Das Verhältnis von Theorie und Praxis des methodischen Dreischrittes




by Constantin Schmidt | Datum: 06.12.2014
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(Foto von Charles Sanders Peirce | Lizenz: gemeinfrei)

In meinem folgenden Aufsatz geht es um die philosophische Konzeption von Charles Sanders Peirce bezüglich Deduktion, Abduktion und Induktion. Wenn man so will, eine grundlegende Schrift zur Wissenschafts- und Erkenntnistheorie. Im Aufsatz bin ich sehr textnah vorgegangen und konnte so die ein oder andere Entdeckung machen. Der Aufsatz wurde von Helmut Pape mit einer 1,0 bewertet. Die Idee für diesen Aufsatz habe ich zusammen mit Prof. Dr. John Michael Krois, international renommierter Cassirer-Experte, entwickelt, der während der Entstehung dieses Aufsatzes verstarb. Die Thematik behandelt ein Feld, das sich in der US-amerikanischen Philosophie gegenwärtig großer Beliebtheit erfreut.

Einleitung

Im vorliegenden Aufsatz soll das Verhältnis von Peirces geschichtswissenschaftlicher Theorie und Praxis[1] untersucht werden. Die Arbeit wird davon handeln, inwieweit Peirce sein theoretisches Fundament, den methodischen Dreischritt, in seiner eigenen historischen Forschung benutzte. Um dieses Verhältnis exemplarisch zu bestimmen, wird Bezug auf den Text ‚The Logic of Drawing History from Ancient Documents‘ genommen.[2] Peirces Text lässt sich in zwei Teile gliedern: im ersten Teil erläutert und erklärt er seine historische Erkenntnismethode (CP 7.162-7.232) und im zweiten Teil wendet er seine Methode auf spezifische althistorische Quellen an (CP 7.233-7.255).[3] Der Autor dieser Arbeit nimmt folgende These an: Peirce wendet die von ihm selbst theoretisch formulierte Methode an, um historische Fakten, die der Überlieferung der Werke Aristoteles und insbesondere die Überlieferung der ‚Prior Analytica‘ betreffen in Hinblick auf sein zu konkretisierendes Erkenntnisinteresse hin zu untersuchen. Dabei wendet er die von ihm formulierte Methode meiner Ansicht nach korrekt an und bezieht sich dabei nicht auf unwissenschaftlichen Methoden, die er ablehnt. Aus der These lässt sich auch die Gliederung der Arbeit ableiten. (1) Zunächst soll der Anwendungsteil möglichst detailliert rekonstruiert werden. Dabei wird die Überlieferungssituation der Werke von Aristoteles beschrieben. Außerdem wird dargestellt, wie Peirce herausfand, dass ein früher Kopist die ‚Prior Analytica‘ entstellte. (2) In einem weiteren Schritt wird untersucht, ob sich Peirce bei der Darstellung seines Anwendungsteils auf unwissenschaftliche Methoden, die er zum einen innerhalb (Festsetzung von „preconceived notions“ durch die pro- und contra-Methode) und zum anderen außerhalb (A-Priori-Methode, Methode der Beharrlichkeit) seines Textes ‚The Logic of Drawing History from Ancient Documents‘ formulierte, bezieht. Für die Behauptung, dass Peirce unwissenschaftlich arbeitet, werden Argumente, die aus seinem eigenen Werke stammen, angeführt. (3) Im dritten Kapitel wird analysiert, ob sich Peirce im Anwendungsteil auf seine wissenschaftliche Methode stützt. Dabei wird gezeigt, dass eine strikte Abfolge der einzelnen Erkenntnisschritte (Abduktion, Deduktion und Induktion) nicht notwendig ist, sondern dass es bei der Anwendung der Methode mehr auf die Funktion von Abduktion, Deduktion und Induktion ankommt. Im letzten Teil wird untersucht, ob nach der Darstellung von wissenschaftlicher Methode (Abduktion, Deduktion, Induktion) die vorgebrachte Behauptung, dass Peirce sich unwissenschaftlicher Methoden bedient immer noch haltbar ist.

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Das Verhältnis von Theorie und Praxis des methodischen „Dreischrittes“ (PDF)


Fußnoten

[1] Die Idee, das Verhältnis von Theorie und Praxis in Peirce ‚The Logic of Drawing History from Ancient Documents‘ zu untersuchen, ist aus verschiedenen Quellen gespeist. Die Quelle meiner Motivation ist unter anderen der Umstand, dass Peirce sich in seiner Philosophie mit der „Verbindung von Denken und Handeln, von Theorie und Praxis beschäftigt“ (Oehler 24) und es deshalb interessant ist, zu prüfen, ob Peirces Praxis im Anwendungsteil seiner Theorie entspricht. Auch wäre es interessant, zu erfahren, ob sich Peirces strikter Anti-Cartesianismus auch in der genannten Schrift bemerkbar macht. Nach Peirces Auffassung habe der Cartesianismus Theorie und Praxis unnötig gespalten.

[2] Hierbei bezieht sich der Autor dieser Arbeit auf die englische Fassung des Textes, wie er in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den Collected Papers (CP) editiert wurde. Die Verfasser der CP weisen explizit daraufhin, dass sie die „chronology of Plato`s dialogues and (…) the life of Pythagoras“ ausgelassen haben (vgl. CP. S. 164, Fn. 23). Dementsprechend beziehe ich mich nur auf das im CP-Text abgedruckte Beispiel. Andere Beispiele werden bei Liatsi diskutiert (Liatsi 9, Fn 1).

[3] Liatsi beschäftigt sich in ihrer Arbeit auch damit, inwieweit sich Peirces theoretisch formulierte Methode auf historische Fakten anwenden lässt (Liatsi 9).

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