Demo gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm


Charlie Rutz

by Charlie Rutz | Datum: 29.12.2008
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Die überwiegend friedlich verlaufende Internationale Großdemonstration vom 2. Juni 2007 in Rostock gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm vereinte Menschen unterschiedlichster Kulturen und Interessensgruppen in ihrer Kritik am G8-Gipfel und dem Anliegen, auf weltweite Missstände wie Armut, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Ich war beeindruckt von dem bunten Treiben und großen Einfallsreichtum der vielen Globalisierungskritiker bei der Präsentation ihrer Protestnoten. Hier ein von mir gedrehtes Video:

Für unschöne Szenen sorgten im Laufe des Abends die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Autonomen und der Polizei. Meine Motivation zur Teilnahme an der Demo lag vor allem darin begründet, gegen die aus meiner Sicht ungerechten Welthandelsregeln zu protestieren. So wird z.B. seitens der G8 bzw.  reichsten Länder der Welt  von Entwicklungsländern gefordert, ihre Märkte zu öffnen und zu liberalisieren und Zölle weitestgehend abzuschaffen (Weltbank und IWF schreiben dies zur Kreditvergabe vor!). Andererseits überfluten die reichsten Länder die Märkte der Entwicklungsländer mit teilweise hoch subventionierten Produkten und schotten ihre eigenen Märkte gegen bestimmte Produkte ab. Man fordert von den anderen etwas, was man selbst nicht oder nur ansatzweise (wenn es zum eigenen Nutzen ist) tut. Gerade beim Agrardumping ist dies schmerzlich für die Entwicklungsländer. So wird verhindert, dass sich in diesen Ländern robuste Märkte entwickeln und bestehende Märkte werden häufig zerstört.

Konkrete Beispiele:

  • Da auf den Märkten von Burkina Faso in Massen subventioniertes Milchpulver aus der EU verkauft wird, sinkt der Bedarf an Frischmilch aus dem eigenen Land, da diese viel teurer als das billige Milchpulver ist.
  • 2003 subventionierte die USA ihre $1,8 Milliarden teure Reisernte mit $1,3 Milliarden, wodurch sie 4,7 Millionen Tonnen Reis zu 34 Prozent unter den Produktionskosten auf den Weltmarkt werfen  konnte und dadurch armen Ländern wie Haiti, Ghana und Honduras  massiv schadete (Quelle: Oxfam).
  • In Ghana ist der einheimische Tomatenmarkt zusammengebrochen, nachdem hoch subventioniertes Tomatenmark und Dosentomaten aus der EU ihren Einzug hielten. Die dortigen Tomatenbauern verloren einen wichtigen Absatzmarkt.

Diese Aufzählung von Beispielen, wie unfair die Politik der reichsten Länder (gemäß der Devise: Es gilt das Recht des Stärkeren!), respektive der G8, gegenüber den Entwicklungsländern häufig ist, könnte noch weiter fortgesetzt werden. Insofern ist es wichtig (für die Bevölkerung der Entwicklungsländer teilweise überlebenswichtig), gegen diese Missstände vorzugehen: beispielsweise durch die Unterstützung von NGOs wie Oxfam, die Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung der reichsten Länder über das Handeln ihrer Volksvertreter leisten und mit Kampagnenarbeit Druck auf diese im Sinne einer Kurskorrektur ausüben sowie auch vor Ort, in den betroffenen Ländern, Entwicklungshilfe leisten. Auch das eigene Kaufverhalten ist bedeutend:  Also z.B. öfters mal fair gehandelte Produkte kaufen gehen! Auch hier gilt: Es ist die Summe vieler verschiedener (zielorientierter) Aktivitäten, die etwas zu bewirken imstande ist. Eine Bündelung dieser Aktivitäten, wie die Zusammenarbeit verschiedener NGOs bei bestimmten Kampagnen (wie z. B. Gemeinsam für Afrika), ist wünschenswert.

Impressionen von der Demo:

(Fotos by Charlie Rutz | Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0)

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