Die Philosophie von Ausgleich und Veränderung

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Vorwort

Die Mechanismen von Ausgleich und Veränderung sind in fast allen relevanten Prozessen vorhanden (siehe z.B. Evolution). Mein Interesse bezieht sich vor allem auf den gesellschaftlichen und politischen Bereich und wie sich die grundlegenden Naturprozesse dort auswirken.

Um den Begriff des Ausgleichs von ähnlichen Begriffen abzugrenzen, möchte ich von einem druidischen Gleichgewicht* sprechen, oder anders ausgedrückt: einem dynamischen Gleichgewicht. Dieses Modell unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von einem statisch stabilen System, das nur ein zeitlich eng begrenztes Gleichgewicht darstellt. Denn nichts war im Laufe der Geschichte gefährlicher als der Anspruch, die absolute Wahrheit gefunden zu haben. Stattdessen sind viele unterschiedliche Auffassungen zu einem Thema wichtige Aspekte eines weiterführenden Erkenntnisprozesses.

Ein erstrebenswertes Ziel sollte es daher immer sein, verschiedene Denkansätze aufzunehmen und einen friedlichen Ausgleich zu schaffen. Natürlich werden auch die besten Kompromisse keinen dauerhaften Idealzustand erreichen, denn alles in der Natur verändert sich ständig!

(* Da Druiden in Literatur, Film und anderen Medien oft
als Vertreter eines natürlichen Gleichgewichts gelten.)

Der Weg des Gleichgewichts – Äquilibritas

Zwei Kräfte

Grundsätzlich sind in der Natur zwei grundlegende Kräfte immer wieder zu beobachten: Das Streben nach Stabilität, Gleichgewicht und Harmonie auf der einen und die permanente Veränderung auf der anderen Seite. Diese zwei Kräfte stehen in einem natürlichen Widerspruch zueinander. Nach dem druidischen Verständnis (in meiner Definition) muss man hier einwirken.

Denn der Mensch neigt dazu, sich stabile Strukturen aufzubauen, die möglichst lange halten sollen. Wenn diese Strukturen aber zu starr sind, um rechtzeitig auf Veränderungen reagieren zu können, kommt es schlimmstenfalls zu Katastrophen (wie z.B. Kriege oder gewaltsame Umstürze). Doch dazu später mehr. Zunächst gilt es, sich die beiden Grundkräfte etwas genauer anzusehen.

Das Gleichgewicht

Das Gleichgewicht ist eine natürliche Ordnung. Die verschiedenen Interessen haben die Möglichkeit, sich zu positionieren und sind in einem (zeitlich begrenzten) Stabilitätszustand. Es ist auch ein Zustand der Harmonie. Dabei handelt es sich aber um eine idealtypische Konstruktion.

Ein perfektes Gleichgewicht wird es wohl kaum je geben. Dennoch ist es von einer großen Bedeutung, da die Natur ständig versucht, einen solchen Zustand herzustellen. Dabei verändert sich das ideale Gleichgewicht stetig und damit auch das angestrebte Ziel. Wenn ich sage, dass die Natur einen imaginären Idealzustand anstrebt, dann ist es natürlich kein bewusster Handlungsakt wie bei den religiösen Vorstellungen eines lenkenden Gottes.

Beim Anstreben eines natürlichen Gleichgewichts handelt es sich um einfache Naturprozesse. Gibt es an einem Ort beispielsweise zu viele Raubtiere, wird es für diese aufgrund begrenzter Ressourcen schwieriger zu jagen, in der Folge sinkt ihr Nachwuchs (= weniger Raubtiere). Der Mensch ist diesen Prozessen genauso unterworfen wie alles andere auch. Er kann die Regeln zwar nicht brechen (ohne unterzugehen), aber teilweise verändern. So strebt auch der Mensch nach Gleichgewicht und Harmonie. Dennoch ist er oft genug dazu bereit, auch dem widersprechende Entscheidungen zu treffen.

Oft kommt beispielsweise ein Diktator an die Macht, weil er Ordnung und Sicherheit verspricht. Meist ist es eine Reaktion auf unruhige Zeiten oder größere Machtkämpfe. Doch dieser Weg führt fast immer in die Krise. Das System erstarrt, verweigert Veränderung und muss mit einem immer massiveren Repressionsapparat arbeiten, um an der Macht zu bleiben.

Eine Veränderung ist kaum noch möglich, wodurch der Druck immer größer wird. Es kommt zum Zusammenbruch. Darum ist es wichtig, sich mit den Strukturen auseinanderzusetzen. Das Streben nach Ausgleich und Stabilität lässt sich nicht verhindern. Aber der Prozess, um dieses Ziel zu erreichen, ist von entscheidender Bedeutung für das Ergebnis. Ein demokratisches System mit einer damit verbundenen Gewaltenteilung bietet eine gute Voraussetzung dafür, diese natürliche Ordnung zu erreichen. Doch auch in einer Demokratie wird ein bewusster Ausgleich immer nötig sein. Eine Institution, die prinzipiell einen solchen Ausgleich verfolgt, ist z.B. das Kartellamt. Eine zu große Machtkonzentration einzelner Konzerne soll verhindert werden, um das wirtschaftliche Gleichgewicht nicht zu gefährden.

Veränderung

Der imaginäre Idealzustand, der von der Natur angestrebt wird, kann nicht erreicht werden, da sich die Voraussetzungen ständig verändern. Heraklit hat es als „panta rhei“ bezeichnet (= alles fließt) – die Erkenntnis, dass sich alles verändert. „Wer in den selben Fluss steigt, dem fließt anderes und anderes Wasser zu.“ Alles ist ständig in Bewegung und verändert sich, nichts kann bleiben wie es ist. Gleichzeitig strebt alles nach einem harmonischen Gleichgewicht. Die Veränderung in jedem Augenblick ändert somit auch das Ziel ständig (wenn auch meist nur in kleinen Schritten). Beständigkeit ist nur eine Illusion. Alles ist stets im Fluss, ist in Veränderung befindlich.

Diese Erkenntnis spielt auch im Buddhismus eine wichtige Rolle. Siehe dazu den philosophischen Beitrag Unveränderliches Ich = bloße Illusion? von Charlie, der die frühbuddhistische Erkenntnis einer steten Veränderung wie folgt erläutert: „In einer Welt, die so vergänglich wie der in ihr existierende menschliche Körper ist, werden wir jedoch niemals eine endgültige Erfüllung oder Befriedigung im Zusammenhang mit den Dingen finden, an die wir uns klammern, da deren Vergänglichkeit vorprogrammiert ist und dazu führt, dass wir sie früher oder später wieder verlieren oder zumindest ihre stete Veränderung erfahren müssen.“

Wer nun aber dennoch behauptet, dass es etwas Unveränderliches in der Welt gebe, unterliegt einem Trugschluss. Man kann nur die Art der Veränderung, den Prozess des Übergangs beeinflussen, aber keinen endgültigen Ausweg aus der Veränderung finden. Doch in einer Welt, die sich mit dem (flexiblen) Ausgleich arrangiert hat, kann man gut leben. Der Wandel verliert darin einen Teil seines zerstörerischen Charakters, ohne dabei den Fortschritt zu verhindern. Eine Macht ist zu stark, wenn sie in der Lage ist, den notwendigen Ausgleich entscheidend zu behindern. Veränderungen werden spätestens dann notwendig, wenn sich die Grundvoraussetzungen für das aktuelle Gleichgewicht ändern. Deswegen scheitern auch alle Utopien früher oder später, da sie von einem festen Idealzustand ausgehen.

Wie stark eine Macht sein kann, ohne automatisch zu einer Bedrohung für den Ausgleich zu werden, hängt insbesondere vom jeweiligen System ab. Eine Kanzlerin Merkel ist kein Problem. Eine CDU-Regierung mit einer 2/3-Mehrheit wäre ein Problem (dies gilt selbstverständlich auch für jede andere Partei), da die Gefahr besteht, dass sich die Herrschaft so stark verfestigt, dass die Kräfte der Veränderung nicht mehr ausreichend arbeiten können.

Das dynamische Gleichgewicht

Prämissen

Simple, aus der Natur abgeleitete Grundlagen der Theorie:

1) Alles in der Natur strebt zum Gleichgewicht (hier im Sinne von Stabilität: Suche nach möglichst reibungslosen Strukturen bzw. Harmonie.)

2) Alles verändert sich. (Chaos, aber auch Fortschritt; Heraklit: Panta rhei – alles fließt; Buddhismus: Dinge können bestenfalls den Anschein von Beständigkeit erwecken, aber in Wirklichkeit verändert sich alles.)

Wir haben die zwei unterschiedlichen Naturkräfte gesehen – Suche nach Stabilität und ständige Veränderung. Diese gilt es miteinander zu versöhnen. Das druidische Ziel ist ein dynamisches Gleichgewicht, das sich einer Änderung ohne große Schwankungen bzw. großes Chaos anpassen kann. Ein nur statisches Gleichgewicht ist scheinbar stabil, bricht aber ab einem bestimmten Druck in sich zusammen (ähnlich dem Zerdrücken eines Erdnussflips oder dem Ende einer Diktatur). Eine Aktion kann nur bis zu einem bestimmten Punkt ausgeführt werden, bevor das Pendel wieder zurückschlägt. Je stärker man ein Pendel in eine Richtung drückt, umso stärker ist die spätere Ausgleichsreaktion, die dazu führt, dass es dann oft zum anderen Extrem übergeht. Nach einer großen Störung des Gleichgewichts kommt es häufig zu einem Pendeln zwischen den Extremen, mit teils zerstörerischen Folgen. Genau diese starken Ausschläge versucht ein druidisches Handeln zu verhindern, um eine möglichst harmonische Entwicklung zu sichern (kleinere Ausschläge gehören jedoch zur normalen Weiterentwicklung und sind wichtig, um das Problem der Statik zu lösen).

Der Mensch muss sich weiterentwickeln und darf nicht stehenbleiben. Dabei hat er jedoch auf das (sich ändernde) Gleichgewicht zu achten, damit sich der Wandel harmonisch und ohne größere Katastrophen vollzieht. Keine Macht, auch wenn sie noch so stark und unüberwindlich scheint, kann sich dauerhaft dem natürlichen Streben nach Ausgleich entgegenstellen.

Es handelt sich dabei um einen Naturprozess, der verlangsamt und beeinflusst werden kann, jedoch nicht zu stoppen ist. Doch wenn sich das Gleichgewicht irgendwann von selber wiederherstellt, warum sollte man in diesen Prozess eingreifen? Je größer die Verletzung des Gleichgewichts, desto heftiger stellt es sich wieder her. Krisen, Kriege und ökologische Katastrophen können die Folge sein. Ziel muss es aber sein, die Krisen, die mit der Verletzung der natürlichen Ordnung einhergehen, zu vermeiden bzw. abzuschwächen.

Ein typisches Beispiel sind Revolutionen. Die alte Ordnung (meist starr, unflexibel, ungerecht) wird beseitigt. Je fester die alten Strukturen sind, desto blutiger fällt meist die Revolution aus. Im (seltenen, aber anzustrebenden) Idealfall entsteht eine Gesellschaft, in der sich die unterschiedlichen Interessengruppen friedlich ausgleichen können. Doch oft setzt sich eine Gruppe an die Spitze und errichtet eine neue Diktatur. Im Moment ihrer Entstehung herrscht dabei oft ein strukturelles Gleichgewicht (zumindest stärker als bei der alten Ordnung; z.B. kubanische Revolution, in deren Verlauf die Benachteiligung der Bevölkerung zunächst stark verringert wurde, bis die starre Ideologie eine Anpassung des Gleichgewichts verhinderte).

Doch die neue Herrschaft ist zu starr, um auf Veränderungen ausreichend reagieren zu können. Der Druck der Veränderung nimmt immer weiter zu, was meist zu einer noch stärkeren Verhärtung der Strukturen führt. Der Zusammenbruch ist dann meist vollständig. Dagegen ermöglicht ein flexibleres System immer den Ausgleich in kleineren Dosen.

Der Mensch neigt dazu, sich aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus unterzuordnen. Doch in Wahrheit wird dadurch die Ordnung nur gefährdet. Dagegen wird die Gesellschaft durch das Handeln interessengeleiteter Akteure weiterentwickelt. Sie sind es, die durch das Streben nach Verbesserungen und durch die Konkurrenz untereinander den Fortschritt schaffen.

Außerdem muss eine Gesellschaft flexibel auf Veränderungen und neue Herausforderungen reagieren. Ein druidisches Handeln ist bestrebt, für eine gleichmäßige Entwicklung zu sorgen und zu versuchen, ein durch den (ständigen) Wandel bedingtes Ungleichgewicht zu verhindern. Der entscheidende Punkt ist, dass es nicht darum geht, wer in einer Gesellschaft eine zu große Machtfülle erreicht. Auch stellt sich bestenfalls am Rande die Frage, welche Positionen dieser vertritt. Wesentlich ist, dass er immer zu einer Bedrohung für Freiheit und Ordnung wird, außer er gäbe seine zu große Machtfülle freiwillig wieder ab. Doch dies ist wohl nur sehr selten der Fall.

Grundlegende Feststellungen

1) Je stärker das Gleichgewicht gestört ist, desto schlimmer die Folgen.

Man kann es gut bei Diktaturen beobachten. Eine Diktatur kann innere Konflikte nur unzureichend bewältigen. Entweder sie lässt eine wie auch immer geartete Opposition zu (z.B. ein paar regierungskritische Medien). Das kann dazu führen, dass die Diktatur irgendwann weitgehend friedlich zu Ende geht. Das Gleichgewicht stellt sich wieder her. Oder eine Diktatur unterdrückt, gerade wenn sie schon länger Bestand hat, radikal jede Opposition. Das Gleichgewicht kann sich dann im Regelfall nicht mehr friedlich herstellen. Die Probleme werden unterdrückt, das System wird immer starrer und der Druck immer größer, bis es zu einer, meist sehr blutigen, Revolution kommt. Die Revolution führt jedoch nicht immer zum Gleichgewicht. Gerade nach einer langen Diktatur droht die Gefahr, dass das eine Extrem durch ein anderes abgelöst wird.

2) Niemand darf zu stark werden!

Wenn eine Institution, Organisation, Partei, Gruppierung oder ein Konzern zu viel Macht anhäuft, wird das gefährlich. Dabei ist es fast völlig egal, welche Ideologie oder Überzeugung diese vertreten. Das Problem in Ungarn beispielsweise ist nicht nur, dass die Fideszpartei die Sozialisten abgelöst hat. Das Problem ist, dass ihnen die Wähler eine 2/3-Mehrheit gegeben haben und außerparlamentarische Gegenkräfte zu schwach sind, um das Machtübergewicht zu kompensieren.

Natürlich kann man Parteien unterstützen, deren Werte und Positionen einem gefallen, solange diese fürs Gleichgewicht nicht zur Gefahr werden. Ziel sollte immer eine Dezentralisierung der Macht sein. Je größer eine einzelne Macht wird, desto gefährlicher ist sie für das Gleichgewicht.

Auf der Wirtschaftsebene ist das bereits zuvor angesprochene Kartellamt eine Institution im druidischen Sinne. Diese soll das Marktübergewicht einzelner Firmen verhindern, sobald es den freien Handel behindert. Das Gleichgewicht der Kräfte muss vor zu starken Marktteilnehmern geschützt werden.

Lange Regierungszeiten einzelner Personen bzw. Parteien sind in einer Demokratie eine Gefahr. Es kommt zu einer Verfestigung der Strukturen, das freie Spiel der Kräfte wird gestört – mit negativen Folgen. Veränderungen können nicht mehr rechtzeitig ausgeglichen werden, um die Harmonie zu wahren.

2a) Was lokal gelöst werden kann, soll lokal gelöst werden!

Lokale Lösungen sind schneller, weniger bürokratisch und lassen dem Spiel des Gleichgewichts mehr Raum. Unterschiedliche Lösungsansätze können in Wettbewerb treten. Ein natürliches Gleichgewicht stellt sich besser ein.

2b) Je größer eine Organisation oder Struktur wird, desto transparenter, einfacher und demokratischer muss der Aufbau sein (modernere Kommunikationsformen ermöglichen größere demokratische Strukturen).

Als Beispiel: Bei einem größeren Staatsgebilde kann auch eine Demokratie der steigenden Gefahr unterliegen, dass die Regierenden immer weniger im Interesse der Bevölkerung handeln, wenn die Entscheidungsstrukturen dadurch immer undurchsichtiger und komplexer werden, um von den Bürgerinnen und Bürgern noch erfasst und nachvollzogen werden zu können – und damit verbunden ihre politischen Einflussmöglichkeiten sinken.

3) Es gibt keinen Idealzustand!

Eine ideale bzw. utopische Gesellschaft kann es aus druidischer Sicht nicht geben. Vielmehr lebt alles von dem Spiel mindestens zweier Kräfte und ständigen Wandlungen. Ein Utopia wäre erstarrt und daher nicht mehr in der Lage, einen Ausgleich herbeizuführen. Langfristig ist damit jede Utopie zum Scheitern verurteilt. Allerdings kann das Streben nach einem Idealzustand durchaus zu Fortschritt und Verbesserung führen (Dialektik: These, Antithese, Synthese).

4) Handeln im Sinne des Gleichgewichts?

Wichtig ist es, die Erkenntnis zu erlangen, dass es keine absoluten Wahrheiten gibt. Unterschiedliche Weltanschauungen können wahre Aspekte eines größeren Ganzen umfassen. Zwei gegensätzliche Positionen zu einem Thema können Teile einer Wahrheit sein. Wenn man druidisch an ein Problem herangeht, sollte man nicht vorschnell einer Seite einen Vorzug geben, sondern versuchen, einen Ausgleich zwischen beiden zu schaffen. Das heißt nicht, dass sich ein druidisch denkender Mensch nicht auch für eine extreme Position einsetzen kann. Er tut dies jedoch aus einem Grund: das Gleichgewicht zu stärken. Dies erreicht er oft, indem er einen Gegenpol zu einer anderen stärkeren Position unterstützt bzw. Strukturen stärkt, die einen leichteren Ausgleich ermöglichen. Grundsätzlich wird die zu große Machtfülle einer einzelnen Fraktion oder Partei abgelehnt. Konsequent gedacht bedeutet dies, dass es erforderlich sein kann, eine wie auch immer geartete Opposition zu unterstützen (Wobei natürlich auch deren Ziele wichtig sind!). Nicht unbedingt, weil man etwas gegen die Politik der gerade Regierenden hat, sondern aus der Erkenntnis des notwendigen Gleichgewichts der Kräfte heraus.

Faktoren der Trägheit

Probleme entstehen auch durch Trägheit. Viele Menschen wollen häufig, dass alles so bleibt wie es ist. Der Herrscher möchte seine Macht erhalten, die Kirche den Glauben sichern. Hieraus resultiert die Tendenz eines druidischen Handelns, auf der Seite der Schwächeren zu stehen. Denn Religionen und Ideologien verhindern oft ein dynamisches Gleichgewicht – durch das Bewusstsein, eine absolute Wahrheit zu vertreten. Das kann im Sinne von Stabilität nützlich sein, ist bezüglich von Dynamik und Veränderung jedoch problematisch.

Religion ist die Suche nach dem Unveränderbaren. Sie hat ihre Wurzeln in der Angst vor der ständigen Veränderung (wie Tod und Verfall). In allen großen Religionen wird irgendwann ein endgültiger Zustand erreicht (beispielsweise Himmel und Hölle). Da sich aber alles verändert, wirkt Religion als Kraft der Trägheit. Religion kann im Sinne eines Gegengewichts manchmal hilfreich sein, wird durch den dogmatischen Ansatz aber oft zur Gefahr für einen friedlichen Ausgleich. Ideologien sind Teil des Ausgleichs und stehen ihm gleichzeitig im Weg. Sie treten meist in Zeiten eines großen Ungleichgewichtes zu Tage.

So entstand beispielsweise der Kommunismus aus der Unterdrückung der Arbeiterklasse heraus, die aber gleichzeitig an Bedeutung immer weiter zunahm. Doch die starre Ideologie des „real existierenden Sozialismus“ konnte nicht genug auf Veränderungen reagieren und ging letztlich an der eigenen Unflexibilität zugrunde. Der Anspruch, die absolute Wahrheit gefunden zu haben, war bereits der Kern des Untergangs.