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Planet der Habenichtse

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Originaltitel:The Dispossessed. An Ambiguous Utopia
Erscheinungsjahr:1974
AutorinUrsula K. Le Guin
ISBN:0-060-125632 (= englische Originalausgabe)

Während auf dem Planeten Urras mehrere miteinander konkurrierende Staaten existieren, die in eine kapitalistische Weltordnung eingebettet sind, besteht auf dem ihn umkreisenden Mond namens Anarres eine anarchistische Gesellschaftsform. Denn im Zuge einer anarchistischen Revolte auf Urras gewährte man den Aufständischen vor 170 Jahren, den wenig fruchtbaren Mond Anarres zu besiedeln.

Mit großem Einfallsreichtum, gepaart mit viel Liebe zum Detail, entwickelt die Autorin eine tiefgründige Geschichte und einen Gegenentwurf zu einer kapitalistisch ausgeprägten Gesellschaftsordnung, die nicht von ungefähr der unsrigen sehr ähnlich ist – wenn teilweise auch überspitzt dargestellt. Die Sympathien der Autorin mit den Verhältnissen auf Anarres sind deutlich erkennbar, auch wenn Le Guin dennoch nicht völlig einseitig Partei ergreift, welche Gesellschaftsform nun die bessere ist, sondern beide auf ihre Stärken und Schwächen zu überprüfen versucht. In einer Buchrezension von Johannes Kaufmann wurde aber nicht zu Unrecht darauf verwiesen, dass „Autorin und Protagonist […] nicht selten in idealistische Schwärmerei abzudriften [drohen]“.[1] Wobei ich als ebenso idealistisch eingestellter Mensch durchaus Verständnis dafür habe.

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Bakunin-Anarchismus vs. Marx-Kommunismus

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Hauptteil
__2.1 Zur Person Karl Marx
__2.2 Zur Person Michael Bakunin
__2.3 Der Konflikt zwischen Marx und Bakunin
__2.4 Vergleich zweier gegensätzlicher Sozialismuskonzeptionen
_……._2.4.1 Bakunin-Anarchismus
…….__2.4.2 Marx-Kommunismus
…….__2.4.3 Bakunin-Anarchismus versus Marx-Kommunismus
3. Schlussbemerkung
4. Quellen- und Literaturverzeichnis

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1. Einleitung

In diesem Beitrag sollen die wesentlichen kommunistischen Vorstellungen von Karl Marx und die anarchistischen Ideen Michael Bakunins verglichen werden. Die Motivation für das Verfassen dieser Arbeit ist in meinem Interesse für alternative Gesellschaftsmodelle zu suchen, die ohne den klassischen Staat auskommen und antiautoritärer organisiert sind. Der Konflikt zwischen Marx und Bakunin, die zwei absolut gegensätzliche Sozialismuskonzeptionen vertraten, wurde erstmals in der Internationalen Arbeiterassoziation bzw. der Ersten Internationale (1864 – 1877) ausgetragen. Diese Auseinandersetzung ist erst kürzlich wieder in der Forschung von Wolfgang Eckhardt thematisiert worden, der in den Bänden 5 und 6 der Reihe Michael Bakunin – Ausgewählte Schriften neben einer umfangreichen Einleitung Quellen und Dokumente zur Kontroverse zwischen Marx und Bakunin bis zum Jahr 1870 veröffentlichte.

Als wesentliche Forschungsliteratur, auf der diese Arbeit fußen wird, dient allerdings, da sie näher am Puls der damaligen Zeit und der ausgetragenen Kontroverse liegt, die Schrift Marx und Bakunin von dem Zürcher Arbeiterarzt Fritz Brupbacher (1874-1944), das im Jahre 1913 im sozialdemokratischen Birk-Verlag in München erschien und sowohl von Sozialdemokraten als auch Anarchisten mit großer Aufmerksamkeit als auch heftiger Kritik bedacht wurde. Die verwendete Ausgabe ist ein textlich unveränderter Nachdruck von Marx und Bakunin, die der Katrin Kramer Verlag im Jahre 1976 mit einem Vorwort von Kurt Lang neu herausgab. Das Werk von Fritz Brupbacher, der zwischen der vorletzten Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg zu den schillerndsten Figuren der schweizerischen Arbeiterbewegung gehörte, stellte einen wichtigen Beitrag zur Neubelebung und zum Überdenken der bis dahin festgefahrenen Diskussion über den Konflikt zwischen Marx und Bakunin dar. Brupbacher unternahm darin den Versuch, die Beiden „individualpsychologisch zu durchdringen“[1].

Obwohl man annehmen könnte, dass Brupbacher aufgrund seiner anarchischen Grundhaltung und Sympathien für Bakunin parteiisch zu Ungunsten von Marx argumentieren würde, so ist sein aufrichtiges Bemühen erkennbar, auch letzterem gerecht zu werden. Im Folgenden werden zunächst die zwei Protagonisten kurz vorgestellt, deren persönlicher Konflikt umrissen sowie ihre äußerst gegensätzlichen Sozialismuskonzeptionen verglichen und hinterfragt.

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