen. Die Ethik von Smith und der Uti­li­ta­ris­mus sind nicht ver­ein­bar.

2.3 Humes und Smiths Gerech­tig­keits­be­grün­dun­gen
——im Wider­streit

Die­ser Abschnitt der Arbeit befasst sich mit den Gerech­tig­keits­be­grün­dun­gen von Hume und Smith. Hume begrün­det Gerech­tig­keit durch ihre Nütz­lich­keit für das gesell­schaft­li­che Zusam­men­le­ben. Smith wider­spricht die­ser Posi­ti­on und wen­det ein, dass Gefüh­le die Gerech­tig­keit sichern und ihr Wesen mehr­heit­lich bestim­men. Durch Smiths Zurück­wei­sung der Hume­schen Gerech­tig­keits­be­grün­dung wird ersicht­lich, dass Smith kei­nen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­tritt. Sodann soll dar­ge­stellt wer­den, inwie­fern der Begriff der Nütz­lich­keit für Smith eine Bedeu­tung als Erklä­rungs­hil­fe für die im nächs­ten Satz beschrie­be­nen Phä­no­me­ne hat. In sei­nem Bei­spiel des mili­tä­ri­schen Wach­pos­tens wird deut­lich, dass Smith Nütz­lich­keits­er­wä­gun­gen benutzt, um die Dis­kre­panz zwi­schen natür­li­cher und „künst­li­cher” Stra­fe zu erklä­ren.

Hume war Tho­mas Gil zufol­ge jemand, der sich nicht „für die schö­ne exzel­len­te Idee der Gerech­tig­keit an sich interessiert[e, son­dern der davon aus­ging, dass ohne sie] vie­les in der sozia­len Welt nicht gut funk­tio­nie­ren wür­de. Hume konzentriert[e] sei­ne Auf­merk­sam­keit auf  die Nütz­lich­keit der Gerech­tig­keit für die Gesell­schaft und wur­de so für die Uti­li­ta­ris­ten [ins­be­son­de­re für Jere­my Ben­t­ham] ein Vor­fahr.”[24] Aus­ge­hend von der eben beschrie­be­nen Funk­ti­on der Gerech­tig­keit für das mensch­li­che Zusam­men­le­ben, wird klar, dass für Hume Gerech­tig­keit nur eine künst­li­che Tugend sei[25], die sich aus ihrer Nütz­lich­keit, die sie  für die Gesell­schaft hat, ablei­ten lässt. So wür­den Straf­tä­ter nur des­halb bestraft wer­den, weil es für die Gesell­schaft nütz­lich sei, denn die Stra­fe bewirkt, dass die Täter sich bes­sern. Außer­dem schreckt sie ande­re poten­ti­el­le Täter von der Bege­hung einer Straf­tat ab. Eine sol­che Straf­zweck­theo­rie setzt nicht bei den Gefüh­len bzw. den Moti­ven des Täters und des Opfers an, son­dern sie setzt bei dem Zweck an, der mit der Stra­fe ver­wirk­licht wer­den soll. Die­se Straf­zweck­theo­ri­en haben oft­mals einen uti­li­ta­ris­ti­schen Ursprung.[26]

Bei Hume wer­den Stra­fe als auch Gerech­tig­keit durch Nütz­lich­keit gebil­ligt. Die Bil­li­gung wird also nicht, wie bei Smith, durch Sym­pa­thie gewon­nen, son­dern durch ratio­na­le Refle­xi­on über die Nütz­lich­keit der Stra­fe.[27] Bei Hume fin­det neben der Refle­xi­on höchs­tens ein sym­pa­the­ti­sches Gefühl zwi­schen dem Zuschau­er und Inha­ber der Tugend der Gerech­tig­keit statt. Dabei sym­pa­thi­siert der Zuschau­er nur mit dem Nut­zen die­ser Tugend.[28]

Smith hält der Auf­fas­sung Humes ent­ge­gen, dass Gerech­tig­keit eine natür­li­che Tugend sei, die zu einem gro­ßen Teil durch unse­re Ver­gel­tungs­ge­füh­le gesi­chert wird[29]. Bei ihm beschränkt sich der Begriff der Gerech­tig­keit nur auf die per­sön­li­che Sicher­heit. Dabei berück­sich­tigt er Fra­gen der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit nicht. Dies liegt aber auch dar­an, dass er Gerech­tig­keit nicht aus der Nütz­lich­keit ablei­tet. Für Hume jedoch ist Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit wich­tig, da er eine Knapp­heit der Güter annimmt. Smith zufol­ge fin­det der Schutz der per­sön­li­chen Sicher­heit durch die natür­li­chen Gefüh­le statt. So reagie­re jeder Zuschau­er mit Ver­gel­tungs­ge­füh­len auf die Opfer unso­zia­ler Affek­te bzw.  schä­di­gen­der Hand­lun­gen. Eben­so geht Smith davon aus, dass das „sys­tem of rules” sich aus sol­chen Ver­gel­tungs­ge­füh­len ent­wi­ckeln wür­de.[30] In der TMS hebt er sei­ne Stel­lung zu den Gefüh­len als die Grund­la­ge des staat­li­chen Stra­fens her­vor: Der Täter muss „gera­de wegen die­ser [schä­di­gen­den] Hand­lung Reue und Kum­mer emp­fin­den, damit ande­re durch die Furcht vor glei­cher Stra­fe davon abge­schreckt wer­den, sich der glei­chen Belei­di­gung schul­dig zu machen. Die natur­ge­mä­ße Befrie­di­gung die­ses Affekts wirkt von selbst dahin, alle die Zwe­cke zu ver­wirk­li­chen, auf wel­che die staat­li­che Bestra­fung abzielt: die Bes­se­rung des Ver­bre­chers und das abschre­cken­de Bei­spiel für die All­ge­mein­heit.”[31] Aus die­sem Zitat wird eine Posi­ti­on Smiths deut­lich, die sich gegen die uti­li­ta­ris­ti­schen Straf­zweck­theo­ri­en rich­tet. Nicht eine Refle­xi­on über den Straf­zweck begrün­det die Exis­tenz staat­li­cher Stra­fen, son­dern die natür­li­chen Gefüh­le bewir­ken die Bes­se­rung des Täters und Abschre­ckung poten­ti­el­ler Täter. Also wer­den Smith zufol­ge die Gerech­tig­keit und die Bestra­fung schäd­li­cher Hand­lun­gen durch die natür­li­chen Gefüh­le bewirkt.

Wenn für Smith die Gerech­tig­keit nicht aus der Nütz­lich­keit abge­lei­tet wird,  dann bleibt die Fra­gen offen, wel­che Bedeu­tung uti­li­ta­ris­ti­sche Erklä­run­gen für Smith haben. Es ist offen­sicht­lich, dass Smith sich ohne uti­li­ta­ris­ti­schen Hin­ter­grund sol­cher Erklä­rungs­wei­sen bedient, um bestimm­te Maß­nah­men des Staa­tes zu begrün­den.[32] So wei­sen Camp­bell und Ross in ihrem Auf­satz dar­auf­hin, dass Smith uti­li­ta­ris­ti­sche Erklä­rungs­wei­sen benutzt, um die staat­li­chen Ein­grif­fe gegen Schmugg­ler zu recht­fer­ti­gen und um die Zoll­po­li­tik durch­zu­set­zen.[33] Daher soll im nächs­ten Abschnitt gezeigt wer­den, dass sich Smith eines expla­na­to­ri­schen Uti­li­ta­ris­mus in der TMS bedien­te.

Für die­sen Zweck ist das bekann­te Bei­spiel des mili­tä­ri­schen Wach­pos­tens dien­lich: „so wird zum Bei­spiel der Wach­pos­ten, der wäh­rend sei­nes Diens­tes ein­schläft, nach den Kriegs­ge­set­zen mit dem Tode bestraft, weil sol­che Unacht­sam­keit das gan­ze Heer in Gefahr brin­gen kann.” (TMS 135). Robert Shaver weist dar­auf hin, dass der natür­li­che Gräu­el die­ses Ver­bre­chens äußerst gering ist (der Wäch­ter schlief nur ein), aber die ver­häng­te Stra­fe wür­de über die natür­li­che Stra­fe hin­aus­ge­hen, die unser Ver­gel­tungs­ge­fühl bil­li­gen wür­de. Die­se „Dis­kre­panz” zwi­schen den bei­den Stra­fen lie­ße sich nur mit Hil­fe einer Erklä­rung bezüg­lich der Nütz­lich­keit schlie­ßen. Es ist äußerst nütz­lich, dass der Wäch­ter nicht ein­schläft, damit er vor her­an­na­hen­den feind­li­chen Hee­ren war­nen kann. Ohne eine sol­che War­nung wäre der Fort­be­stand des Staa­tes gefähr­det. Um den Staat dau­er­haft zu erhal­ten, muss dem Täter eine dra­ko­ni­sche Stra­fe ange­droht wer­den, damit er bemüht ist, nicht ein­zu­schla­fen. Die­se Erklä­rung bedient sich nur eines expla­na­to­ri­schen Uti­li­ta­ris­mus, um das dra­ko­ni­sche Vor­ge­hen gegen den ein­ge­schla­fe­nen Wäch­ter zu recht­fer­ti­gen. Ohne die­se Nütz­lich­keits­er­wä­gung wür­den unse­re Gefüh­le nicht mit der ver­häng­ten Todes­stra­fe des Täters sym­pa­thi­sie­ren.[34]

Aus die­ser Dis­kus­si­on wird deut­lich, dass Smith den Begriff der Nütz­lich­keit ver­wen­det, um gewis­se Straf­ab­sich­ten zu erklä­ren. Trotz­dem lei­ten sich für Smith Gerech­tig­keit und unse­re Moti­ve zur Bestra­fung zuerst aus den Gefüh­len ab. Die ratio­na­len Refle­xio­nen über den Straf­grund tre­ten erst dann hin­zu, wenn die Gefüh­le nicht mehr aus­rei­chen, um Hand­lun­gen zu bil­li­gen.[35] Smiths Auf­fas­sung, dass erst die Gefüh­le und die dann even­tu­ell dar­auf fol­gen­den Nütz­lich­keits­er­wä­gun­gen eine Hand­lung bil­li­gen, wider­spricht der Auf­fas­sung Sidgwicks, dem­zu­fol­ge der Uti­li­ta­ris­mus intui­tiv als Moral­auf­fas­sung exis­tiert.

Durch sei­ne Zurück­wei­sung von Humes uti­li­ta­ris­tisch gepräg­ter Gerech­tig­keits­be­grün­dung bezieht Smith ein­deu­tig Stel­lung. Smith lehnt einen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ab. Ent­ge­gen Humes Uti­li­ta­ris­mus ver­tritt Smith die Auf­fas­sung, dass mora­li­sches Han­deln durch die natür­li­chen Gefüh­le gebil­ligt wer­de. Trotz­dem kann sich Smith nicht zurück­hal­ten, Nütz­lich­keits­er­wä­gun­gen zu ver­wen­den, um bestimm­te Straf­pra­xen zu beschrei­ben.

2.4 Die Bewir­kung des größ­ten Glücks der größ­ten
——Zahl durch die natür­li­chen Gefüh­le

In die­sem Abschnitt mei­nes Bei­trags wird demons­triert, wie nach Smith das größ­te Glück der größ­ten Zahl durch den Ein­fluss der natür­li­chen Gefüh­len ver­wirk­licht wird. Dazu wird kurz beschrie­ben, wie die Uti­li­ta­ris­ten das größ­te Glück der größ­ten Zahl bewir­ken wol­len. Mit Smith lässt sich ein­wen­den, dass für ihn nicht die Zie­le einer Hand­lung maß­geb­lich sind, son­dern die Ver­voll­komm­nung der Mit­tel. Dies wird an sei­nem Bei­spiel des Uhr­lieb­ha­bers belegt. Aus­ge­hend von die­ser Grund­an­nah­me wird gezeigt, dass auch die Men­schen durch eine Ver­voll­komm­nung ihrer natür­li­chen Ver­mö­gen, das Stre­ben nach Aner­ken­nung und die Selbst­täu­schung, ihre Glück­se­lig­keit bewir­ken. Dadurch wird die all­ge­mei­ne Glück­se­lig­keit unab­sicht­lich bewirkt. Am Ende des Kapi­tels wird kurz dar­auf ein­ge­gan­gen, wel­che Art von Uti­li­ta­ris­mus sich aus den Argu­men­ten die­ses Kapi­tels ablei­ten lie­ße.

Die Uti­li­ta­ris­ten gehen davon aus, dass die Kon­se­quen­zen einer Hand­lung nach den durch sie bewirk­ten Lust- und Unlust­ge­füh­len bewer­tet wer­den. Jeder, der von der Hand­lung betrof­fen wur­de, zählt gleich, dabei wird kei­ner bevor­zugt. Für den Uti­li­ta­ris­ten, der das größ­te Glück der Größ­ten Zahl beför­dern will, muss er stets die­je­ni­ge Hand­lung aus­fin­dig machen, die am bes­ten geeig­net ist, um die­sen Zweck zu ver­wirk­li­chen. Folg­lich zäh­len die Hand­lungs­fol­gen  mehr als das Hand­lungs­mo­tiv.

Smith stellt sich die­ser Auf­fas­sung ent­ge­gen, wenn er behaup­tet, dass die mora­li­sche Bil­li­gung einer Hand­lung eher von Hand­lungs­mo­ti­ven abhängt.[36] Smith behaup­tet im vier­ten Teil der TMS, dass uns nicht die Hand­lungs­fol­gen zum Han­deln anlei­ten, son­dern dass es in uns natur­ge­ge­be­ne Moti­ve gibt, die uns zum Han­deln anlei­ten. Daher bewer­tet er die Mit­tel, die zu einem gewis­sen Zweck füh­ren, höher als den Zweck selbst.[37] Smith erläu­tert dies am Bei­spiel des Uhren­lieb­ha­bers, der sich eine neue und genaue­re Uhr kauft. Er wird sei­ne alte und unge­naue Uhr ver­kau­fen, um sich dann eine bes­se­re und exak­te­re Uhr zu kau­fen. Ihm geht es dabei nicht dar­um, pünkt­li­cher als ande­re zu sein, son­dern es geht ihm dar­um, sich an der „Voll­kom­men­heit [sei­nes] Instru­men­tes” zu erfreu­en[38]. Wenn es dem Uhren­lieb­ha­ber nicht um die Pünkt­lich­keit als Zweck geht, so hät­te er sich auch auf die unge­naue Uhr ein­stel­len kön­nen und ande­re Arran­ge­ments tref­fen kön­nen, anstatt sich eine neue Uhr zu kau­fen. Ihm geht es also nicht um den Nut­zen, son­dern für ihn ist die Ver­voll­komm­nung der Mit­tel — ohne auf deren Nut­zen Rück­sicht zu neh­men — erstre­bens­wert.

War­um neh­men wir auf den Nut­zen unse­rer Hand­lun­gen kei­ne Rück­sicht? War­um geht es dem Uhren­lieb­ha­ber nicht vor­der­grün­dig dar­um, dass sei­ne Uhr genau­er ist, damit er pünkt­li­cher ist? Dies liegt an einer geschick­ten Täu­schung, die durch die Natur bewirkt wird. Die­se Täu­schung moti­viert uns zum han­deln[39]. Sie ist das­je­ni­ge, „was den Fleiß der Men­schen erweckt und in bestän­di­ger Bewe­gung erhält, Sie ist es, was sie zuerst antreibt, den Boden zu bear­bei­ten, Häu­ser zu bau­en, Städ­te und staat­li­che Gemein­we­sen zu grün­den (…)”[40]. Durch die­se Täu­schung opfern sogar eini­ge der ärms­ten Men­schen ihre Gesund­heit und Ruhe, um in höhe­re Schich­ten der Gesell­schaft zu gelan­gen. Sie gau­kelt ihnen vor, dass Reich­tum sie glück­li­cher macht.[41]

Das natür­li­che Stre­ben nach Anner­ken­nung begüns­tigt die­se Ent­wick­lung. Das Anner­ken­nungs­stre­ben bewirkt, dass vie­le Men­schen in höhe­re Schich­ten der Gesell­schaft auf­stei­gen wol­len. Es ist sehr wahr­schein­lich, dass Smith mit der von der Natur bewirk­ten Täu­schung das mensch­li­che Aner­ken­nungs­stre­ben mein­te. Die­ses Aner­ken­nungs­tre­ben bewirkt, dass jeder Mensch Gegen­stand der Sym­pa­thie der Zuschau­er sein will. Da die meis­ten Zuschau­er mit den Annehm­lich­kei­ten, die ein Palast sei­nen Bewoh­nern bie­tet, sym­pa­thi­sie­ren, ist Reich­tum erstre­bens­wert.[42] Genau­so wie ein jeder „Auf­stei­ger” Aner­ken­nung erhei­schen will, ist auch jeder Refor­mer und Staats­mann bemüht, Aner­ken­nung für sein Han­deln zu erlan­gen. Smith zufol­ge geht es den Akteu­ren nicht um das Wohl­wol­len der von ihren Refor­men und Maß­nah­men betrof­fe­nen Per­so­nen. Für die­se Akteu­re ist nur das per­sön­li­che Anse­hen wich­tig, und neben­bei bewir­ken sie eine „Ver­voll­komm­nung des Staats­ap­pa­ra­tes”.[43] Genau­so wie der Staats­mann und der Refor­mer bewir­ken auch die Auf­stei­ger durch die von ihnen bewirk­ten Anstren­gun­gen gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen.

Das Stre­ben nach Aner­ken­nung treibt den Men­schen, trotz der natür­li­chen Selbst­täu­schung und unab­hän­gig vom Nut­zen, zu sei­nen Hand­lun­gen an. Karl Graf Bal­le­strem geht davon aus, dass die Natur uns Smith zufol­ge so pro­gram­miert hat, d.h. Gott pflanz­te dem Men­schen das Stre­ben nach Aner­ken­nung und die Sym­pa­thie — die Grund­la­ge des Aner­ken­nungs­ge­fühls — a prio­ri ein, dass wir die Mit­tel als sol­che anstre­ben, näm­lich die Aner­ken­nung durch die Zuschau­er. Der Zweck, den die Natur durch die Pro­gram­mie­rung der Men­schen bewirkt, muss den Men­schen nicht offen­bar sein.[44] Für Smith genügt es, aus­ge­hend von sei­nem deis­ti­schen Grund­ver­ständ­nis, dass durch die­se Pro­gram­mie­rung der End­zweck des mensch­li­chen Han­delns, die all­ge­mei­ne Glück­se­lig­keit, bedingt wird[45]. Wenn nun der Auf­stei­ger, der Refor­mer, der Staats­mann und jeder ande­re durch das jewei­li­ge Stre­ben nach Aner­ken­nung Ver­bes­se­run­gen bewir­ken, so tra­gen sie alle zur Beför­de­rung des all­ge­mei­nen Wohl­erge­hens bei.

Smith lei­tet, wie gezeigt wur­de, das all­ge­mei­ne Wohl­erge­hen aus den Moti­ven der Hand­lun­gen ab. So ist für Smith nicht der Nut­zen einer Hand­lung ent­schei­dend, son­dern das indi­vi­du­el­le Stre­ben nach Aner­ken­nung ist sei­ner Auf­fas­sung nach maß­geb­lich. Der Nut­zen der Hand­lung kann aus einem wei­te­ren Grund nicht zum Han­deln moti­vie­ren, da die Men­schen die Kon­se­quen­zen ihrer Hand­lung nicht bewusst bewir­ken, son­dern eher durch eine Art Selbst­täu­schung zum Han­deln bewegt wer­den. Da der Nut­zen nicht zum Han­deln antreibt, wird ersicht­lich, dass Smith aus die­sen Grün­den her­aus zumin­dest vor­der­grün­dig kei­nen uti­li­ta­ris­ti­schen Ansatz ver­tritt. Sei­ne Alter­na­tiv­be­grün­dung des größ­ten Glücks der größ­ten Zahl bzw. der all­ge­mei­nen Glück­se­lig­keit, die sich aus der natür­li­chen Selbst­täu­schung des Men­schen und dem Aner­ken­nungs­ge­fühl des Men­schen her­lei­ten lässt, wider­spricht der uti­li­ta­ris­ti­schen Auf­fas­sung, der zufol­ge ein Über­ge­wicht an posi­ti­ven Hand­lungs­fol­gen das größ­te Glück bewir­ken soll. Eben­so betont Smith nicht die Geeig­net­heit des Mit­tels, um den best­mög­li­chen Zweck zu beför­dern, son­dern eine Ver­voll­komm­nung der Mit­tel. Auch die­se Ansicht wider­spricht der uti­li­ta­ris­ti­schen Ansicht, da sie das Mit­tel unab­hän­gig von ihrem Zweck betrach­tet. Smith zeigt hier eben­falls anti­uti­li­ta­ris­ti­sche Züge.

Bal­le­strem weist dar­auf­hin, dass Smith zumin­dest eine Art kon­tem­pla­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­tritt, wenn er schon kei­nen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus bil­ligt. Der kon­tem­pla­ti­ve Uti­li­ta­ris­mus geht davon aus, dass die all­ge­mei­ne Glück­se­lig­keit unwil­lent­lich durch Gott bewirkt wur­de. Theo­re­ti­ker wie Smith erken­nen erst im Nach­hin­ein, dass der all­ge­mei­ne Nut­zen bewirkt wur­de.[46] Die­se Unter­form des Uti­li­ta­ris­mus ent­behrt jedoch dem ein­gangs dar­ge­stell­ten Kal­kü­li­sie­rungs­ide­al. Außer­dem man­gelt es ihm dar­an, dass die Hand­lun­gen nicht inten­diert sind. Somit han­delt es sich hier nicht um einen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus.

3. Ergeb­nis­se

Adam Smith ver­tritt in sei­ner TMS kei­nen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus. Es wur­de ersicht­lich, dass die mora­li­sche Bil­li­gung einer Hand­lung nicht von den Hand­lungs­fol­gen abhängt. Nach Smith kann eine Bil­li­gung der Hand­lung nur durch die Sym­pa­thie erfol­gen. Die­ses Ver­mö­gen setzt nicht bei den Hand­lungs­fol­gen an, son­dern es beur­teilt die Hand­lungs­mo­ti­ve, dass heisst: die Gefüh­le. Dies wur­de beson­ders bei Smiths Straf­be­grün­dungs­theo­rie ersicht­lich.

Da die Gefüh­le, beson­ders das Aner­ken­nungs­stre­ben, — nicht der Nut­zen einer Hand­lung — zum Han­deln moti­vie­ren, wird ver­ständ­lich, dass Smith zufol­ge nur die Ver­voll­komm­nung der Mit­tel — ohne dass die Zwe­cke absicht­lich bewirkt wer­den — erstre­bens­wert sei. Wenn also die Zwe­cke einer Hand­lung nicht absicht­lich ange­strebt wer­den kön­nen, dann wird ver­ständ­lich, dass Smith kei­nen Uti­li­ta­ris­mus ver­tre­ten kann. Denn für die uti­li­ta­ris­ti­sche Ethik haben die Hand­lungs­fol­gen Ein­fluss auf die mora­li­sche Beur­tei­lung der Hand­lung.

Ein wei­te­res Argu­ment, das Smith gegen einen mög­li­chen Uti­li­ta­ris­mus anführt, ist fol­gen­des: Smith lei­tet, ent­ge­gen der uti­li­ta­ris­ti­schen Vor­stel­lung, das größ­te Glück der größ­ten Zahl aus den von Gott gege­be­nen Gefüh­len her. Durch die­se Gefüh­le wür­de der Mensch nach Aner­ken­nung stre­ben. Wäh­rend der Mensch nach Aner­ken­nung strebt, bewirkt er durch sein Tun nicht inten­dier­te Ver­bes­se­run­gen sei­ner per­sön­li­chen Umstän­de. Da alle Men­schen mit die­sen gott­ge­ge­be­nen Gefüh­len aus­ge­stat­tet sind, bewir­ken sie im gesell­schaft­li­chen Wech­sel­spiel die all­ge­mei­ne Glück­se­lig­keit.

Eben­so lässt sich aus der Sym­pa­thie­kon­zep­ti­on und dem Kon­zept des unpar­tei­ischen Zuschau­ers kein nor­ma­ti­ver Uti­li­ta­ris­mus ablei­ten, da der in der TMS  beschrie­be­ne unpar­tei­ische Zuschau­er kein idea­ler Beob­ach­ter ist, der alle Fol­gen einer Hand­lung abschät­zen kön­ne. Auch wenn es einen sol­chen Beob­ach­ter gäbe, so hät­te er Schwie­rig­kei­ten, sich in die Gefüh­le aller Betrof­fe­nen hin­ein­zu­füh­len.

Aus die­sen Grün­den wird ersicht­lich, dass Smith kei­nen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ver­tre­ten hat. Es wur­de gezeigt, dass Smith Nütz­lich­keits­er­wä­gun­gen benutzt, um gewis­se Regel­wid­rig­kei­ten der Gefüh­le zu kor­ri­gie­ren. Dies wur­de am Bei­spiel des mili­tä­ri­schen Wach­pos­tens deut­lich. Folg­lich ver­trat Smith zumin­dest einen expla­na­to­ri­schen Uti­li­ta­ris­mus. Außer­dem wur­de gezeigt, dass Smith auch ein Ver­tre­ter des kon­tem­pla­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ist. Die­se bei­den Uti­li­ta­ris­mus­for­men sind jedoch kei­ne For­men, die dem nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus nahe kom­men, der im Kapi­tel 2 die­ses Bei­trags beschrie­ben wur­de.

4. Quel­len- und Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

Quel­len:

Eck­stein, Wal­ter (Hrsg. und Übers.): Adam Smith. Theo­rie der ethi­schen Gefüh­le (=Phi­lo­so­phi­sche Biblio­thek 200), Ham­burg 2004.

Lite­ra­tur:

And­ree, Johan­nes Georg: Sym­pa­thie und Unpar­tei­lich­keit. Adam Smiths Sys­tem der natür­li­chen Mora­li­tät, Pader­born 2003.

Aßlän­der, Micha­el S.: Adam Smith zur Ein­füh­rung, Ham­burg 2007.

Bal­le­strem, Karl Graf: Adam Smith, Mün­chen 2001.

Camp­bell, T. D. / Ross, I. S.: The Uti­li­ta­ria­nism of Adam Smith‘s Poli­ce Advice, In: Jour­nal of the Histo­ry of Ide­as 42 (1981), S. 73 -92.

Gar­rett, Aaron: Adam Smith über den Zufall als mora­li­sches Pro­blem, In: Fri­cke, Christel/ Schütt, Hans-Peter: Adam Smith als Moral­phi­lo­soph, Ber­lin 2005, S. 160 — 177.

Gil, Tho­mas: Ethik, Stutt­gart 1993.

Höf­fe, Ott­fried:  Ein­füh­rung in die uti­li­ta­ris­ti­sche Ethik. Klas­si­sche und zeit­ge­nös­si­sche Tex­te, Tübin­gen 1992.

Mar­tin, Mar­tin A.: Uti­li­ty and Mora­li­ty. Adam Smith’s Cri­tique of Hume, In: Hume Stu­dies 16 (1990), S. 107 — 120.

Ott, Kon­rad:  Moral­be­grün­dun­gen zur Ein­füh­rung, Ham­burg 2001.

Pau­er-Stu­der, Her­lin­de: Ein­füh­rung in die Ethik, Wien 2003.

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Rawls, John: Eine Theo­rie der Gerech­tig­keit, Frank­furt a. Main 1979.

Rosen, F.: The idea of uti­li­ty in Adam Smith‘s The Theo­ry of Moral Sen­ti­ments, In: Histo­ry of European Ide­as 26 (2000), S. 79 — 103.

Shaver, Robert: Vir­tu­es, Uti­li­ty, and Rules, In: Haa­kon­sen, Knud: The Cam­bridge Com­pa­n­ion to Adam Smith, Cam­bridge 2006.

Fuß­no­ten:

[1] Eck­stein X, LXVI

[2] Höf­fe weist dar­auf­hin, dass der Uti­li­ta­ris­mus beson­ders in Deutsch­land wenig rezep­tiert wur­de. Vgl. Höf­fe: 1992, S. 8.

[3] Vgl. Ott: 2001, S. 97.

[4] Vgl. Ott: 2001, S. 98f. Vgl. Höf­fe: 1992, S. 16. Die­se Ansicht-wird dadurch begrün­det, dass der Mensch von Natur aus Leid ver­mei­det und nach Lust strebt. Die­se anthro­po­lo­gi­sche-Grund­hal­tung ent­spricht auch den Gefüh­len des Smith­schen-Zuschau­ers, wenn er mit sozia­len Affek­ten eher sym­pa­thi­siert als mit unso­zia­len Affek­ten.

[5] Vgl. Ott: 2001, S. 101.

[6] Vgl. Pau­er-Stu­der: 2003, S. 33.

[7] Sol­che Affek­te könn­ten hem­mungs­lo­se sexu­el­le Lust-(Eben­so „wür­de eine uti­li­ta­ris­tisch gepräg­te Sexu­al­mo­ral,-die Auf­for­de­rung beinhal­ten, das Aus­maß der-Geschlechts­lust zu maxi­mie­ren, (…) da Sexua­li­tät eine Quel­le von » plea­su­re «” sei. Vgl. Ott: 2001, S. 110.),-aber auch rie­si­ges Fress­ge­la­ge sein. Smith führt jedoch-an, dass genau mit sol­chen Affek­ten kaum Sym­pa­thie-mög­lich sei, da „wir kör­per­li­che Begier­den ande­rer nicht-nach­füh­len kön­nen” (Vgl. And­ree: 2003, S. 59.). Auch-wür­den die­se Affek­te, wenn sie über­mä­ßig sind,-„Wider­wil­len, den wir gegen die­se kör­per­li­chen Begier­den-emp­fin­den”, aus­lö­sen (Vgl. TMS: 2004, S. 34.). Wenn die-Ziel­stel­lung die­ser hedo­nis­tisch gepräg­ten Ethik auf-wenig Sym­pa­thie durch den Zuschau­er hof­fen darf, so ist-es auch ver­ständ­lich, dass Smith mit die­ser Ethik des-Genuss­men­schen nicht sym­pa­thi­sie­ren kann.

[8] Vgl. Pau­er-Stu­der: 2003, S. 35.

[9] Vgl. Höf­fe: 1992, S. 22.

[10] Vgl. Ott: 2001, S. 103.

[11] Vgl. Pau­er-Stu­der: 2003, S. 36.

[12] Vgl. Höf­fe: 1992, S. 26 und Pau­er-Stu­der: 2003, S. 36.

[13] Vgl. Aßlän­der: 2007, S. 99; Rapha­el: 1991,
——–S. 50 und And­ree: 2003, S. 185.

[14] Vgl. Pau­er-Stu­der: 2003, S. 33.

[15] Rawls weist dar­auf­hin, dass „das Sich-in-den-ande­ren-Hin­ein­ver­set­zen” ein wich­ti­ger Bestand­teil der-Uti­li­ta­ris­ti­schen Ethik ist. Vgl. RAWLS: 1979, S. 45.

[16] Vgl. And­ree: 2003, S. 146. Ähn­lich beschreibt auch Rawls-den ver­nünf­ti­gen und unpar­tei­ischen mit­füh­len­den-Beob­ach­ter. Vgl. Rawls: 1979, S. 213. Vgl. auch-Ott: 2001, S. 103.

[17] Ent­ge­gen der Inter­pre­ta­ti­on von Camp­bell geht Rawls-davon aus, dass es sich bei Smith gera­de um einen-„ide­al ver­nünf­ti­gen und unpar­tei­ischen Zuschau­er-han­delt, der alle bedeut­sa­men Umstän­de kennt”.-Vgl. Rawls: 1979, S. 211. Eine Online-Recher­che-bei Goog­le Books unter dem Ein­trag „ide­al* Beob­acht*”-bzw. „ide­al* Zuschau*” führ­te zu kei­nem Ergebnis,so dass-Smith ver­mut­lich eine sol­che Per­son nicht vor­sah.

[18] Vgl. And­ree: 2003, S. 147.

[19] Vgl. Aßlän­der: 2007, S. 66.

[20] Vgl. TMS: 2004, S. 146.

[21] Vgl. TMS: 2004, S. 146.

[22] Eben­so sieht Gar­rett das spä­ter zu zei­gen­de Pro­blem des ein­schla­fen­den Wach­pos­tens in der Sicht einer-mög­li­chen Regel­wid­rig­keit der Gefüh­le. Ohne die-mög­li­che Fol­gen­ab­schät­zung des Ein­schla­fens wür­de-nicht die hohe Stra­fe vom Zuschau­er gebil­ligt wer­den.-Vgl. Gar­rett, 2005, S. 164f.

[23] Vgl. Ott: 2001, S. 109.

[24] Vgl. Gil: 1993, S. 59.

[25] Vgl. Camp­bell & Ross: 1981, S. 75.

[26] Eben­so sieht Höf­fe den Ursprung der Gene­ral­prä­ven­ti­on-und der Ver­gel­tungs­theo­rie im Uti­li­ta­ris­mus begrün­det.-Vgl. Höf­fe: 1992, S. 34.

[27] Vgl. Mar­tin: 1990, S. 107.

[28] Vgl. Bal­le­strem: 2001, S. 87.

[29] Vgl. And­ree: 2003, S. 83.

[30] Vgl. Rosen: 2000, S. 87.

[31] Vgl. TMS: 2004, S. 99.

[32] Vgl. Shaver: 2006, S. 195.

[33] Vgl. Camp­bell & Ross: 1981, S. 77ff.

[34] Shaver: 2006, S.195.

[35] Vgl. Mar­tin: 1990, S. 109. Die­se Auf­fas­sung ähnelt-Hare´s Uti­li­ta­ris­mus­auf­fas­sung (Vgl. Pau­er-Stu­der:-2003, S. 37.) Die­se Auf­fas­sung kann jedoch im-Rah­men die­ser Arbeit nicht näher dis­ku­tiert wer­den. Trotz­dem wird durch die Zurück­wei­sung der-uti­li­ta­ris­ti­schen Straf­be­grün­dung Humes deut­lich,-dass Smith einen nor­ma­ti­ven Uti­li­ta­ris­mus ablehnt.

[36] Es sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Smith zufol­ge eine-mora­li­sche Bil­li­gung eher bei den Hand­lungs­mo­ti­ven-ansetzt als bei den Hand­lungs­fol­gen. Vgl. auch Kapi­tel 3,-beson­ders die Punk­te 1 und 2 der dort gemach­ten Auf­stel­lung.

[37] Vgl. Rosen: 2000, S. 89.

[38] Vgl. TMS: 2004, S. 309f.

[39] Vgl. And­ree: 2003, S. 157; Aßlän­der: 2007, S. 77.

[40] Vgl. TMS: 2004, S. 315.

[41] Vgl. Bal­le­strem: 2001, S. 87.

[42] Vgl. TMS: 2004, S. 46f, S. 312f.

[43] Vgl. Aßlän­der: 2007, S. 78.

[44] Vgl. Bal­le­strem: 2001, S. 87.

[45] Vgl. Aßlän­der: 2007, S. 76.

[46] Vgl. Bal­le­strem: 2001, S. 87.