Über Senecas ‘De brevitate vitae’

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Einleitung

Wer beim Lesen von Sene­cas Tex­ten an einen von den unzäh­li­gen momen­tan exis­tie­ren­den Post­kar­ten­lä­den denkt, in denen man Weis­hei­ten zum Ver­schi­cken kau­fen kann, macht sich zunächst ein­mal kei­ne genaue Vor­stel­lung über die Bedeu­tung die­ser Asso­zia­ti­on. Eigent­lich trifft sie aber genau den Kern und ver­weist auf die enor­me Aktua­li­tät einer Pro­ble­ma­tik, mit der Sene­ca sich bereits vor zwei­tau­send Jah­ren beschäf­tig­te. Wir haben kei­ne Zeit. Die Welt ist ruhe­los und wir sind es auch. Ähn­li­ches dach­ten sich wohl auch ein paar Kla­gen­fur­ter Phi­lo­so­phen, als sie bereits vor 20 Jah­ren den „Ver­ein zur Ver­zö­ge­rung der Zeit“ grün­de­ten und es sich zum Ziel setz­ten, „an das ange­mes­se­ne Zeit­maß“ zu erin­nern und eine die Eigen­zeit­lich­keit leben­der Sys­te­me berück­sich­ti­gen­de Ent­wick­lungs­zeit ein­zu­for­dern.

Nimmt man Bücher zu die­sem The­ma in die Hand, stellt man fest, dass sich seit jeher Phi­lo­so­phen und Autoren die­sem ange­nom­men haben. Das Pro­blem der schwin­den­den Zeit scheint also weder alt, noch neu oder beson­ders aktu­ell zu sein. So viel also gleich vor­weg. Trotz­dem gibt es eine bestimm­te aktu­el­le Sicht­wei­se, weil die Fra­ge­stel­lung immer in den aktu­el­len Kon­text ein­ge­bet­tet ist. Im Hin­blick auf gegen­wär­tig ver­wen­de­te Begrif­fe wie „Zeit­ver­treib“, „Zeit­be­wusst­sein“ und „Zeit­ma­nage­ment“ leuch­tet uns die Aktua­li­tät Sene­cas ein. Da die­ser die Phi­lo­so­phie als See­len­heil­kun­de ver­stand, ist es auch nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass die The­men, die von ihm und den Stoi­kern ana­ly­siert wur­den, heu­te in Tex­ten von Autoren der Lebens­phi­lo­so­phie oder im Bereich der phi­lo­so­phi­schen Pra­xis1 vor­kom­men. Ich wer­de im Fol­gen­den ver­su­chen, eini­ge inter­es­san­te Aspek­te neu­zeit­li­chen Den­kens im Zusam­men­hang mit die­sem The­ma zu betrach­ten und die Schrift Sene­cas hier­in zu ver­or­ten. Dem bereits in de bre­vi­ta­te vitae ange­leg­ten Anlie­gen Sene­cas, sich zur Muße hin­zu­wen­den, möch­te ich in mei­nen Aus­füh­run­gen nicht expli­zit nach­ge­hen, son­dern sie nur in den not­wen­di­gen Zusam­men­hang stel­len.

Nach einer Aus­ein­an­der­set­zung mit de bre­vi­ta­te vitae folgt eine Ana­ly­se aktu­el­ler Tex­te und Pro­blem­stel­lun­gen, die von ein paar eige­nen Bemer­kun­gen ergänzt wer­den. Bezü­ge zu Sene­ca und sei­nem Text sind an den jewei­li­gen Stel­len ein­ge­fügt.

1. Analyse

1.1 De bre­vi­ta­te vitae

Pau­li­nus, der das Amt des prae­fec­ti anno­nae2  inne­hat­te, war für Sene­ca wohl ein Sinn­bild des occupa­ti. Der Adres­sat von De bre­via­te vitae gehört für den Autor der Schrift zu den Viel­be­schäf­tig­ten, die nie Zeit für sich haben. Sie sind rast­los, unbe­frie­digt und selbst­ent­frem­det und defi­nie­ren sich nur durch das, was sie tun. Die Viel­be­schäf­tig­ten, das sind auch die­je­ni­gen, die selbst dann, wenn sie mal nichts zu tun haben, kei­ne Ruhe fin­den. „Man kann nicht sagen, sie leb­ten in Muße, es ist eher ein müßi­ges Beschäftigtsein.“(12,2)3  So rich­tet sich Sene­cas Schrift also auch an jene, denen er ein bestimm­tes Fehl­ver­hal­ten vor­wirft, auch wenn Pau­li­nus als nament­lich genann­tes Gegen­über auf­tritt. Wenn Sene­ca Pau­li­nus letzt­lich rät, sich aus dem öffent­li­chen Leben zurück­zu­zie­hen und sich der Muße zuzu­wen­den, dann ist dies auch – durch die Ver­wen­dung der Wir-Form deut­lich gemacht – eine Auf­for­de­rung an alle Men­schen, ihre Lebens­zeit klug zu ver­wen­den. Hier ent­steht aller­dings zunächst ein­mal Klä­rungs­be­darf. Es scheint ein Wider­spruch in die­ser Auf­for­de­rung zu lie­gen, sich ins Pri­vat­le­ben zurück­zu­zie­hen, wenn man bedenkt, dass dem Stoi­ker Sene­ca, das Ziel, dem staat­li­chen Gemein­wohl zu nut­zen, eines der höchs­ten sein soll­te. Ein Abwei­chen Sene­cas vom stoi­schen Den­ken liegt jedoch nur ver­meint­lich vor. Zur Erläu­te­rung: Ein Leben in Über­ein­stim­mung mit der vom logos4 durch­drun­ge­nen Natur ist der zen­tra­le Punkt im Den­ken der Stoi­ker.

Um die gött­lich-kos­mi­sche Ver­nunft, die auch im Men­schen ange­legt ist, wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, muss man in sei­nem Han­deln nach dem Zustand der inne­ren Unab­hän­gig­keit, der apát­heia stre­ben. Die somit gewon­ne­ne inne­re (stoi­sche) Ruhe führt zum Glück, der eudai­monía. Mög­lich ist dies aller­dings nur in der Gegen­wart. Und hier sieht Sene­ca das Ver­sa­gen sei­ner Zeit­ge­nos­sen, die es durch eine bestimm­te Lebens­wei­se nicht schaf­fen kön­nen, zur inne­ren Ruhe und somit zum Glück zu gelan­gen. Dem gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt allein kommt im stoi­schen Den­ken und so auch in dem hier behan­del­ten Text eine enor­me Bedeu­tung zu. Zunächst ein­mal ent­wirft Sene­ca jedoch ein leben­di­ges Bild vom rech­ten und vom fal­schen Gebrauch der Zeit. Es scheint ein all­ge­mein aner­kann­tes und gedul­de­tes Ver­hal­ten unter den Bür­gern zu Zei­ten Sene­cas zu sein, aus­schließ­lich nach Ruhm und Ehre zu stre­ben. Gefähr­dun­gen erkennt der Phi­lo­soph in den Begier­den, im Ehr­geiz oder in der Ziel­lo­sig­keit. Außer­dem las­sen „wir“ ande­re über unse­re Zeit ver­fü­gen und beein­flus­sen unse­rer­seits die Lebens­zeit der ande­ren.

Den „einen hält uner­sätt­li­che Hab­gier gefan­gen, den ande­ren sei­ne geschäf­ti­ge Betrieb­sam­keit mit völ­lig über­flüs­si­ger Pla­cke­rei. Der wie­der ertrinkt in Wein, der ande­re däm­mert im Nichts­tun dahin, wie­der einen zer­mürbt sein Ehr­geiz, mit dem er sich stets von der Mei­nung der ande­ren abhän­gig macht.“(2,1)5 Eine der Ursa­chen für die­se Nach­läs­sig­keit im Umgang mit der eige­nen Lebens­zeit ist für Sene­ca das Igno­rie­ren der eige­nen Sterb­lich­keit in frü­he­ren Jah­ren des Lebens. Erst zum Ende, kurz vor dem nahe ste­hen­den Tod, mer­ken die Men­schen, dass die Zeit knapp wird und ihnen nicht mehr viel bleibt. „Ihr lebt, als leb­tet ihr ewig.“(3,4)6  Eine wei­te­re Ursa­che für den unacht­sa­men Gebrauch der Zeit ist zudem ihr abs­trak­tes, imma­te­ri­el­les Wesen, sodass man ihren wirk­li­chen Wert nur schwer ermes­sen kann. Man bedie­ne sich, so Sene­ca, der Zeit so gedan­ken­los, als sei sie umsonst. Um das Wesen der Zeit zu ver­deut­li­chen, greift Sene­ca zu einer ein­drucks­vol­len Meta­pher.

Er ver­gleicht die Zeit mit Geld. Genau das ist es näm­lich, was den Men­schen offen­sicht­lich wich­tig ist und wo er sie zu errei­chen ver­sucht. „Knau­se­rig sind sie, wenn es gilt, das ererb­te Ver­mö­gen zusam­men­zu­hal­ten, steht aber die Zeit auf dem Spiel, dann sind sie die größ­ten Ver­schwen­der bei dem, wor­in doch ein­zig und allein Geiz eine Tugend wäre.“(3,1) Bereits Ein­gangs bei der Beschrei­bung des vor­herr­schen­den Umgangs mit der Zeit tau­chen nor­ma­ler­wei­se im Zusam­men­hang mit Geld genann­te Begrif­fe auf. Es fal­len Wor­te wie „ver­geu­den“, „anle­gen“ und „ver­schwen­de­risch“. Auf die­se Wei­se ruft Sene­ca ange­sichts der Lebens­kür­ze zu einem spar­sa­men Gebrauch mit dem kost­ba­ren Gut auf. Doch nicht nur die Las­ter und die Ver­schwen­dung, son­dern auch das Fokus­sie­ren auf die Zukunft füh­ren zu Ver­lust von Lebens­zeit. Das Leben des Viel­be­schäf­tig­ten ist des­halb so kurz, weil er es auf lan­ge Sicht plant und damit zum Skla­ven sei­ner geschäft­li­chen Betä­ti­gung wird. Statt­des­sen soll­te er sei­ne Auf­merk­sam­keit von der Zukunft, aber auch von der Ver­gan­gen­heit weg auf das kon­zen­trie­ren, was er im Augen­blick tut oder zu tun gedenkt. „Jeder über­stürzt sein Leben und lei­det dabei, weil er das Zukünf­ti­ge her­bei­sehnt, am Gegen­wär­ti­gen aber Über­druss hat.“(7,8)7

Die Zukunft lenkt also vom kost­ba­ren Augen­blick ab. Die Ver­gan­gen­heit wie­der­um, die anders als im heu­ti­gen Ver­ständ­nis nicht eine Art kol­lek­ti­ves Gedächt­nis, son­dern die eige­ne Erin­ne­rung ist, ist zwar vor­han­den8, kann aber nicht mehr beein­flusst wer­den. Es ist dem­nach der Wei­se, der die gegen­wär­ti­ge Zeit zu begren­zen weiß. Hier wird eine Grund­ein­stel­lung der Stoi­ker sicht­bar, die Gegen­wart als allei­ni­ges Glück anzu­se­hen, da man in ihr alles besitzt.9 Was aber genau meint Sene­ca, wenn er von Gegen­wart spricht? Man kann den Begriff zunächst ein­mal als Gren­ze zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zukunft auf­fas­sen, wobei es dann eine gegen­wär­ti­ge Zeit streng genom­men gar nicht gäbe, da die Zeit, an wel­cher Stel­le auch immer sie geteilt wür­de, ent­we­der dem einen oder dem ande­ren zuge­rech­net wer­den könn­te. Eine Gegen­wart in die­sem Sin­ne wäre eine abs­trak­te, mathe­ma­ti­sche Tei­lung, die auf einen unend­lich klei­nen Augen­blick redu­ziert wür­de. Die Ver­dich­tung des Lebens in die Gegen­wart meint viel­mehr, sie in ihrem Ver­hält­nis zum mensch­li­chen Bewusst­sein zu defi­nie­ren. Die Gegen­wart ent­spricht so eher einer tem­po­rä­ren Aus­deh­nung, die der Zuwen­dung auf das erleb­te Bewusst­sein ent­spricht. „Nur ein­zel­ne Tage des Lebens sind jeweils gegen­wär­tig, und auch die­se nur in Augenblicken“(10,4)10

Die­se auf­merk­sam erleb­te, auf den Moment bezo­ge­ne Gegen­wart, genügt zum Errei­chen des Glücks, da sie näm­lich das Ein­zi­ge ist, das von uns abhängt. Die Ver­gan­gen­heit kann nicht mehr von uns abhän­gen, da sie bereits fest­ge­legt ist. Die Zukunft, da sie noch nicht ist, kann auch nicht von uns abhän­gen. Nur die Gegen­wart ist in gewis­sem Maße von uns abhän­gig, weil in ihr allein gewählt und gehan­delt wer­den kann. Dies klärt jedoch nicht, war­um ein­zig die Gegen­wart Raum des Glü­ckes sein kann. Jenes liegt viel­mehr in der Ansicht der Stoi­ker begrün­det, dass das Glück in jedem Augen­blick ganz und gar vor­han­den ist und auch nicht zuneh­men kann. Zudem besitzt man in der Jetzt­zeit die Gesamt­heit der Rea­li­tät. Und genau des­we­gen kann ein ein­zi­ger Auge­blick des Glücks auch eine Ewig­keit auf­wie­gen. Man kön­ne nie­mals glück­lich wer­den, wenn man es nicht sofort ist. Pierre Hadot fasst es in sei­nem Auf­satz „Die Gegen­wart allein ist unser Glück“ in Anspie­lung auf Sene­ca und Marc Aurel ziem­lich tref­fend zusam­men, wenn er schreibt: „Jetzt oder nie! Die Ange­le­gen­heit ist drin­gend, der Tod steht unmit­tel­bar bevor, man muss sich beei­len, und man hat zum Glück­lich­sein nichts ande­res nötig, als glück­lich sein zu wol­len. Ver­gan­gen­heit und Zukunft kön­nen dazu nichts bei­tra­gen.“11

Was Not tue, sei eine sofor­ti­ge Trans­for­ma­ti­on unse­rer Denk- und Hand­lungs­ge­wohn­hei­ten und der Art, Ereig­nis­sen gegen­über­zu­tre­ten. Sicher­lich hat er dabei Marc Aurels Übung der Begren­zung der gegen­wär­ti­gen Zeit und Sene­cas ent­spre­chen­de Aus­füh­run­gen im Sinn. Ein ent­schei­den­der, für die wei­te­re Ana­ly­se wich­ti­ger Punkt scheint mir an die­ser Stel­le jedoch der Hin­weis auf die Bewusst­wer­dung des eige­nen Todes zu sein. Denn für den Stoi­ker Sene­ca ver­leiht die Nähe des Todes dem gegen­wär­ti­gen Moment einen uner­mess­li­chen Wert. Wenn einem bewusst ist, dass der Tod jeder­zeit ein­tref­fen kann, nimmt man den erleb­ten Moment inten­si­ver wahr und dies erlaubt es einem, sich auf den der­zei­ti­gen Augen­blick zu kon­zen­trie­ren. „Wer den Tod fürch­tet, wird nie wie ein lebens­tüch­ti­ger Mensch han­deln. Wer aber weiß, dass dies sogleich bei einer Zeu­gung ver­ab­re­det wor­den ist, der wird nach dem Grund­satz leben und zugleich mit der näm­li­chen See­len­stär­ke auch dies fer­tig brin­gen, dass für ihn von dem, was ihm zustößt, nichts über­ra­schend sei.“12 Die­ses Bewusst­sein soll ein hohes Maß errei­chen, sodass man am Ende eines jeden Tages sagen kann, man habe sein Leben so gelebt, wie man es erwar­ten konn­te. Nur so gelangt man, meint Sene­ca, in den Besitz der See­len­ru­he. Die Anti­no­mie von Leben und Tod deckt Sene­ca somit als eine schein­ba­re auf.

In Wirk­lich­keit sind die bei­den Begrif­fe für ihn Syn­ony­me, denn die Kunst des Lebens ist zugleich die Kunst des Ster­bens. Das Auf­de­cken von vor­geb­li­chen Gegen­sät­zen nutzt Sene­ca im Übri­gen häu­fi­ger, um den Fokus auf bestimm­te Pro­ble­me zu len­ken. Ein wei­te­res Bei­spiel ist bereits im Titel zu fin­den. Der Blick des Lesers wird zunächst in die fal­sche Rich­tung gelenkt, auf einen Weg, den er leich­ter nach­voll­zie­hen kann und somit bereit zu gehen ist. „Von der Kür­ze des Lebens“ lässt zunächst ein­mal dar­auf schlie­ßen, dass der Autor sich mit die­ser vor­han­de­nen Kür­ze aus­ein­an­der­set­zen will. Ziem­lich schnell stellt Sene­ca aber klar, dass uns das Leben sei­ner Ansicht nach nur kurz erscheint. Es han­delt sich bei dem Wort „Kür­ze“ näm­lich eher um einen dyna­mi­schen Begriff, der sub­jek­tiv unter­schied­lich erfah­ren wer­den kann. „Wird etwas Ersehn­tes hin­aus­ge­scho­ben, erscheint die Zeit lang, wäh­rend sie bei unse­ren Lieb­lings­be­schäf­ti­gun­gen kurz und rasch vergeht.“(16,4)13 Das Aus­kos­ten des Augen­blick­li­chen mit Weis­heit, Tugen­den und See­len­ru­he führt zu einem glück­li­chen Leben und lässt die­ses län­ger erschei­nen. „Das Leben ist lang, wenn Du es zu nut­zen ver­stehst.“ (2,1)14  Pau­li­nus soll sich also, so Sene­cas Rat, in die Muße zurück­zie­hen, um sich bewusst mit sinn­vol­len Din­gen beschäf­ti­gen zu kön­nen. Denn das „und ob wir lan­ge genug gelebt haben, ist nicht von der Zahl der Jah­re oder Tage abhän­gig, son­dern allein von der inne­ren Hal­tung.“15

1.2 Aktu­el­le Über­le­gun­gen

In Lud­ger Heid­brinks Rezen­si­on von Harald Wein­richs Buch „Knap­pe Zeit“ heißt es, dass die­ses Buch ein Plä­doy­er dafür sei, sich der Kür­ze des Lebens bewusst zu wer­den, um sei­ne Knapp­heit bewäl­ti­gen zu kön­nen. Ein sol­ches Resü­mee lässt ver­mu­ten, dass die Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem behan­del­ten The­ma aber auch sei­ne Umset­zung seit Sene­ca kei­nen Schritt wei­ter­ge­kom­men sind. Oder es macht auf die Tat­sa­che auf­merk­sam, dass De bre­vi­ta­te vitae nach wie vor nichts von sei­ner Aktua­li­tät ein­ge­büßt hat. Ein Hin­weis dar­auf lie­fert auch die Tat­sa­che, dass Sene­ca in fast allen, in die­sem Zusam­men­hang ver­fass­ten, aktu­el­len Tex­ten zu Wort kommt. Wein­rich selbst wid­met ihm unter der Über­schrift „Phi­lo­so­phi­sches zur Kür­ze des Lebens“ einen eige­nen Abschnitt. Nun han­delt es sich bei Wein­richs Buch auch eher um eine Samm­lung his­to­risch dif­fe­ren­zier­ter Ant­wor­ten auf die Fra­ge, war­um die Zeit trotz län­ge­ren Lebens immer kür­zer zu wer­den scheint, als um eine phi­lo­so­phi­sche Abhand­lung und ver­dient die Bezeich­nung „aktu­ell“ des­halb wohl eher nur sekun­där. Der Roma­nist unter­sucht Tex­te von Autoren aus ver­schie­de­nen Epo­chen der Lite­ra­tur, aber auch von Ärz­ten, Theo­lo­gen, Öko­no­men und Phi­lo­so­phen. Zusätz­lich wid­met er sich auch akri­bisch bestimm­ten Wort­be­deu­tun­gen.

Der Ter­mi­nus „knapp“ wird bei­spiels­wei­se Gegen­stand sei­ner Ein­füh­rung und die Abhand­lung dar­über erstreckt sich über meh­re­re Sei­ten. Das Ende die­ser Aus­füh­rung führt zum Aus­gangs­punkt des gan­zen Buches, in dem er sagt: „So bleibt am Ende die Zeit immer ein knap­pes Gut.“16 Auf Basis von der, bereits von Hip­po­kra­tes for­mu­lier­ten, Tat­sa­che, dass das Leben kurz und die Kunst lang sei, begibt Wein­rich sich auf die kul­tur­ge­schicht­li­che Suche nach Aus­we­gen aus die­sem Dilem­ma. In der Annah­me die­ser Tat­sa­che als gege­ben liegt für mich ein ent­schei­den­der Unter­schied zu Sene­ca, der genau dies – die Kür­ze des Lebens – ver­neint, indem er auf das sub­jek­ti­ve Zeit­emp­fin­den auf­merk­sam macht. Wein­rich lässt jeden­falls zunächst ein­mal jene Autoren zu Wort kom­men, die sich als eine Form des Aus­we­ges dem Ver­such wid­me­ten, die Span­ne des Lebens zu ver­län­gern, wie zum Bei­spiel den Arzt Hufe­land, der sei­nen Pati­en­ten eine makro­bio­ti­sche Ernäh­rung emp­fahl. Auf der ande­ren Sei­te wer­den von Wein­rich ver­schie­de­ne Bewäl­ti­gungs­stra­te­gi­en vor­ge­stellt, die das Ende der Lebens­zeit als per­ma­nen­te Bedro­hung auf­tre­ten las­sen. Zu die­sen Wegen, mit der Kür­ze des Lebens umzu­ge­hen, zäh­len unter ande­rem der christ­li­che Glau­be ans Jen­seits, die Suche nach dem kai­ros, dem opti­ma­len Zeit­punkt des Han­delns, und das rhe­to­ri­sche Gesetz der sprach­li­chen Kür­ze.

Die Essenz des Buches fasst Heid­brink in sei­nem Auf­satz zu Wein­rich zusam­men. Der moder­ne Mensch habe sei­ne Exis­tenz ins Kor­sett der Frist gezwängt, um die Öff­nung der von Hans Blu­men­berg benann­ten „Sche­re zwi­schen Lebens­zeit und Welt­zeit“ mög­lichst schmal zu hal­ten. „Ter­min­fris­ten und Rechts­fris­ten sor­gen dafür, dass sich inner­halb des Mini­mums an ver­füg­ba­rer Zeit ein Maxi­mum an Ver­bind­lich­kei­ten rea­li­sie­ren lässt.“17 Die Fris­ten­lö­sung, die der Mensch sich erson­nen hat, um sein Leben in den Griff zu bekom­men, sei er selbst. An die­ser Stel­le soll auf einen Text von Mar­tin Kor­te, Neu­ro­bio­lo­ge der tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Braun­schweig, ver­wie­sen wer­den. In sei­nem Auf­satz „Was soll nur aus unse­ren Gehir­nen wer­den?“ beschreibt er die Reak­ti­on unse­res Gehir­nes auf dau­er­haf­tes „Mul­ti­tas­king“ und knüpft damit an den von Heid­brink ange­spro­che­nen Ver­such, die Zeit zu opti­mie­ren, an. Wir glau­ben näm­lich, wir sei­en fähig, per­ma­nent Din­ge gleich­zei­tig zu machen. Dabei droht hier­bei eine Ver­wahr­lo­sung des Stirn­lap­pens in unse­rem Gehirn.

Die Brü­cke zum „Zeit­pro­blem“ liegt hier in der Inef­fi­zi­ent der Zeit­nut­zung, wie im Fol­gen­den kurz skiz­ziert wer­den soll. Aus­gangs­punkt für Kor­tes Betrach­tung ist die Fra­ge nach dem kor­rek­ten Umgang mit digi­ta­len Medi­en. In die­sen wird zuneh­mend die Ursa­che für die Beschleu­ni­gung der Zeit gese­hen. Rebek­ka Rein­hard benennt in ihrem Auf­satz „Wie man das Zeit­mons­ter besiegt“18 bei­spiels­wei­se das mobi­le Tele­fo­nie­ren als eine der Haupt­ur­sa­chen die­ses Pro­blems. Das Han­dy hat, so die Autorin, die Zeit­knapp­heit und den Zeit­druck in Mode gebracht. Wer­den wir ange­ru­fen, wenn wir allein sind, haben wir kei­ne Zeit für uns. Klin­gelt es hin­ge­gen in Gesell­schaft, haben wir ent­we­der kei­ne Zeit für unse­ren Gegen­über oder für den Anru­fer. Den­noch sug­ge­rie­ren häu­fi­ge Anru­fe, dass wir begehrt und somit erfolg­reich sind. Des­halb lie­ßen wir uns durch ein ver­meint­li­ches Sta­tus­sym­bol in Zeit­not brin­gen. Kor­te sieht sich in sei­nen Aus­füh­run­gen indes zunächst ein­mal in einer neu­tra­len Posi­ti­on „außer­halb der übli­chen Dis­kus­si­on zwi­schen hys­te­ri­scher Tech­nik­pho­bie und den Über­zeu­gun­gen der digi­tal nati­ves.“19

Er beschreibt einen Ver­such, in dem letzt­lich nach­ge­wie­sen wur­de, dass die digi­ta­len Medi­en die Gehirn­tä­tig­keit grund­sätz­lich beein­flus­sen. Dabei sei aber viel­mehr inter­es­sant, wo die­se Ver­än­de­run­gen statt­fin­den, näm­lich in bestimm­ten Area­len der Hirn­rin­de. Und dort bestim­men sie die Art und Wei­se, Pro­ble­me zu lösen, Emo­tio­nen zu kon­trol­lie­ren oder zu erken­nen, aber auch unse­re Kon­zen­tra­ti­on und die Fähig­keit, Beloh­nun­gen auf­zu­schie­ben und lang­fris­ti­ge Zie­le zu ver­fol­gen. Auch wenn die Tech­nik es uns heut­zu­ta­ge erlau­be, meh­re­re Din­ge gleich­zei­tig zu erle­di­gen, ist das mensch­li­che Gehirn eigent­lich nicht dazu in der Lage. Teil des Arbeits­ge­dächt­nis­ses ist näm­lich die Fähig­keit zur selek­ti­ven Auf­merk­sam­keit, die es uns erlaubt, uns auf bestimm­te Auf­ga­ben zu kon­zen­trie­ren und ande­re Sin­ne­s­in­for­ma­tio­nen oder Gedan­ken zu blo­ckie­ren. Erle­di­gen wir nun zwei oder drei Auf­ga­ben gleich­zei­tig, nimmt die Leis­tungs­fä­hig­keit der pri­mä­ren Auf­ga­be ent­spre­chend der kogni­ti­ven Belas­tung der ande­ren Auf­ga­ben ab. Wenn man bei­spiels­wei­se beim Arbei­ten unent­wegt durch ein­tref­fen­de E-Mails abge­lenkt wird, oder auch nur dem Gedan­ken an eine erwar­te­te Nach­richt Raum gibt, arbei­tet man merk­lich inef­fek­ti­ver, als wür­de man sei­ne Tätig­kei­ten nach­ein­an­der ohne Stö­run­gen abar­bei­ten.

Die größ­te kogni­ti­ve Brem­se besteht für vie­le von uns heu­te dar­in, dass wir auch bei einer Tätig­keit, die wir gera­de aus­üben, stän­dig den Gedan­ken an ande­re – vor allem digi­tal insze­nier­te – Tätig­kei­ten ver­drän­gen müs­sen. Die­se Infor­ma­ti­ons­ab­wehr frist gro­ße Tei­le unse­res Arbeits­spei­chers.“20 Die Feh­ler­an­fäl­lig­keit des Den­kens und Han­delns nimmt also im Fall von Mul­ti­tas­king zu. Außer­dem wer­den die Kon­zen­tra­ti­ons­span­nen ver­kürzt und der Wunsch nach schnel­len Erfolgs­er­leb­nis­sen im Gehirn nimmt zu. Die­ses falsch ein­ge­stell­te Beloh­nungs­sys­tem unse­res Gehirns ist einer der Haupt­as­pek­te der Dau­er­be­schleu­ni­gung unse­rer Gesell­schaft. Zum einen birgt die Infor­ma­ti­ons­flut, der wir uns per­ma­nent aus­set­zen, ein gewis­ses Sucht­po­ten­ti­al, zum ande­ren ent­lee­ren sich die Boten­stof­fe im Gehirn, wenn man sein Belo­hungs­sys­tem stän­dig maxi­mal akti­viert. Dies führt zum Ver­lust der psy­chi­schen Sta­bi­li­tät und kann zu Depres­si­on und Schlapp­heit füh­ren. Wir wer­den also lang­sa­mer in unse­rem Tun, obwohl wir eigent­lich immer schnel­ler han­deln.

Dem Ein­wand, dass die Medi­en trotz­dem vie­les beschleu­ni­gen, da man nicht mehr so viel wis­sen müs­se und jeder­zeit im Inter­net nach­schla­gen kön­ne, hält Kor­te ent­ge­gen, dass die Ver­schal­tungs­ei­gen­schaf­ten von Ner­ven­zel­len im Gehirn dies nicht unter­stüt­zen. In den asso­zia­ti­ven neu­ro­na­len Net­zen wür­den neue Infor­ma­tio­nen näm­lich immer nur in bestehen­de Netz­wer­ke ein­ge­baut. Nur wer also viel weiß, kann leicht Neu­es mit altem Wis­sen ver­knüp­fen. Wer hin­ge­gen wenig weiß, muss, wenn er Neu­es lernt, jedes mal gan­ze Netz­wer­ke zusam­men­schal­ten. Der Glau­be, neu­es Wis­sen auf Knopf­druck zu erwer­ben, sei folg­lich naiv, da man mit die­sem Wis­sen nicht kri­tisch umge­hen kön­ne. Was ver­meint­lich schnel­ler ist, kann dem­nach zur Lang­sam­keit und somit zum Zeit­druck füh­ren. Ent­schei­dend ist also der fal­sche Umgang mit dem Fak­tor Zeit, da wir ver­su­chen, in einer bestimm­ten Zeit­ein­heit immer meh­re­ren Anfor­de­run­gen gerecht zu wer­den. Da die Tech­nik uns die­ses ermög­licht, wir bei­spiels­wei­se jeder­zeit bestimm­te Infor­ma­tio­nen abru­fen kön­nen, ent­steht Stress, da wir den Pro­zess nicht mehr ein­ho­len kön­nen.

Wir jagen also etwas hin­ter­her, dass wir selbst vor­an­trei­ben. Um das auf die von Heid­brink ange­spro­che­ne Fris­ten­lö­sung anzu­wen­den, müss­ten wir also ler­nen, die Din­ge bewusst und nach­ein­an­der zu bewäl­ti­gen. Hier greift auch eine von Wil­helm Schmid in sei­nem Buch „Lebens­kunst – Eine Grund­le­gung“ beschrie­be­ne Meta­pher, die ich an die­ser Stel­le kurz umrei­ßen möch­te. Schmid, der sich dem The­ma unter der Über­schrift „Grund­le­gen­de Tech­nik: Die Zeit gebrau­chen“ wid­met, ver­sinn­bild­licht das Ver­hält­nis von Mög­lich­kei­ten und Lebens­zeit mit einer Sand­uhr. Die Sand­uhr, das Leben, ist voll mit Sand­kör­nen, also Mög­lich­kei­ten, die es uns bie­tet. Der unte­re Teil der Sand­uhr stellt die Ver­gan­gen­heit dar, der Eng­pass in der Mit­te die Gegen­wart und der obe­re Teil die noch zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mög­lich­kei­ten, die Zukunft also. Und da „die Mög­lich­kei­ten, wie Sand­kör­ner, nicht neben­ein­an­der und nicht zugleich zum Zuge kom­men kön­nen, bleibt nur das Prin­zip des Nach­ein­an­der, der Suk­zes­si­on.“21 Um die­ses Prin­zip zu nut­zen, müs­se man die Mög­lich­kei­ten in eine Rei­hen­fol­ge brin­gen, um sie durch den Eng­pass der Gegen­wart zu schleu­sen. Und dann könn­ten sogar wider­sprüch­li­che Mög­lich­kei­ten durch ihre Nach­fol­ge in der Zeit rea­li­siert wer­den. Die Gegen­wart ist dar­um wie ein Nadel­öhr der Zeit.

Auch Schmid bemerkt, dass der Ver­such, zu viel Mög­lich­kei­ten auf ein­mal rea­li­sie­ren zu wol­len, Stress ver­ur­sacht und man statt­des­sen lie­ber unter den Mög­lich­kei­ten weni­ge aus­wäh­len und die, die in der unmit­tel­ba­ren Gegen­wart kei­nen Platz fin­den, auf die „Zeit­schie­ne“22 zur spä­te­ren Rea­li­sie­rung set­zen soll­te. Die Ein­tei­lung der Zeit in Abschnit­te mache das unfass­ba­re Wesen der Zeit fass­bar, denn die auf­ein­an­der fol­gen­den Zeit­ab­schnit­te erlau­ben es, sich auf das jeweils Nächst­lie­gen­de zu kon­zen­trie­ren und einen Pro­zess hin zum ferns­ten Ziel in Gang zu set­zen. Doch hier­mit meint Schmid nicht den stän­di­gen Blick auf die genaue Uhr­zeit als ulti­ma­ti­ve Form des Umgangs mit der Zeit, son­dern eine indi­vi­du­el­le Zeit­ein­tei­lung, die in der Lage sein soll­te, dem jewei­li­gen Zeit­ge­fühl des Selbst Rech­nung zu tra­gen. Er bezieht sich dabei auf die ursprüng­li­che Wort­be­deu­tung des Begriffs hora, die Stun­de, was im Grie­chi­schen und Latei­ni­schen nichts ande­res als eine Ein­tei­lung der Zeit in Abschnit­te bedeu­te­te und durch Tra­di­ti­on, Kon­ven­ti­on, natür­li­che Zyklen und indi­vi­du­el­les Gut­dün­ken defi­niert wur­de.23 Die indi­vi­du­ell vor­ge­nom­me­ne Ein­tei­lung der Zeit sieht sich jedoch in der Rea­li­tät der all­ge­mein ver­bind­li­chen Zeit­ein­tei­lung gegen­über. Dies hat für Schmid jedoch kei­ne onto­lo­gi­schen, son­dern rein orga­ni­sa­to­ri­sche Grün­de als eine Art Syn­chro­ni­sa­ti­on der diver­sen Zeit­wel­ten ein­zel­ner Indi­vi­du­en. „Dies ist im beson­de­ren Maße dann erfor­der­lich, wo das Orga­ni­sa­ti­ons­po­ten­ti­al des Rau­mes nicht aus­reicht, um das kom­ple­xe Inein­an­der­wir­ken tech­ni­scher und kom­mu­ni­ka­ti­ver Pro­zes­se zu struk­tu­rie­ren“24, wie etwa der Abga­be­ter­min für die­se Haus­ar­beit deut­lich macht.

Von die­sen Bedin­gun­gen kön­ne sich eine Raum­zeit­kul­tur nicht lösen, jedoch einen modi­fi­zier­ten Umgang mit der Zeit begüns­ti­gen. Schmid nennt das den „anders­mo­der­nen, auto­no­men Gebrauch der Zeit“, der sowohl mit der prä­zi­se gemes­se­nen tech­ni­schen Zeit, als auch mit der zykli­schen Zeit sub­jek­ti­ver Pha­sen spielt. Er erklärt dies mit dem Sinn­bild eines zeit­jon­glie­ren­den Spie­lers. Prak­ti­sche Hin­wei­se lie­fert er aller­dings an die­ser Stel­le nicht. Er gestat­tet sich allen­falls die Bemer­kung, dass es cha­rak­te­ris­tisch für die­se neue Zeit­auf­fas­sung sei, sich nicht mehr mit den Fra­gen des moder­nen und ratio­na­len Zeit­kal­küls, ob man bei­spiels­wei­se sei­ne Zeit opti­mal genutzt habe, zu mar­tern, son­dern sie sogar umzu­dre­hen. „Wo habe ich mei­ne Zeit mit Genuss ver­geu­det“ oder „Wo habe ich sie ohne Bedau­ern ver­schleu­dert?“ kön­nen der­ar­ti­ge Fra­gen sein, die es mög­lich machen, den wider­sprüch­li­chen Gebrauch der Zeit bewusst und vor­sätz­lich zu leben. Indem wir die zur Ver­fü­gung ste­hen­de Zeit einer­seits gut nut­zen, ande­rer­seits aber auch absicht­lich dahin­ge­hen las­sen und mit sinn­lo­sen Beschäf­ti­gun­gen ver­trei­ben, kön­nen wir ein Wech­sel­spiel zwi­schen erfüll­ter und lee­rer Zeit in Gang set­zen, bei dem die erfüll­te in Wahr­heit die lee­re und die vor­der­grün­dig lee­re die erfüll­te sein kann. „Die Zeit bewusst zu gebrau­chen meint jeden­falls nicht zwangs­läu­fig, die zur Ver­fü­gung ste­hen­de Zeit aus­zu­fül­len, son­dern kann bedeu­ten, Räu­me der Lee­re zu schaf­fen, oder sie, wenn sie sich von selbst erge­ben, hin­zu­neh­men und zu akzep­tie­ren, um in ihnen eine neue Fül­le zu fin­den.“25 Da das Selbst sich in der lee­ren Zeit der Ver­su­chung ent­zieht, zu vie­le Din­ge gleich­zei­tig zu rea­li­sie­ren, gewinnt es an Zeit. Es ist bereit zu wäh­len und gege­be­nen­falls auf Mög­lich­kei­ten zu ver­zich­ten. Da nicht alle Ange­bo­te und Mög­lich­kei­ten rea­li­siert wer­den müs­sen, gelangt das Selbst in „Besitz von Zeit“. Auch wenn sich die Essenz des bis hier Gesag­ten im Grun­de neu­zeit­lich eru­ie­ren lässt, spie­gelt sie jedoch in Vie­lem das Gesag­te Sene­cas wider. Im Fol­gen­den will ich nun­mehr ein­zel­ne Berei­che anrei­ßen, die den­noch mit dem The­ma in einem pro­ble­ma­ti­schen Zusam­men­hang ste­hen.

1.3 Bemer­kun­gen

Eine Betrach­tung der Aktua­li­tät von Sene­cas de bre­vi­ta­te vitae kommt nicht allein mit der Aus­wer­tung von Tex­ten qua­li­fi­zier­ter Autoren aus, die sich nicht nur aus kul­tu­rel­ler Not­wen­dig­keit, son­dern auch im Eigen­in­ter­es­se die­sem The­ma wid­me­ten. Viel­mehr muss eine Begut­ach­tung des Zeit­geis­tes erfol­gen, in dem die­se Tex­te ver­fasst wer­den. Aller­dings muss die­se Betrach­tung von zwei unter­schied­li­chen Sei­ten erfol­gen. Zum einen bemerkt man näm­lich eine gewis­se Not­wen­dig­keit in der Gesell­schaft, sich die­sem The­ma auf unter­schied­lichs­te Wei­se zu wid­men. Zum ande­ren ist zu schau­en, wie man der­ar­ti­ge Über­le­gun­gen in den wis­sen­schaft­li­chen Kon­text der Phi­lo­so­phie ein­ord­nen kann. Ers­te­res äußert sich unzwei­fel­haft im bestehen­den Ange­bot von Büchern, Rat­ge­bern, Well­ness- und Yoga­kur­sen, Work­shops und ähn­li­chem und ist viel­leicht dafür ver­ant­wort­lich, dass im Hin­blick auf letz­te­res gewis­se „Iden­ti­täts­pro­ble­me“ bestehen. Der Lebens­phi­lo­so­phie, die sich vor­der­grün­dig mit der­ar­ti­gen Fra­gen beschäf­tigt, haf­tet nicht zuletzt wegen ihrer Ver­wen­dung bei der Bezeich­nung für phi­lo­so­phi­sche Posi­tio­nen im Umkreis des Vita­lis­mus26 ein eso­te­ri­scher Touch an. Zudem steht sie als phi­lo­so­phi­scher Zweig, des­sen Zweck in prak­ti­schen Anwei­sun­gen für das gute Leben besteht, immer im Gegen­satz zum theo­re­tisch-wis­sen­schaft­li­chen Den­ken. Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang, dass die Lebens­phi­lo­so­phie bei den deut­schen Roman­ti­kern die Bezeich­nung für eine anti­ra­tio­na­lis­ti­sche Phi­lo­so­phie war, die auf der ursprüng­li­chen Ein­heit von Leben und Den­ken auf­baut, wäh­rend die Stoa sich als Lebens­phi­lo­so­phie ver­steht, die glei­cher­ma­ßen einen wis­sen­schaft­li­chen Anspruch erhebt.

Aller­dings ging es hier­bei weni­ger dar­um, abs­trak­te Theo­ri­en zu ver­mit­teln als See­len zu for­men. Nach Ansicht von Pierre Hadot ist es nicht zuletzt dem Chris­ten­tum zuzu­rech­nen, dass die Phi­lo­so­phie durch Abwand­lung sol­cher Begrif­fe wie „geis­ti­ge Übung“ ins Spi­ri­tu­el­le ihres exis­ten­zi­el­len Inhal­tes ver­lus­tig ging und sich nun­mehr auf den theo­re­ti­schen Dis­kurs beschränkt. Hadot tritt dem jedoch ent­ge­gen, indem er schreibt, „dass die Phi­lo­so­phie nicht dar­in besteht, ein Sys­tem zu kon­stru­ie­ren, son­dern in einer bestimm­ten Art die Welt zu betrach­ten […], dass die Phi­lo­so­phie nicht nur eine bestimm­te Art, die Welt zu sehen, ist, son­dern eine Art zu leben und dass alle theo­re­ti­schen Dis­kur­se nichts sind im Ver­gleich mit dem kon­kre­ten geleb­ten phi­lo­so­phi­schen Leben.“27 Ähn­lich wird auch Sene­ca gespro­chen haben, der, so Hadot, der „wah­ren Idee des Phi­lo­so­phen“ treu geblie­ben ist, wäh­rend „die moder­ne Phi­lo­so­phie mehr und mehr zu einem Dis­kurs eines Pro­fes­sors gewor­den ist“28. An die­ser Stel­le kom­me ich jedoch nicht umhin, die Aus­füh­run­gen auf inhalt­li­che Bemer­kun­gen zum eigent­li­chen The­ma umzu­len­ken, da ein phi­lo­so­phie­ge­schicht­li­cher Bei­trag und eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fra­ge nach der Rol­le der Phi­lo­so­phie für die­se Ana­ly­se zu weit füh­ren wür­de. Auf der inhalt­li­chen Ebe­ne wird zunächst ein­mal ein Pro­blem deut­lich, das sich anschei­nend nicht lösen lässt und somit in allen vor­lie­gen­den Aus­füh­run­gen mal mehr und mal weni­ger ein­fach hin­ge­nom­men wird. Das Pro­blem mit der Zeit ist näm­lich ihre Seins­wei­se. Zuvor­derst ist der Begriff „Zeit“ eine blo­ße Beschrei­bung für etwas, das imma­te­ri­ell, unsicht­bar, unkör­per­lich und unfass­bar ist.29 Was das ist und ob es sie gibt, bleibt zwei­fel­haft.

Den­noch ist unzwei­fel­haft, dass in allen Din­gen offen­bar Pro­zes­se wirk­sam sind, die ver­an­las­sen, dass ein gegen­wär­ti­ger Zustand und des­sen imma­nen­te Wirk­lich­keit ver­ge­hen und nicht wie­der her­stell­bar sind, sobald sie ver­gan­gen sind. Wahr­nehm­bar wird die­ser Pro­zess erst im Ver­gleich mit Ver­gan­ge­nem. Die­ser Ver­gleich führt uns wie­der­um vor Augen, dass die Zeit nie zurück­kehrt und der Rest irgend­wann auf­ge­braucht ist. Doch genau hier scheint mir eine Schnitt­stel­le zu sein, die in den meis­ten Über­le­gun­gen und Ver­su­chen, die Zeit zu fas­sen, ver­nach­läs­sigt wird. Wir nei­gen näm­lich dazu, die Begrif­fe Zeit und Leben in die­sem Zusam­men­hang teil­wei­se syn­onym zu ver­wen­den. Die Zeit ist sozu­sa­gen ein Abbild unse­res Lebens. Das, was „ich“ bereits getan habe, ist Ver­gan­gen­heit. Der Rest mei­nes Lebens ist die Zukunft. Eine Über­tra­gung auf das kol­lek­ti­ve Gedächt­nis oder die Geschichts­schrei­bung soll mei­net­we­gen erfol­gen, ver­deckt aber nicht das Pro­blem, dass der Unter­schied zwi­schen Zeit und Leben oft ver­wischt wird. Sene­ca hin­ge­gen macht bereits mit sei­nem Titel deut­lich, was der eigent­li­che Punkt bei der Sache ist.

Das Leben selbst ist irgend­wann zu Ende, nicht die Zeit. Und selbst die Ein­füh­rung „Lebens­zeit“ ist ein unge­nau­er Ter­mi­nus, weil die­se prak­tisch immer erst im Nach­hin­ein defi­niert wer­den kann. Gera­de des­we­gen fin­de ich es aber miss­lich, in die­sem Zusam­men­hang von der Lebens­zeit als Gut­ha­ben zu spre­chen, über die man immer wie­der Rechen­schaft able­gen muss. Dies legt näm­lich, so Heid­brink, den „Grund­stein zu einer Chro­no-Öko­no­mie […], die den gesam­ten All­tag dem Dik­tat der sinn­vol­len Nut­zung unter­wirft.“30 Da scheint mir der Vor­stoß Schmids, einen „auto­no­men Gebrauch von Zeit“ zu rekru­tie­ren, sinn­vol­ler. Doch die Aus­füh­run­gen zum grie­chi­schen Wort hora haben gezeigt, dass es Sene­ca sicher­lich nicht um einen Mas­ter­plan für jeden Tag, son­dern eher um ein indi­vi­du­el­les Zeit­be­wusst­sein ging.

Klar ist indes nicht, ob sich das von Sene­ca pos­tu­lier­te Zurück­zie­hen in Muße mit Schmids Bemer­kung zur bewuss­ten Ver­schwen­dung von Zeit als Mit­tel zur Zeit­ge­win­nung deckt. Zu kurz kommt in den neu­zeit­li­chen Betrach­tun­gen im Übri­gen der Aspekt der Zeit­wahr­neh­mung, den Sene­ca zumin­dest anreißt, indem er dar­auf auf­merk­sam macht, dass Leben einem nur kurz erschei­ne. Sene­ca führt dies jedoch ledig­lich auf fal­sche Ver­hal­tens­wei­sen zurück, was ich ein wenig frag­lich fin­de, da die indi­vi­du­el­le Zeit­wahr­neh­mung eines jeden Ein­zel­nen dabei kei­ne Rol­le spie­len und sich nur durch äuße­re Fak­to­ren erklä­ren las­sen wür­de. Ohne­hin scheint in aktu­el­len Tex­ten der Tenor zu herr­schen, dass das Leben in der Tat kurz ist und wir die weni­ge Zeit des­halb nut­zen soll­ten. Die Kür­ze des Lebens wird also nicht mehr hin­ter­fragt, son­dern ist eine fest­ste­hen­de Tat­sa­che. Dies ent­sprä­che dem­nach nicht ganz den Aus­füh­run­gen Sene­cas, liegt mei­nes Erach­tens aber im Wan­del des Umgangs mit dem eige­nen Tod begrün­det. Auf die von Harald Wein­rich auf­ge­stell­te The­se, der Glau­be an das Jen­seits sei ein Weg, mit der Kür­ze des Lebens umzu­ge­hen, stellt Lud­ger Heid­brink die Fra­ge, ob es ohne Escha­to­lo­gie31 über­haupt eine Dik­ta­tur der Zeit­knapp­heit gäbe. Er fragt, ob die Leh­re von den letz­ten Din­gen nicht der Grund dafür ist, dass die begrenz­te Lebens­zeit als Pro­blem erfah­ren wird? Denn ohne Hoff­nung auf ewi­ges Leben und den Zwang zur welt­li­chen Bewäh­rung fehl­te der exis­ten­zi­el­le Druck, der die tem­po­ra­le Knapp­heit über­haupt erst erzeu­ge.

Mei­nes Erach­tens muss die Fra­ge im Zeit­al­ter von Dar­win und der Abkehr jeg­li­chen Glau­bens wei­ter zuge­spitzt wer­den. Ist das Bewusst­sein über den eige­nen Tod dafür ver­ant­wort­lich, dass wir Zeit unse­res Lebens ver­su­chen, so viel wie mög­lich zu errei­chen? Da uns nach dem Tod nichts erwar­tet und das Leben selbst das ein­zi­ge ist, was wir haben und was uns antreibt, ver­su­chen wir unent­wegt, das Bes­te aus ihm zu machen, erfolg­reich zu sein, Din­ge zu schaf­fen. Dass die­se Stra­te­gie feh­ler­haft ist, haben alle bis­he­ri­gen Aus­füh­run­gen gezeigt. Doch das Pro­blem besteht wei­ter. Sene­ca meint, das Bewusst­sein über den Tod wür­de uns zum spar­sa­men Gebrauch unse­rer Lebens­zeit füh­ren. Doch kann es dann nicht pas­sie­ren, dass wir etwas ver­säu­men? Liegt hier etwa das Haupt­pro­blem: das Bewusst­sein über die Viel­zahl von Mög­lich­kei­ten, die uns grund­sätz­lich zur Ver­fü­gung ste­hen? Denn auch außer­halb der Sand­uhr gibt es Sand­kör­ner. Wir möch­ten zu viel, weil wir zuviel sehen und kön­nen uns nicht ent­schei­den. Das blo­ckiert unser Han­deln, die Kon­zen­tra­ti­on auf das Wesent­li­che fehlt und wir haben noch weni­ger Zeit zur Ver­fü­gung. Die­se Tat­sa­che bringt mich zu der Über­le­gung, ob es sich bei der behan­del­ten Fra­ge­stel­lung seit jeher viel­leicht um ein „Luxus­pro­blem“ han­delt. Für wen die Suche nach Nah­rung, einer siche­ren Behau­sung oder ärzt­li­cher Hil­fe akut ist, der wird eher kaum über Stress durch media­le Reiz­über­flu­tung oder zu vie­le Ter­mi­ne kla­gen. Nimmt auch er eine Bedro­hung durch die Kür­ze des Lebens wahr? An die­ser Stel­le möch­te ich mei­nen Dis­kurs jedoch abbre­chen, weil er für die Unter­su­chung des eigent­li­chen The­mas nichts mehr bei­tra­gen kann, außer der Tat­sa­che, dass die heu­te gestell­ten Fra­gen immer noch die glei­chen sind, denen sich auch Sene­ca wid­me­te.

2. Fazit

Wir kön­nen fest­hal­ten, dass all die bespro­che­nen Fra­ge­stel­lun­gen Sene­cas und sei­ne for­mu­lier­ten Ant­wor­ten nichts an ihrer Aktua­li­tät ein­ge­büßt haben. Alle aktu­el­len Tex­te ran­ken sich um ähn­li­che Pro­blem­stel­lun­gen und geben Ant­wor­ten, die bereits Sene­ca gab. Sogar sei­ne Bemer­kung, dass all­zu viel Beschäf­ti­gung destruk­tiv sei, fin­det sei­ne Bestä­ti­gung bei der natur­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis, dass Mul­ti­tas­king auf Dau­er nicht die gewünsch­te Effek­ti­vi­tät bringt. Umso erstaun­li­cher ist es, dass die Men­schen die­se Tat­sa­che anschei­nend so lan­ge igno­rie­ren. Wenn aktu­el­le Lite­ra­tur die glei­chen Fra­gen stellt, wie sie bereits vor zwei­tau­send Jah­ren gestellt wor­den sind und in der Essenz auch noch zu den glei­chen Ant­wor­ten gelangt, kön­nen wir sagen, dass es umso wich­ti­ger ist, die Beschäf­ti­gung mit Sene­ca und sei­nen Schrif­ten zu pfle­gen, und zwar auf wis­sen­schaft­li­cher Ebe­ne weit weg von Post­kar­ten­lä­den. Und wir müs­sen uns nicht nur fra­gen, was wir bes­ser machen kön­nen, son­dern auch Hin­wei­se geben, wie wir mit dem Pro­blem der Zeit­ver­schwen­dung umge­hen. Dabei nimmt „de bre­vi­ta­te vitae – Von der Kür­ze des Lebens“ eine Grund­la­gen­po­si­ti­on ein, für ein bes­se­res Ver­ständ­nis und die rich­ti­ge Her­an­ge­hens­wei­se an die­ses The­ma. Zum Ende möch­te ich Gerd B. Achen­bach zu Wort kom­men las­sen, der die von mir erör­ter­te The­ma­tik in „Das klei­ne Buch der inne­ren Ruhe“ auf den Punkt bringt: „Wenn ein Leben nichts­sa­gend abge­spult, gedan­ken­los ver­tan, her­un­ter­ge­lebt, irgend­wie bloß durch­ge­bracht wird, dann ist es uner­heb­lich, ob die Umstän­de römisch waren: Tisch­ge­la­ge und Geschwätz – oder zeit­ge­nös­sisch sind: ein Leben am Tropf der Unter­hal­tungs­in­dus­trie. Die Stoa ist nicht aktu­ell, sie ist gegen­wär­tig, sie war es stets.“32

3. Quellen- und Literaturverzeichnis

3.1 Quel­len:

Sene­ca, L. Annaeus: De bre­vi­ta­te vitae, in: Gie­bel, Mari­on (Hrgs.): De bre­vi­ta­te vitae – Von der Kür­ze des Lebens, Stutt­gart 2008.

Sene­ca, L. Annaeus: De tran­quil­li­ta­te ani­mi, in: Guner­mann, Heinz (Hrgs.): De tran­quil­li­ta­te ani­mi – Über die Aus­ge­gli­chen­heit der See­le, Stutt­gart 2002.

3.2 Lite­ra­tur:

Achen­bach, Gerd B.: Die Zeit­auf­fres­ser, in: Pro­mo­ti­on Busi­ness 4/2007, Köln 2007.

Achen­bach, Gerd B.: Das klei­ne Buch der inne­ren Ruhe, Breis­gau 2010.

Hadot, Pierre: Phi­lo­so­phie als Lebens­form – Anti­ke und moder­ne Exer­zi­ti­en der Weis­heit, Frank­furt am Main 2002 (2. Auf­la­ge: 2005).

Heid­brink, Lud­ger: Der Mensch als Fris­ten­lö­sung, in: DIE ZEIT, 11.11.2004 Nr.47.

Kor­te, Mar­tin: Was soll nur aus unse­ren Gehir­nen wer­den?, in: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, 30.04.2010, Feuil­le­ton, S. 35.

Rein­hard, Rebek­ka: Wie man das Zeit­mons­ter besiegt, in: Die Sinn-Diät, Mün­chen 2009.

Schmid, Wil­helm: Phi­lo­so­phie der Lebens­kunst, Frank­furt am Main 1998.

Wein­rich, Harald: Knap­pe Zeit – Kunst und Öko­no­mie des befris­te­ten Lebens, Mün­chen 2005.

3.3 Sons­ti­ges:

Hüg­li, Anton / Lüb­cke, Poul (Hrsg.): Phi­lo­so­phie-Lexi­kon, 2003. www.zeitverein.com, letz­ter Zugriff: 18.08.2010, 15:22 Uhr.

NDR Info, Logo – Das Wis­sen­schafts­ma­ga­zin, Ver­zö­ge­rung der Zeit, 30.07.2010.

  1. Anm.: Die Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis wur­de 1981 von Gerd Achen­bach gegrün­det und ist die phi­lo­so­phi­sche Lebens­be­ra­tung in der Pra­xis des Phi­lo­so­phen als Alter­na­ti­ve zur Psy­cho­the­ra­pie.
  2. Anm.: Der prae­fec­tus anno­nae war in Rom für die Getrei­de­ver­sor­gung der Stadt zustän­dig. Hin­zu kamen Auf­ga­ben der Kon­trol­le, Über­wa­chung, Lage­rung und Ver­wal­tung.
  3. Sene­ca, De bre­vi­ta­te vitae, S. 41.
  4. Anm.: logos ist hier im Sin­ne von Ver­nunft zu gebrau­chen.
  5. Sene­ca, De bre­vi­ta­te vitae, S. 9.
  6. Ebd., S. 15.
  7. Ebd., S. 27.
  8. Anm.: Auch dies stellt einen Unter­schied zu heu­ti­gem Den­ken dar, denn in der Psy­cho­ana­ly­se begrei­fen wir die Erin­ne­rung als etwas, deren wich­ti­ge Tei­le erst in unse­rem Unter­be­wusst­sein gefun­den wer­den müs­sen. Für den Stoi­ker ist die Erin­ne­rung, die syn­onym mit dem Begriff der Ver­gan­gen­heit ver­wen­det wer­den kann, etwas Prä­sen­tes und Abruf­ba­res.
  9. Hadot, Phi­lo­so­phie als Lebens­form, S. 111ff.
  10. Sene­ca, De bre­vi­ta­te vitae, S. 37.
  11. Hadot, Phi­lo­so­phie als Lebens­form, S. 114.
  12. Sene­ca, De tran­quil­li­ta­te ani­mi, S. 53.
  13. Sene­ca, De bre­vi­ta­te vitae, S. 57.
  14. Ebd., S. 9.
  15.  Sene­ca, Epis­tu­lae mora­les ad Luci­li­um, 62,1, zitiert aus: Gie­bel Mari­on, Sene­ca – Von der Kür­ze des Lebens, Nach­wort, S. 94.
  16. Wein­rich, Knap­pe Zeit, S. 13.
  17. Heid­brink, Der Mensch als Fris­ten­lö­sung.
  18. Rein­hard, Die Sinn-Diät, S. 55ff.
  19. Kor­te, Was soll nur aus unse­ren Gehir­nen wer­den?
  20. Ebd.
  21. Schmid, Lebens­kunst, S. 357.
  22. Ebd., 357.
  23. Ebd., S. 358.
  24. Ebd., S. 359.
  25. Ebd. S. 360.
  26. Anm.: Der Vita­lis­mus ist eine bio­lo­gi­sche Theo­rie, die sich gegen eine rein phy­si­ka­lisch-che­mi­sche Erklä­rung des Lebens rich­tet und annimmt, dass orga­ni­sches Leben durch nicht-phy­si­sche Lebens­kräf­te bedingt ist. Heu­te gilt der Vita­lis­mus als all­ge­mein wider­legt. (Hüg­li / Lüb­cke, Phi­lo­so­phie-Lexi­kon, S. 355)
  27. Hadot, Phi­lo­so­phie als Lebens­form, S. 9.
  28. Ebd., S. 9
  29. Anm.: Eine inter­es­san­te Aus­füh­rung zum Ursprung des Begrif­fes in sei­ner Latei­ni­schen Form tem­pus gibt Harald Wein­rich im Epi­log sei­nes Buches „Knap­pe Zeit“, S. 229 ff.
  30. Heid­brink, Der Mensch als Fris­ten­lö­sung.
  31. Anm.: Escha­to­lo­gie: Leh­re von der Hoff­nung auf Voll­endung des Ein­zel­nen und der gesam­ten Schöp­fung. Frü­her ver­stand man dar­un­ter die Leh­re von den „letz­ten Din­gen“ und damit ver­bun­den die „Leh­re vom Anbruch einer neu­en Welt“.
  32. Achen­bach, Das klei­ne Buch der inne­ren Ruhe, S. 12.