Internet-Enquete: Unendliche Geschichte?

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Die Inter­net-Enquete hat an die­sem Mon­tag ein­mal mehr ihren end­gül­ti­gen Zwi­schen­be­richt ver­scho­ben – auf den Herbst. Zwar konn­ten sich die Enquete-Mit­glie­der auf eine gemein­sa­me Hal­tung zu Hand­lungs­emp­feh­lun­gen beim Urhe­ber­recht ver­stän­di­gen. Jedoch gibt es wei­ter­hin kei­ne Eini­gung bei den The­men Netz­neu­tra­li­tät und Daten­schutz.  Dazu ein kur­zer Sta­tus­be­richt von mir plus aktu­el­le Pres­se­schau rund um die Inter­net-Enquete.

Auf Antrag und mit Mehr­heit der dem Lager der Regie­rungs­ko­ali­ti­on von CDU/CSU und FDP zuge­hö­ri­gen Enquete-Mit­glie­der wur­den die wei­te­ren Bera­tun­gen der Inter­net-Enquete auf Sep­tem­ber ver­tagt. Der Sach­ver­stän­di­ge Mar­kus Becke­dahl von netzpolitik.org sprach wort­wört­lich von einer „Schmie­ren­ko­mö­die“. Dazu Enquete-Mit­glied Lars Kling­beil (SPD) mir gegen­über: „Es ist ent­täu­schend, wie hier von der Regie­rungs­sei­te mit Mehr­hei­ten Abstim­mun­gen zu Daten­schutz und zur gesetz­li­chen Ver­an­ke­rung der Netz­neu­tra­li­tät ver­hin­dert wer­den. Die SPD war bereit, die Debat­te zu füh­ren. Unse­re Posi­tio­nen etwa zu einer gesetz­li­chen Ver­an­ke­rung der Netz­neu­tra­li­tät oder zu einem bes­se­ren Arbeit­neh­mer­da­ten­schutz sind klar. Die Koali­ti­on stellt durch Tak­tie­re­rei den Erfolg der Enquete in Fra­ge.“ Auch in Medi­en und Öffent­lich­keit hagel­te es Kri­tik: Von einer tie­fen Spal­tung und par­tei­tak­ti­schen Que­re­len spricht sueddeutsche.de, vom Streit zwi­schen Netz­po­li­ti­kern und Exper­ten das Online-Maga­zin Der Wes­ten.

Den­noch: Dass sol­che offe­nen Abstim­mun­gen und die Beru­fung von Sach­ver­stän­di­gen als voll­wer­ti­ge Mit­glie­der dazu bei­tra­gen sol­len, dass sich Kom­mis­sio­nen wie die Inter­net-Enquete kei­nen Regie­rungs-, Koali­ti­ons- bzw. Par­tei-Mecha­nis­men zu unter­wer­fen haben, schien sich in Tei­len zu bewahr­hei­ten. So fan­den eini­ge Anträ­ge der Oppo­si­ti­ons-Frak­tio­nen heu­te auch dank eini­ger von CDU/CSU und FDP ent­sand­ter Sach­ver­stän­di­ger wie dem Netz­ak­ti­vis­ten pade­luun eine Mehr­heit. „Beim Urhe­ber­recht sind an eini­gen Stel­len gute Ent­schei­dun­gen getrof­fen wor­den. Zum Bei­spiel wur­de der Begriff der Umsonst- bzw. Kos­ten­lo­s­kul­tur aus dem Papier genom­men. Aber auch Crea­ti­ve Com­mons wur­den noch mal aus­drück­lich als wün­schens­wert und als Ziel fest­ge­schrie­ben. Und wir haben auch hin­sicht­lich der Über­le­gun­gen einer Pau­schal­ver­gü­tung (Stich­wort: Kul­tur­flat­rate) Fort­schrit­te erzielt“, so Enquete-Mit­glied Kon­stan­tin von Notz (Grü­ne) im Gespräch mit mir.

Eine gute Über­sicht aller Eini­gun­gen zum The­ma Urhe­ber­recht fin­den sich bei Spie­gel Online. Auf­hor­chen im posi­ti­ven Sin­ne lässt auch die beschlos­se­ne Hand­lungs­emp­feh­lung der Inter­net-Enquete, sich gegen eine „Three-Strikes“-Gesetzgebung aus­zu­spre­chen, wie sie in Frank­reich bereits umge­setzt ist. Dort kann jemand, der drei­mal die Urhe­ber­rech­te von Drit­ten im Netz ver­letzt, zumin­dest tem­po­rär sei­nen Inter­net-Zugang ver­lie­ren. Das Enquete-Mit­glied Manu­el Höfer­lin (FDP) sieht die Pro­ble­me bei der Arbeit in der Inter­net-Enquete weni­ger in par­tei­po­li­ti­schem Tak­tie­ren und bei inhalt­li­chen Fra­gen, son­dern viel­mehr im for­ma­len Bereich. „Wir haben alle nicht erwar­tet, dass es so kom­pli­ziert wird. Die Art und Wei­se, wie wir hier zusam­men­ar­bei­ten, muss noch gelernt wer­den“, sagt Höfer­lin.

Dazu gehö­re auch, bestimm­te Son­der­vo­ten und Abstim­mungs­punk­te nicht als „pure Par­tei­po­si­ti­on“ ein­zu­brin­gen, wie die SPD dies kurz­fris­tig für das The­ma Urhe­ber­recht getan habe. In einer Enquete-Kom­mis­si­on gehe es dar­um, Par­tei­li­ni­en auf­zu­bre­chen und mit­hil­fe der Sach­ver­stän­di­gen kon­struk­tiv zusam­men­zu­ar­bei­ten. Daher habe er auch für eine Ver­schie­bung der wei­te­ren Abstimm­pro­ze­dur votiert: „Man muss grund­sätz­lich klä­ren: Was will die­se Enquete sein? Im bes­ten Fal­le ein Gre­mi­um, in dem – mei­net­we­gen auch schwie­rig durch­ge­run­gen – ein Kon­sens gefun­den wur­de“, meint Höfer­lin. Ins­ge­samt sei­en die Ergeb­nis­se nicht zufrie­den­stel­lend, aber „unse­re Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zei­gen, dass sich der Deut­sche Bun­des­tag inten­siv und ernst­haft mit dem kom­ple­xen The­ma Netz­po­li­tik aus­ein­an­der­setzt.“

Mit Ruhm hat sich die Inter­net-Enquete bis dato gewiss nicht bekle­ckert — gera­de in punk­to öffent­li­cher Prä­sen­ta­ti­on und Kon­sens­fin­dung. Den­noch gibt es klei­ne­re Fort­schrit­te wie beim The­ma Copy­right und Medi­en­kom­pe­tenz, die auf mehr hof­fen las­sen. Dazu müs­sen sich alle Betei­lig­ten jedoch dis­zi­pli­nier­ter ver­hal­ten und die Abstim­mungs- und Arbeits­pro­zes­se sicht­bar opti­miert wer­den. Am 11. Juli füh­re ich ein Gespräch mit dem Enquete-Mit­glied Kon­stan­tin von Notz (Grü­ne) zum The­ma.

Ein paar aus­ge­wähl­te Arti­kel zum The­ma:

Enquete-Mit­glie­der

Pres­se

Die­ser Bei­trag wur­de von mir auf politik-digital.de am 4.7.2011 unter einer Crea­ti­ve Com­mons — Lizenz erst­ver­öf­fent­licht.