#EconomyForFuture

(Foto by Josef Zeisel | Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Immer mehr Menschen ist klar: Ein umfassender Wandel ist unumgänglich. Dabei sind es vor allem die Prinzipien und Kräfte unserer herrschenden Wirtschaft, die die Krise herbeigeführt haben und die auch den Wandel aufhalten oder gar blockieren. Es gibt viele Initiativen, die darauf aufmerksam machen und sich für ein anderes Wirtschaften einsetzen. Die „Economy For Future“-Initiative will deren Aktivitäten bündeln.

Seit 2019 bin ich auch beim Projekt „Europäische Kreditinitiative“ aktiv (siehe Artikel dazu von mir). Zusammengefasst geht es darum, den Weg für ein ganzheitliches, ökologisches und soziales Wirtschaften zu eröffnen und Unternehmen von einer gewinnorientierten Finanzierung unabhängig zu machen. Nachhaltige und zukunftsorientierte Unternehmen und Banken in ihren kooperativen Zusammenschlüssen sollen aus dem System der Europäischen Zentralbanken eine freie, profitunabhängige Finanzierung durch zinsfreie Kredite erhalten. Bedingung dafür ist, dass sie dauerhaft ihre Gewinne dem Gemeinwohl widmen und die Einkommen ihrer Mitarbeiter*innen dem öffentlichen Recht unterstellen.

Da uns bewusst ist, dass es noch viele weitere Initiativen mit zum Teil unterschiedlichen Ansätzen und Lösungsvorschlägen gibt, die sich für eine zukunftsfähige Wirtschaft einsetzen, die gut ist für Mensch, Tier und Natur, haben wir parallel dazu die #EconomyForFuture-Initiative gestartet. Kernziel ist es, sich gegenseitig besser wahrzunehmen und zu vernetzen, um die gemeinsamen Kräfte zu bündeln. Daher hatten wir für den 31. Januar 2020 zu einem ersten #EconomyForFuture-Treffen nach Wien geladen, um uns mit Gleichgesinnten über verschiedene Fragen auszutauschen: Was sind die Ideen einer verantwortungsvollen Wirtschaftswissenschaft? Was können nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zum Wandel beitragen? Welche politischen Initiativen gibt es, die neue Zukunfts-Ansätze für die Wirtschaft ins Auge fassen?

Hier ein paar Fotos von der Veranstaltung:
(Fotos by Josef Zeisel | Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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Zu unserer Freude war das Interesse an der Veranstaltung groß! Es wurde angeregt, einen Appell zu formulieren und einen gemeinsamen Hashtag (#EconomyForFuture) in den Social Media zu nutzen. Es soll kein Bündnis im klassischen Sinne gebildet werden, sondern ein assoziatives Zusammenwirken entstehen.

Dafür wurden bereits digitale Kanäle eingerichtet:

Webseite: https://www.economyforfuture.net
Facebook: https://www.facebook.com/EconomyForFuture
Instagram: https://www.instagram.com/letseconomy
Twitter:  https://twitter.com/LetsEconomy

In unserem herrschenden System gelten Wachstum und Wettbewerb als der Motor der Wirtschaft, als ihr vorrangiges Ziel gilt die Profitmaximierung. Diese Prinzipien haben uns in eine existentielle Sackgasse geführt, mit sozialen Ungleichgewichten innerhalb unserer Gesellschaften und zwischen den Regionen der Welt und mit einer drohenden Klimakatastrophe, begleitet von Artensterben, Bodenerosion und Wasserknappheit in vielen Regionen der Erde. Alles Folgen eines ökonomischen Handelns, das wir jetzt überwinden müssen, wenn wir unsere Lebensgrundlagen retten und die sozialen Verwerfungen im Kleinen und im Großen überwinden wollen.

Das Gute ist: Die Krisensituation hat etwas in Bewegung gebracht. Das Alte kann angesichts der Notwendigkeit, jetzt handeln zu müssen, nicht mehr gelten. Das ist die große Chance! Jetzt liegt es in der Verantwortung aller, einen Beitrag zu leisten. Die Verantwortung liegt in meinem Konsumverhalten und darin, meine Fähigkeiten nur noch da einzubringen, wo es nachhaltig ist. Und sie liegt bei den Unternehmen, nicht mehr aus Einzelinteressen zu handeln, sondern Entscheidungen mit Blick auf das Ganze zu treffen. Aber damit ein solches Handeln überhaupt in hinreichender Weise realistisch wird, ist es auch unser aller gemeinsame Verantwortung, (direkt-)demokratisch die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen!




Economy for Future – Soziale und ökologische Wirtschaftswende jetzt!

(Foto by Kurt Wilhelmi | Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Im aktuellen Magazin von Mehr Demokratie e.V. stelle ich eine Initiative vor, die zum Ziel hat, dass wir das Wirtschaften neu denken. Denn Tag für Tag sehen wir, wohin uns ein Wirtschaften führt, das bloß auf Profitmaximierung und Wachstum zielt. Soziale Ungleichheit, Abholzung der Regenwälder, Verschmutzung der Meere, Massentierhaltung und Artensterben sind die Folge. Die Politik handelt nur schleppend und entwickelt kaum Ideen, um nachhaltige Änderungen zeitnah zu erzielen. Die notwendige Transformation der heutigen, auf Profit und Ausbeutung ausgerichteten Wirtschaft hin zu einer ökologischen und solidarischen Wirtschaft können wir nur gemeinsam vollbringen – mit allen und für alle.

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Planet der Habenichtse

Originaltitel:The Dispossessed. An Ambiguous Utopia
Erscheinungsjahr:1974
AutorinUrsula K. Le Guin
ISBN:0-060-125632 (= englische Originalausgabe)

Während auf dem Planeten Urras mehrere miteinander konkurrierende Staaten existieren, die in eine kapitalistische Weltordnung eingebettet sind, besteht auf dem ihn umkreisenden Mond namens Anarres eine anarchistische Gesellschaftsform. Denn im Zuge einer anarchistischen Revolte auf Urras gewährte man den Aufständischen vor 170 Jahren, den wenig fruchtbaren Mond Anarres zu besiedeln. Mit großem Einfallsreichtum, gepaart mit viel Liebe zum Detail, entwickelt die Autorin eine tiefgründige Geschichte und einen Gegenentwurf zu einer kapitalistisch ausgeprägten Gesellschaftsordnung, die nicht von ungefähr der unsrigen sehr ähnlich ist – wenn teilweise auch überspitzt dargestellt.

Die Sympathien der Autorin mit den Verhältnissen auf Anarres sind deutlich erkennbar, auch wenn Le Guin dennoch nicht völlig einseitig Partei ergreift, welche Gesellschaftsform nun die bessere ist, sondern beide auf ihre Stärken und Schwächen zu überprüfen versucht. In einer Buchrezension von Johannes Kaufmann wurde aber nicht zu Unrecht darauf verwiesen, dass „Autorin und Protagonist […] nicht selten in idealistische Schwärmerei abzudriften [drohen]“.[1] Wobei ich als ebenso idealistisch eingestellter Mensch durchaus Verständnis dafür habe. Bei dem Roman wird in zweierlei Hinsicht deutlich, dass es sich dabei nicht um eine klassische Utopie handelt: Einerseits wird die anarchistische Gesellschaft auf Anarres nicht als ein starres und perfektes Gebilde präsentiert, sondern als eine in der Entwicklung befindliche Gesellschaftsform, die stetig der Veränderung unterworfen ist – ob nun zum Guten oder Schlechten. Wie ein roter Faden zieht sich der Grundgedanke durch das Buch, dass es keinen gesellschaftlichen oder politischen Ideal- bzw. Endzustand geben kann: denn alles in der Welt ist im Wandel und in Bewegung befindlich. Andererseits erlaubt es uns die Autorin, die kapitalistische Gesellschaft auf Urras durch die vermeintlich unvoreingenommenen Augen eines Fremden zu betrachten: und zwar aus der Perspektive des von Anarres stammenden Physikers Shevek, der zugleich den Hauptcharakter des Romans darstellt.

Diese Vorgehensweise ermöglicht es dem Leser, zu erkennen, wie absurd viele in unserer kapitalistischen Gesellschaft herangereiften Gewohnheiten und Verhaltensweisen doch anmuten können. Mich hat der Roman von Anfang an gefesselt, wobei dies sicherlich auch auf mein Interesse an alternativen Gesellschaftsmodellen zurückzuführen ist.


[1] Johannes Kaufmann: Planet der Habenichtse. Eine ambivalente Utopie, Internet:
http://www.aurora-magazin.at/medien_kultur/sf_kaufmann_frm.htm (25.11.2010).