Immanuel Kants „Selbstzweckformel“

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Inhaltsverzeichnis

1. Ein­lei­tung
2. Haupt­teil

__2.1 Merk­ma­le von Kants „Kate­go­ri­schem Impe­ra­tiv“
__2.2 Kants „Selbst­zweck­for­mel“ im Über­blick“
__2.3 Die Selbst­zweck­for­mel in der Anwen­dung
_.……_2.3.1 Das Ver­bot des Selbst­mor­des
.……__2.3.2 Das Ver­bot eines fal­schen Ver­spre­chens
.……__2.3.3 Das Gebot der Kul­ti­vie­rung der eige­nen Anla­gen
.……__2.3.4 Das Gebot der Hil­fe
.……__2.3.5 Fazit
3. Schluss­be­mer­kung
4. Quel­len- und Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

1. Ein­lei­tung

Bei der Beschäf­ti­gung mit Ethik und Moral stößt man unwi­der­ruf­lich auf die phi­lo­so­phi­schen Über­le­gun­gen von Imma­nu­el Kant (1724–1804) und die von ihm pro­kla­mier­te   „Selbst­zweck­for­mel“. Die­se ist Teil des „Kate­go­ri­schen Impe­ra­tivs“ (KI). Ins­ge­samt for­mu­lier­te Kant fünf Fas­sun­gen des kate­go­ri­schen Impe­ra­tivs. Einen maß­geb­li­chen Bei­trag zur Unter­tei­lung der For­meln des kate­go­ri­schen Impe­ra­tivs leis­te­te Her­bert James Paton in sei­ner Schrift „Der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv: eine Unter­su­chung über Kants Moral­phi­lo­so­phie“. Unstrit­tig ist, dass die Über­le­gun­gen Kants rund um den kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv auf geis­tes­wis­sen­schaft­li­chem Gebiet, spe­zi­ell in der Ethik, sehr ein­fluss­reich sind. Für den momen­tan an der Hum­boldt Uni­ver­si­tät leh­ren­den Phi­lo­so­phen und Kant-Exper­ten Vol­ker Ger­hardt, bei dem ich wäh­rend mei­ner Uni-Zeit ein paar inter­es­san­te Ver­an­stal­tun­gen besuch­te, ist der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv „das ein­ge­schrie­be­ne Prin­zip einer jeden Moral, die auf Begrif­fe gegrün­det ist.“1

Von den Kri­ti­kern des kate­go­ri­schen Impe­ra­tivs ist dage­gen oft zu lesen, dass es sich bei die­sem nur um eine blo­ße Leer­for­mel han­delt, wie der Phi­lo­soph Arthur Scho­pen­hau­er (1788–1860) einst fest­stell­te, oder die­ser rein for­ma­lis­tisch sei, wie sich bei­spiels­wei­se aus der Kri­tik des Phi­lo­so­phen Georg Wil­helm Fried­rich Hegel (1770–1831) an der kan­ti­schen Ethik schluss­fol­gern lässt. Der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv bzw. die kan­ti­sche Ethik wird in der heu­ti­gen For­schung dem Nicht-Kon­se­quen­tia­lis­mus zuge­ord­net, dem der Kon­se­quen­tia­lis­mus gegen­über­steht. Wäh­rend die Ver­tre­ter letz­te­rer Posi­ti­on (am wei­tes­ten ver­brei­tet ist die uti­li­ta­ris­ti­sche Ethik) der Über­zeu­gung sind, dass Hand­lun­gen allein danach zu beur­tei­len sind, wie erstre­bens­wert oder gut ihre Fol­gen sind, stel­len die Ver­tre­ter der nicht­kon­se­quen­tia­lis­ti­schen Ethik her­aus, dass die (Vor-)Überlegungen zu einer Hand­lung wich­ti­ger als deren Fol­gen sind. Für Kant ist am bedeu­tungs­volls­ten, wel­che Gesin­nung bzw. Maxi­me hin­ter einer Hand­lung steht. Im Fol­gen­den wer­de ich zunächst die wesent­li­chen Merk­ma­le des von Kant for­mu­lier­ten kate­go­ri­schen Impe­ra­tivs kurz skiz­zie­ren und anschlie­ßend auf die von ihm for­mu­lier­te „Selbst­zweck­for­mel“ zu spre­chen kom­men. Bezüg­lich der Anwen­dung der Selbst­zweck­for­mel gehe ich auch auf die vier berühm­ten Bei­spie­le Kants ein.

Zur bes­se­ren Ori­en­tie­rung eine Gra­fik zur Ein­ord­nung der Selbst­zweck­for­mel:

2. Haupt­teil

2.1 Merk­ma­le von Kants „Kate­go­ri­schem Impe­ra­tiv“

Kants ethi­sche Über­le­gun­gen rund um den kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv haben die phi­lo­so­phi­sche Dis­zi­plin der Ethik bis in die heu­ti­ge Zeit hin­ein maß­geb­lich geprägt und auch dar­über hin­aus eine nicht uner­heb­li­che Wir­kungs­macht ent­fal­tet. Es stellt sich die Fra­ge: Was soll der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv Kants leis­ten? Dazu zitie­re ich zunächst ein­mal eine pro­mi­nen­te Fas­sung der dem kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv zuge­ord­ne­ten For­meln aus der „Grund­le­gung zur Meta­phy­sik der Sit­ten” (GMS):

Hand­le nur nach der­je­ni­gen Maxi­me, durch die du zugleich
wol­len kannst, daß sie ein all­ge­mei­nes Gesetz wer­de.“2

Bereits an die­ser For­mel lässt sich erken­nen, wor­auf Kant abzielt. Für ihn ist der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv eine Art von uni­ver­sel­ler Ori­en­tie­rungs­re­gel. Die Grund­la­ge sei­ner Moral­phi­lo­so­phie ist also die Fra­ge: Wie soll ich han­deln? Der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv ist in die­sem Zusam­men­hang kein kon­kre­tes Hand­lungs­ziel, son­dern ein uni­ver­sel­ler Maß­stab, an dem die ethi­sche Qua­li­tät des eige­nen Han­delns bewer­tet wer­den soll und der dazu ver­pflich­tet, die eige­ne Hand­lungs­ori­en­tie­rung und die der Mit­men­schen in Über­ein­stim­mung zu brin­gen. Für Kant steht das auto­no­me, mit Ver­nunft3 und Wil­le4 aus­ge­stat­te­te Indi­vi­du­um im Mit­tel­punkt, das dazu fähig ist, sein Han­deln selbst zu bestim­men. Um mora­li­sches Han­deln zu beschrei­ben, ver­wen­det Kant Begrif­fe wie guter Wil­le, Pflicht und Maxi­me. Für Kant ist der „gute Wil­le […] nicht durch das, was er bewirkt oder aus­rich­tet, nicht durch sei­ne Taug­lich­keit zu Errei­chung irgend eines vor­ge­setz­ten Zwe­ckes, son­dern allein durch das Wol­len, d.i. an sich gut“5. Mit ande­ren Wor­ten: Der Zweck hei­ligt nicht die Mit­tel, son­dern die Gesin­nung bzw. Absicht des han­deln­den Men­schen ist ent­schei­dend. Dem­nach ist ein Han­deln dann ein mora­li­sches, „wenn es aus einem guten Wil­len erfolgt, der aber Pflich­ten benö­tigt, die ihrer­seits irgend­wie all­ge­mein oder regel­haft sein müs­sen, also Maxi­men ein­schlie­ßen.“6 Die­se Maxi­men (Prin­zip des Wol­lens) sind laut Kant ein sub­jek­ti­ver bzw. per­sön­li­cher Grund­satz des Wol­lens eines bestimm­ten Men­schen, der sei­ne Maxi­me mit­tels des KI auf ihre Ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hig­keit zu über­prü­fen hat, da die Maxi­me nur dann mora­lisch rich­tig sei, wenn sie als ein objek­ti­ves Gesetz gel­ten kön­ne.

2.2 Kants „Selbst­zweck­for­mel“ im Über­blick

Kants For­mel des „Zwe­ckes an sich selbst“ (Selbst­zweck­for­mel) lau­tet wie folgt:

Hand­le so, daß du die Mensch­heit sowohl in dei­ner Per­son, als in der Per­son eines jeden andern jeder­zeit zugleich als Zweck, nie­mals bloß als Mit­tel brau­chest.“7

Was will uns Kant damit sagen? Um dar­auf eine adäqua­te Ant­wort geben zu kön­nen, ist es zunächst ein­mal wich­tig zu wis­sen, was Kant unter dem in der Selbst­zweck­for­mel genann­ten „Zweck“ über­haupt ver­steht. Dazu schreibt er, dass „das, was dem Wil­len zum objek­ti­ven Grun­de sei­ner Selbst­be­stim­mung dient, der Zweck“8 sei. Hin­sicht­lich sei­ner Über­le­gun­gen rund um den kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv kommt Kant zu dem Schluss, dass es mehr als nur rela­ti­ve Zwe­cke gebe, näm­lich Zwe­cke, die von allen ver­nünf­ti­gen Wesen not­wen­dig bei ihren Hand­lun­gen zu ver­fol­gen oder zu berück­sich­ti­gen sei­en – damit meint er abso­lu­te Zwe­cke, also Zwe­cke an sich. Dage­gen hät­ten rela­ti­ve Zwe­cke nur für uns selbst einen Wert, da die­se nur den Wunsch oder das Stre­ben nach einem noch nicht exis­ten­ten Gegen­stand oder Zustand bedeu­ten wür­den — also Zwe­cke, die wir uns empi­risch set­zen und die aus­schließ­lich Mit­tel zur Befrie­di­gung unse­rer eige­nen Bedürf­nis­se sei­en. Bei­spiels­wei­se der Wunsch, ins Kino zu gehen, oder das Bestre­ben, mei­ne eige­ne Lebens­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Dem­ge­gen­über sei­en Zwe­cke an sich selbst objek­ti­ve Zwe­cke, die unab­hän­gig von sub­jek­ti­ven Inter­es­sen und Mit­tel-Zweck-Bezie­hun­gen einen abso­lu­ten Wert besä­ßen. Kant unter­schei­det im Bereich mensch­li­cher Zweck­set­zun­gen zwi­schen dem, was einen Preis hat, und dem, was eine Wür­de besitzt. Er führt aus, dass all jenes, was „sich auf die all­ge­mei­nen mensch­li­chen Nei­gun­gen und Bedürf­nis­se bezieht, […] einen Markt­preis, [und] das, was, auch ohne ein Bedürf­nis vor­aus­zu­set­zen, einem gewis­sen Geschma­cke, d. i. einem Wohl­ge­fal­len am blo­ßen zweck­lo­sen Spiel unse­rer Gemüts­kräf­te, gemäß ist, einen Affek­ti­ons­preis [hat]; das aber, was die Bedin­gung aus­macht, unter der allein etwas Zweck an sich selbst sein kann, hat nicht bloß einen rela­ti­ven Wert, d. i. einen Preis, son­dern einen innern Wert, d. i. Wür­de.“9 Hier­bei unter­schei­det Kant zwi­schen Sachen und Per­so­nen – unter letz­te­rem ver­steht er auto­no­me Ver­nunft­we­sen. Wäh­rend für ihn eine Sache nur einen rela­ti­ven Zweck, also einen Preis, hat, sind Per­so­nen Zwe­cke an sich selbst und besit­zen Wür­de. Dabei kommt der Auto­no­mie eine zen­tra­le Rol­le zu, denn nur sie sei „der Grund der Wür­de der mensch­li­chen und jeder ver­nünf­ti­gen Natur.“10 Allein die­se Auto­no­mie wür­de dazu befä­hi­gen, mora­li­sche Geset­ze frei und selbst­be­stimmt auf­stel­len und befol­gen zu kön­nen. Ein Ver­nunft­we­sen bzw. eine Per­son wie­der­um wür­de ent­we­der als Glied oder sogar als Ober­haupt, „wenn es gesetz­ge­bend kei­nem Wil­len eines andern unter­wor­fen ist“11, dem soge­nann­ten Reich der Zwe­cke „sowohl der ver­nünf­ti­gen Wesen als Zwe­cke an sich, als auch der eige­nen Zwe­cke, die ein jedes sich selbst set­zen mag“12, ange­hö­ren, „wenn es dar­in zwar all­ge­mein gesetz­ge­bend, aber auch die­sen Geset­zen selbst unter­wor­fen ist.“13 Das Reich der Zwe­cke resul­tiert für Kant aus der „sys­te­ma­ti­schen Ver­bin­dung ver­schie­de­ner ver­nünf­ti­ger Wesen durch gemein­schaft­li­che Geset­ze“14 und ist nur durch die Frei­heit des Wil­lens mög­lich. Doch damit dies auch zu gelin­gen ver­mag, bedarf es nach Kant der Ein­sicht, dass sowohl die eige­ne mensch­li­che Exis­tenz als auch die Exis­tenz der ande­ren Ver­nunft­we­sen als etwas objek­tiv Wert­vol­les, als Zweck an sich ver­stan­den wird.

2.3 Die Selbst­zweck­for­mel in der Anwen­dung

Nach­dem ich im vor­he­ri­gen Kapi­tel Kants Selbst­zweck­for­mel zu beschrei­ben ver­sucht habe, gehe ich nun auf ihre Anwen­dung ein. Es stellt sich die Fra­ge, was Kant mit der Selbst­zweck­for­mel aus­sa­gen woll­te, dass man also nie­mals jeman­den bloß als Mit­tel, son­dern zugleich auch als Zweck behan­deln sol­le. Inter­es­sant sind in die­sem Zusam­men­hang Kants vier berühm­te Bei­spie­le in der GMS:

2.3.1 Das Ver­bot des Selbst­mor­des

Kant argu­men­tiert, dass ein poten­ti­el­ler Selbst­mör­der sich gemäß dem Begrif­fe der not­wen­di­gen Pflicht gegen sich selbst fra­gen müs­se, „ob sei­ne Hand­lung mit der Idee der Mensch­heit als Zwecks an sich selbst zusam­men bestehen kön­ne“15 und kommt zu dem Schluss, dass ein Mensch, der, „um einem beschwer­li­chen Zustan­de zu ent­flie­hen, sich selbst zer­stört, […] sich einer Per­son bloß als eines Mit­tels zur Erhal­tung eines erträg­li­chen Zustan­des bis zu Ende des Lebens“16 bedie­ne. Jedoch kön­ne der Mensch in mei­ner Per­son nicht bloß als Sache bzw. Mit­tel gebraucht wer­den, da er ja zugleich auch immer Zweck an sich selbst sei. Damit unter­stellt Kant also, dass der poten­ti­el­le Selbst­mör­der sein eige­nes Leben bloß als Mit­tel zum Errei­chen einer wie auch immer gear­te­ten Glück­se­lig­keit (hier: die Erlö­sung vom leid­vol­len Leben durch Selbst­mord) ansieht und nicht als Selbst­zweck, womit er einen rela­ti­ven Wert (Glück­se­lig­keit) einem abso­lu­ten Wert (Der Mensch in mei­ner Per­son als Zweck an sich selbst) vor­zieht. Meint Kant damit viel­leicht, dass es einen Wert gibt, den der Mensch noch höher als das eige­ne phy­si­sche Leben zu schät­zen hat? Ja, näm­lich den ihm als Ver­nunft­we­sen inne­woh­nen­den Wert der Wür­de (sie­he Kapi­tel 2.2). Im kon­kre­ten Bezug auf den Selbst­mord eines Men­schen führt er in der Meta­phy­sik der Sit­ten (MdS) aus, dass das Ver­nich­ten des Sub­jekts „der Sitt­lich­keit in sei­ner eige­nen Per­son […] eben so viel [ist], als die Sitt­lich­keit selbst ihrer Exis­tenz nach […] aus der Welt [zu] ver­til­gen, wel­che doch Zweck an sich selbst ist.“17 Damit ver­bun­den prä­sen­tiert Kant ein prak­ti­sches Bei­spiel, das für das Ver­ständ­nis der Selbst­zweck­for­mel äußerst dien­lich ist:

Sich eines inte­grie­ren­den Teils als Organ berau­ben (ver­stüm­meln), z. B. einen Zahn zu ver­schen­ken, oder zu ver­kau­fen, um ihn in die Kinn­la­de eines andern zu pflan­zen, oder die Kas­tra­ti­on mit sich vor­neh­men zu las­sen, um als Sän­ger beque­mer leben zu kön­nen, u. dgl. gehört zum par­tia­len Selbst­mor­de; aber nicht, ein abge­stor­be­nes oder die Abster­bung dro­hen­des, und hie­mit dem Leben nach­tei­li­ges Organ durch Ampu­ta­ti­on, oder, was zwar ein Teil, aber kein Organ des Kör­pers ist, z. E. die Haa­re, sich abneh­men zu las­sen, kann zum Ver­bre­chen an sei­ner eige­nen Per­son nicht gerech­net wer­den; wie­wohl der letz­te­re Fall nicht ganz schuld­frei ist, wenn er zum äuße­ren Erwerb beab­sich­tigt wird.“18

Die vor­her­ge­hen­de Aus­sa­ge Kants lässt den Schluss zu, dass der Kör­per des Men­schen einen beson­de­ren Sta­tus gegen­über ande­ren äuße­ren Sachen ein­nimmt. Doch was macht die­sen so beson­ders? Sei­ne blo­ße mate­ri­el­le Exis­tenz? Nein, der Mensch als eine Kom­bi­na­ti­on aus Sinn­we­sen und Ver­nunft­we­sen spielt die ent­schei­den­de Rol­le. Tötet er sich nun selbst, dann zer­stört er bei­des. Zur Ver­mei­dung eines wei­te­ren bzw. künf­ti­gen kör­per­li­chen Lei­dens opfert er sei­ne Per­sön­lich­keit bzw. die ihr inne­woh­nen­de Wür­de als Preis für die Beför­de­rung der eige­nen Glück­se­lig­keit (= Been­di­gung sei­nes Lei­dens durch Selbst­mord). Damit ver­kommt die Per­sön­lich­keit bzw. Per­son des Men­schen zu einem rei­nen Mit­tel zur Befrie­di­gung sei­ner Glück­se­lig­keit. Und was ist dar­an so schlimm? Laut Kant ermög­licht nur die eige­ne Per­sön­lich­keit dem Men­schen, „sich als mora­li­sches Sub­jekt zu ver­ste­hen und ent­spre­chend zu han­deln. Wenn es mora­lisch erlaubt wäre, die eige­ne Per­sön­lich­keit nicht in allen Hand­lun­gen zugleich als Zweck an sich selbst zu respek­tie­ren, dann wäre es mora­lisch erlaubt, die Mög­lich­keit, mora­lisch zu sein, zu ver­nich­ten.“19 Auf der ande­ren Sei­te hält es Kant für legi­tim, zu Guns­ten eines Zwe­ckes wie der Selbst­er­hal­tung Glie­der des eige­nen Kör­pers zu ampu­tie­ren oder sich einer Lebens­ge­fahr aus­zu­set­zen. Denn hier bleibt die Ach­tung der Per­sön­lich­keit bzw. Wür­de des Men­schen gewahrt. Kant geht es hier­bei um etwas Grund­sätz­li­ches, näm­lich um nichts ande­res als das Grund­ge­rüst sei­ner Ethik. Denn wür­de man durch Selbst­tö­tung eine Selbst­auf­he­bung der Frei­heit, die ja bei Kant die Auto­no­mie dar­stellt, zulas­sen, dann wür­de die Grund­la­ge für die Moral bzw. Wür­de des Men­schen, so wie sie Kant ver­steht, weg­fal­len. Es könn­te nichts mehr mora­lisch begrün­det wer­den, da nun­mehr die Ver­bind­lich­keit der Moral ent­fällt.

Kant fragt nun, ob „beim Men­schen die Frei­heit, die der höchs­te Grad des Lebens ist und den Wert des­sel­ben aus­macht, ein Princi­pi­um sein [soll], sich selbst zu zer­stö­ren? Die­ses ist das Erschreck­lichs­te, was sich den­ken läßt, denn wer es soweit gebracht hat, daß er jedes­mal ein Meis­ter über sein Leben ist, der ist auch Meis­ter über jedes ande­ren sein Leben, dem ste­hen Türen zu allen Las­tern offen, denn ehe man ihn hab­haft wer­den kann, ist er bereit, sich aus der Welt weg­zu­steh­len.“20 So wird deut­lich, war­um der Selbst­mord im Sin­ne von Kants Ethik ein Pro­blem dar­stellt. Denn mit dem Akt der Selbst­tö­tung zer­stört der Mensch das, was ihn zu einem selbst­be­stimm­ten Ver­nunft­we­sen macht, näm­lich sei­ne Auto­no­mie, die es ihm ermög­licht, sich als Wesen der Frei­heit zu begrei­fen und aus die­ser Frei­heit her­aus zu han­deln. Doch genau die­ses Han­deln aus Frei­heit bedeu­tet nach Kant, dass man eben nicht alles tun kann, wonach es einem beliebt, son­dern dass man sich selbst auch gewis­se Gren­zen im Han­deln setzt (= Selbst­ge­setz­ge­bung). Die­sen Ansatz Kants hal­te ich für sehr wich­tig, da deut­lich gemacht wer­den soll, dass mit einem Han­deln aus Frei­heit auch immer Ver­ant­wor­tung für sel­bi­ges ein­her­geht.

Neh­men wir an, dass ich Selbst­mord­ge­dan­ken hege, weil ich mich in einer schwie­ri­gen oder aus­weg­los erschei­nen­den Lebens­si­tua­ti­on zu befin­den den­ke. Viel­leicht habe ich gera­de mei­nen Job ver­lo­ren, zugleich ist mei­ne Bezie­hung zu Bruch gegan­gen und ich habe einen enorm hohen Kre­dit zurück­zu­zah­len (Bei­spiel 1) oder ich lei­de an einer unheil­ba­ren und schmerz­ver­ur­sa­chen­den Krank­heit (Bei­spiel 2). Sol­che Situa­tio­nen kön­nen dem unmit­tel­bar Betrof­fe­nen als äußerst tra­gisch und hoff­nungs­los erschei­nen und in ein­zel­nen Fäl­len ver­mag gar der Wunsch zu einer Selbst­tö­tung her­an­rei­fen, wenn der Betrof­fe­ne  in Bei­spiel 1 den inne­ren und äuße­ren Druck, der auf ihm las­tet, als über­wäl­ti­gend emp­fin­det sowie in Bei­spiel 2 er kei­ne Aus­sicht mehr auf ein lebens­wer­tes Leben hat, sich also nichts mehr als ein schnel­les Able­ben erhofft und die­ses dann auch aktiv her­bei­zu­füh­ren gedenkt. Doch auch und gera­de in solch tra­gi­schen und aus­weg­los anmu­ten­den Situa­tio­nen ist es rat­sam, zunächst ein­mal eine Wei­le inne­zu­hal­ten und zu hin­ter­fra­gen, ob es nicht doch einen ande­ren Aus­weg als die Selbst­tö­tung gibt. In Bei­spiel 1 könn­te dies bedeu­ten, sich zunächst Unter­stüt­zung bei guten Freun­den (wenn vor­han­den), Rat bei einem Psy­cho­lo­gen und einer Schuld­ner­be­ra­tung zu holen. Auch in Bei­spiel 2 wäre es vor­stell­bar, dass man sich bei see­li­schen Lei­den zunächst an ver­trau­te Men­schen (Lebens­part­ner, bes­ter Freund etc.) wen­det oder eine psy­cho­lo­gi­sche Bera­tung ein­holt und sich bei phy­sio­lo­gi­schen Lei­den wie Schmerz aus­führ­lich dar­über infor­miert, ob es medi­zi­ni­sche Metho­den gibt, die die­se zu lin­dern imstan­de wären.

Auch soll­te man in sei­ne Über­le­gun­gen mit­ein­be­zie­hen, was eine Selbst­tö­tung für Kon­se­quen­zen für das sozia­le Umfeld bedeu­ten könn­te. So z. B., wenn man eige­ne Kin­der hat, die gera­de auf­wach­sen und die mit dem Vater oder der Mut­ter, die sich aus einem ver­meint­lich uner­träg­li­chen Zustand durch Selbst­tö­tung zu befrei­en geden­ken, eine für ihre wei­te­re Ent­wick­lung bedeu­ten­de Ver­trau­ens­per­son ver­lie­ren wür­den. Natür­lich sind sol­che Über­le­gun­gen sehr abs­trakt und jedes mensch­li­che Schick­sal ist ein Fall für sich. Ich will aber zum Aus­druck brin­gen, dass man sich bei noch kla­rem Ver­stan­de stets die Kon­se­quen­zen eige­nen Han­delns sowohl für einen selbst als auch ande­re stets vor Augen hal­ten und nicht leicht­fer­tig han­deln soll­te, schon gar nicht bei Ent­schei­dun­gen über Leben und Tod. Unab­hän­gig davon gibt es sicher­lich auch genü­gend Situa­tio­nen, wo der Betrof­fe­ne psy­chisch so krank ist, dass er die geschil­der­ten Über­le­gun­gen nicht mehr durch­zu­füh­ren imstan­de ist – hier grei­fen die ethi­schen Vor­stel­lun­gen Kants aber nicht mehr, da bei einer sol­chen Per­son die Fähig­keit, auto­nom zu han­deln, in Fra­ge gestellt wäre. Dabei sei jedoch ange­merkt, dass die­se Bei­spie­le natür­lich kei­ne exak­te Aus­le­gung der Über­le­gun­gen Kants zur Selbst­zweck­for­mel dar­stel­len, son­dern deut­lich machen sol­len, dass ich es für sehr wich­tig erach­te, dass man sich zumin­dest ernst­haft mit der Absicht, sich töten zu wol­len, aus­ein­an­der­setzt, wenn man dazu in der Lage ist. Bei­spiels­wei­se wür­de ich die Selbst­tö­tung nicht grund­sätz­lich ableh­nen, so wie es Kant tut.

Zwar mag eine Selbst­tö­tung gemäß sei­ner Über­le­gun­gen im Zusam­men­hang mit der von ihm for­mu­lier­ten Zweck-Mit­tel-For­mel mora­lisch ver­werf­lich sein. Doch stel­len wir uns die Extrem­si­tua­ti­on vor, in der ein Mensch tod­krank ist, die Krank­heit sei­nen Kör­per nach und nach zer­stört und man sei­ne Schmer­zen nicht bedeu­tend zu lin­dern imstan­de ist. Wie könn­te man in die­ser Extrem­si­tua­ti­on sei­ne Ent­schei­dung, ster­ben zu wol­len, als mora­lisch ver­werf­lich in Fra­ge stel­len? Schließ­lich gibt es auch rein ratio­nal kei­ne Aus­sicht mehr für ihn, ein lebens­wer­tes Leben zu füh­ren. Wenn der not­wen­di­ge Antrieb bzw. das not­wen­di­ge Mit­tel, wie die Lust am Leben bzw. der Selbst­er­hal­tungs­trieb, das ihn dazu bringt, das Wei­ter­le­ben als höchs­ten Wert bzw. höchs­ten Zweck anzu­stre­ben, nicht mehr exis­tiert: Wäre dann nicht eine Selbst­tö­tung legi­tim? Es zeigt sich, dass die Über­le­gun­gen Kants zum Ver­bot des Selbst­mor­des gewis­se Plau­si­bi­li­täts­pro­ble­me auf­wei­sen, da sei­ne stren­gen meta­phy­si­schen Anfor­de­run­gen an ein mora­lisch rich­ti­ges Han­deln nur schwer­lich 1:1 ins prak­ti­sche Leben über­trag­bar erschei­nen. Damit ver­bun­den ist eben­so auf­fäl­lig, dass es Kant kei­nes­wegs gelingt, aus­schließ­lich „eine rei­ne Moral­phi­lo­so­phie zu bear­bei­ten, die von allem, was nur empi­risch sein mag und zur Anthro­po­lo­gie gehört, völ­lig gesäu­bert wäre“21 und das Sys­tem mora­li­scher Pflich­ten „a prio­ri ledig­lich in Begrif­fen der rei­nen Ver­nunft“22 zu begrün­den, was sei­ne Aus­füh­run­gen zum Ver­bot des Selbst­mor­des recht gut ver­an­schau­li­chen. Denn Kant setzt – natür­lich zu Recht – die empi­ri­sche Erkennt­nis vor­aus, „daß der Mensch ein orga­ni­sches Lebe­we­sen ist, zu des­sen Funk­tio­nie­ren Lust/Unlustempfindungen erfor­der­lich sind; fer­ner daß dem Men­schen Wid­rig­kei­ten zusto­ßen und die­se sich zum Lebens­über­druß anwach­sen kön­nen; nicht zuletzt, daß der Mensch ver­letz­lich ist und sich sel­ber töten kann.“23

2.3.2 Das Ver­bot eines fal­schen Ver­spre­chens

Ging es eben um die Pflicht gegen sich selbst, so kommt Kant nun­mehr auf die Pflich­ten gegen­über ande­ren zu spre­chen. Hier beschreibt er die Situa­ti­on, in der sich jemand durch Not dazu genö­tigt sieht, von einem ande­ren Geld aus­zu­lei­hen. Selbst­ver­ständ­lich ist sich der­je­ni­ge, der das Geld zu lei­hen gedenkt, der Tat­sa­che bewusst, dass er das Geld nur dann bekommt, wenn er fest ver­spricht, dass er die­ses auch zurück­zah­len wird. Obwohl er dies natür­lich nicht kön­nen wird. Kant fragt sich nun, ob ein Han­deln des Geld­aus­lei­hers gemäß der Maxi­me, dass er das Geld aus­leiht, obwohl er weiß, dass er es nicht zurück­zah­len wird und doch eben dies dem Geld­ver­lei­her ver­spricht, recht sei, wenn man die Maxi­me zu einem all­ge­mei­nen Gesetz erhe­ben wür­de. Kant stellt fest, dass solch ein Vor­satz „das Ver­spre­chen und den Zweck, den man damit haben mag, selbst unmög­lich machen [wür­de], indem nie­mand glau­ben wür­de, daß ihm was ver­spro­chen sei, son­dern über alle sol­che Äuße­rung als eit­les Vor­ge­ben lachen wür­de.“24 Mora­lisch von beson­de­rer Bedeu­tung ist hier­bei, dass der Geld­aus­lei­her in dem Wis­sen han­delt, dass er dem Geld­ver­lei­her das aus­ge­lie­he­ne Geld nicht zurück­zah­len kann und die­sen damit bewusst belügt. Hier­bei geht es Kant vor allem „um die Zustim­mungs­mög­lich­keit des von mei­ner Hand­lung Betrof­fe­nen. Im Bei­spiel kann der ande­re nur der tem­po­rä­ren und nicht der end­gül­ti­gen Abhil­fe mei­ner Geld­not zustim­men.“25 Ergän­zend fügt Kant hin­zu, dass hin­sicht­lich von Rechts­ver­stö­ßen wie bei Angrif­fen auf das Eigen­tum und die Frei­heit ande­rer ein Ein­griff in die Frei­heit des ande­ren noch deut­li­cher zu Tage tre­ten wür­de. Laut Kant kann das fal­sche Ver­spre­chen kein mora­lisch erlaub­tes Mit­tel zur Errei­chung eines prag­ma­ti­schen Zie­les sein, da das Wol­len des­je­ni­gen, der es abgibt, nicht kon­se­quent ist: „Er muß, um die­ses Mit­tel gebrau­chen zu kön­nen, wol­len, daß die Erfül­lung bestimm­ter Bedin­gun­gen all­ge­mein unter­stellt wird, und muß zugleich wol­len, selbst genau die­se Bedin­gun­gen nicht zu erfül­len: Er muß sich also die Aus­nah­me erlau­ben, das Pri­vi­leg für sich in Anspruch zu neh­men, daß ein fal­sches Ver­spre­chen, das nicht als Ver­spre­chen gel­ten kann, aus­nahms­wei­se als Ver­spre­chen gel­ten soll.“26

2.3.3 Das Gebot der Kul­ti­vie­rung der eige­nen Anla­gen

Im drit­ten Bei­spiel erläu­tert Kant eine wei­te­re Pflicht gegen sich selbst. Er for­mu­liert eine „Maxi­me der Ver­wahr­lo­sung sei­ner Natur­ga­ben“. So heißt es: „Ein drit­ter fin­det in sich ein Talent, wel­ches ver­mit­telst eini­ger Kul­tur ihn zu einem in aller­lei Absicht brauch­ba­ren Men­schen machen könn­te. Er sieht sich aber in beque­men Umstän­den und zieht vor, lie­ber dem Ver­gnü­gen nach­zu­hän­gen, als sich mit Erwei­te­rung und Ver­bes­se­rung sei­ner glück­li­chen Natur­anla­gen zu bemü­hen.“27 Was will uns Kant damit sagen? Sei­ner Ansicht nach ist es für jeden Men­schen gebo­ten, auch dann die Kul­ti­vie­rung der ihm inne­woh­nen­den Talen­te zu betrei­ben, wenn er sich in einer beque­men Situa­ti­on befin­det, die ihm erlaubt, sich nur sei­nem Ver­gnü­gen hin­zu­ge­ben. Anders als bei den Bei­spie­len zum Ver­bot des Selbst­mor­des und des fal­schen Ver­spre­chens wird in die­sem Fall jedoch nicht gleich die Per­sön­lich­keit eines Men­schen auf­ge­ho­ben, wenn er der oben erwähn­ten Maxi­me nicht nach­kommt. Denn Kant stellt fest, dass „eine Natur nach einem sol­chen Geset­ze immer noch bestehen kön­ne, obgleich der Mensch […] sein Talent ros­ten lie­ße und sein Leben bloß auf Müßig­gang, Ergötz­lich­keit, Fort­pflan­zung, mit einem Wort auf Genuß zu ver­wen­den bedacht wäre; allein er kann unmög­lich wol­len, daß die­ses ein all­ge­mei­nes Natur­ge­setz wer­de, oder als ein sol­ches in uns durch Natur­instinkt gelegt sei.

Denn als ver­nünf­ti­ges Wesen will er not­wen­dig, daß alle Ver­mö­gen in ihm ent­wi­ckelt wer­den, weil sie ihm doch zu aller­lei mög­li­chen Absich­ten dien­lich und gege­ben sind.“28 Für Kant ist die Maxi­me der „Bequem­lich­keit“ also des­halb unmo­ra­lisch, weil sie angeb­lich eine Inkon­sis­tenz im Wol­len dar­stellt. Nicht zu Unrecht wirft er die Fra­ge­stel­lung auf, ob es wirk­lich sinn­voll sein kann, sich aus­schließ­lich vom glück­li­chen Ver­lauf äuße­rer Umstän­de abhän­gig zu machen, die uns ein Leben in Bequem­lich­keit und Genuss ermög­li­chen. Kant wirft die Fra­ge auf, ob die Men­schen nicht viel­mehr die zur Rea­li­sie­rung der Moral uner­läss­li­chen Fähig­kei­ten, wie z. B. die Intel­lek­tua­li­tät, aus­bil­den und ent­wi­ckeln sowie ler­nen [sol­len], „sich Geschick­lich­keit erwer­ben, […] sich Werk­zeu­ge und wei­ter­rei­chen­de Insti­tu­tio­nen zu ihrer Ent­las­tung und zur Stei­ge­rung ihrer Mög­lich­kei­ten schaf­fen“29 sol­len. Kant erhebt hier den berech­tig­ten Vor­wurf der Fahr­läs­sig­keit, der sich dar­auf grün­det, „daß Men­schen, wenn sie ihre mensch­li­che Lebens­wei­se, ihr Sein als welt­of­fe­ne und bedürf­ti­ge Wesen und die prin­zi­pi­el­le Unsi­cher­heit ihrer Pro­gno­sen ernst­haft beden­ken, kon­se­quen­ter Wei­se auf Mit­tel ihrer Lebens­füh­rung und ihres unter allen Umstän­den vor­han­de­nen Stre­bens nach Glück­se­lig­keit nicht ver­zich­ten wol­len kön­nen.“30

Doch da der Mensch auch dazu imstan­de ist, der Maxi­me zu fol­gen, sei­ne Talen­te ros­ten zu las­sen, ohne sei­ner Natur als ratio­na­lem Wesen zu wider­spre­chen, zählt das Gebot der Kul­ti­vie­rung der eige­nen Anla­gen zu den unvoll­kom­me­nen Pflich­ten, die zwar als all­ge­mei­ne Geset­ze gedacht, aber nicht wider­spruchs­frei gewollt wer­den kön­nen. Die Ent­wick­lung der eige­nen Anla­gen dient laut Kant als Mit­tel zum Zwe­cke der sitt­li­chen Ver­voll­komm­nung der gesam­ten Men­schen­gat­tung. Hier kom­men wei­te­re Über­le­gun­gen Kants ins Spiel, die u.a. in der Kri­tik der Urteils­kraft zu fin­den sind, wo es heißt, dass die „Her­vor­brin­gung der Taug­lich­keit eines ver­nünf­ti­gen Wesens zu belie­bi­gen Zwe­cken über­haupt (folg­lich in sei­ner Frei­heit) […] die Kul­tur [ist]. Also kann nur die Kul­tur der letz­te Zweck sein, den man der Natur in Anse­hung der Men­schen­gat­tung bei­zu­le­gen Ursa­che hat.“31 Dank eben jener Taug­lich­keit ver­mag der Mensch Wis­sen­schaft und Kunst her­vor­zu­brin­gen, die Teil der Kul­tur sind. Die kul­tu­rel­le Ent­wick­lung befä­higt den Men­schen dazu, sich dem Sit­ten­ge­setz ent­spre­chend zu ver­hal­ten, also sei­ne mora­li­schen Fähig­kei­ten zu ent­fal­ten und in Frei­heit zu han­deln. Kant unter­schei­det zwi­schen zwei Kul­tu­ren: näm­lich einer „»Cul­tur der Geschick­lich­keit«, in der sich der Mensch die äuße­re Vor­aus­set­zung zur Ent­fal­tung und Durch­set­zung sei­ner Zie­le ver­schafft, und einer »Cul­tur der Zucht (Dis­zi­plin)«, in der man sich indi­vi­du­ell zur höchs­ten Form der Sitt­lich­keit stei­gern kann […]. […] Die von der Natur vor­ge­ge­be­ne Uni­ver­sa­li­tät wird durch die zwei­te Form der Kul­tur ver­stärkt […]. Die­se […] ist die der indi­vi­du­el­len Bil­dung, die nicht nur auf die äuße­ren Leis­tun­gen von Ver­stand und Ver­nunft bezo­gen ist, son­dern auch die […] mora­li­sche Selbst­er­zie­hung ein­be­zieht.“32

Dage­gen gehört für Kant zur Kul­tur der Geschick­lich­keit die Per­spek­ti­ve eines welt­bür­ger­li­chen Gan­zen, also ein Sys­tem aller Staa­ten. Die­se Über­le­gun­gen führ­te er im Auf­satz „Idee zu einer all­ge­mei­nen Geschich­te in welt­bür­ger­li­cher Absicht“ aus dem Jah­re 1784 wei­ter aus. Von zen­tra­ler Bedeu­tung bezüg­lich des mora­li­schen Gehalts ist hier­bei, dass die „«Civi­li­si­rung» durch das Recht […] bes­se­re Bedin­gun­gen für die «Mora­li­sie­rung» des Ein­zel­nen [schafft]; die Ent­fal­tung von Wis­sen­schaft und Kunst för­dert das mora­li­sche Emp­fin­den und lässt somit erwar­ten, dass der Mensch emp­fäng­li­cher für alles ist, was ihm die Sitt­lich­keit gebie­tet.“33

2.3.4 Das Gebot der Hil­fe

Im Zuge die­ses Bei­spiels hin­ter­fragt Kant, ob es zur Siche­rung und Ver­bes­se­rung der eige­nen Glück­se­lig­keit ein zuläs­si­ges Mit­tel sein kann, ande­ren Men­schen, die sich in Not befin­den, nicht zu hel­fen oder nichts zu ihrem Wohl­be­fin­den bei­zu­tra­gen. Und auch hier kommt er zu dem Schluss, dass gemäß einer sol­chen Maxi­me sehr wohl ein all­ge­mei­nes Natur­ge­setz bestehen kön­ne, es aber unmög­lich wäre, zu wol­len, dass ein der­ar­ti­ges Prin­zip als Natur­ge­setz gel­te. In Ver­bin­dung mit der Selbst­zweck­for­mel führt er aus, dass in Anse­hung der Pflich­ten gegen ande­re die eige­ne Glück­se­lig­keit der Natur­zweck wäre, den alle Men­schen hät­ten. Und wei­ter heißt es: „Nun wür­de zwar die Mensch­heit bestehen kön­nen, wenn nie­mand zu des andern Glück­se­lig­keit etwas bei­trü­ge, dabei aber ihr nichts vor­sätz­lich ent­zö­ge; allein es ist die­ses doch nur eine nega­ti­ve und nicht posi­ti­ve Über­ein­stim­mung zur Mensch­heit als Zweck an sich selbst, wenn jeder­mann auch nicht die Zwe­cke ande­rer, soviel an ihm ist, zu beför­dern trach­te­te.“34 Was will uns Kant damit sagen? Sicher­lich nicht, dass indi­vi­du­el­les Glücks­stre­ben grund­sätz­lich ver­werf­lich wäre. Viel­mehr ist die­ses die sub­jek­ti­ve Bedin­gung dafür, sich etwas zum Zweck zu set­zen. Dies steht in direk­tem Zusam­men­hang mit der zuvor erläu­ter­ten Pflicht der eige­nen Ver­voll­komm­nung, da die­se im Sin­ne Kants nicht grund­sätz­lich dem Stre­ben nach eige­ner Glück­se­lig­keit wider­spre­chen darf. War­um? „Es kann wohl nie­mand ver­pflich­tet wer­den, «sich zum Zwe­cke sei­ner Ver­voll­komm­nung ins Unglück zu stür­zen« […]. Wenn näm­lich Unzu­frie­den­heit, Krank­heit und Armut uns zu Zwe­cken hin­rei­ßen, die dem mora­li­schen Gesetz wider­spre­chen, bewah­ren uns Zufrie­den­heit, Gesund­heit und finan­zi­el­les Aus­kom­men, kurz: die eige­ne Glück­se­lig­keit davor, uns sol­che Zwe­cke zu set­zen.“35

Dabei ist es wich­tig zu wis­sen, dass Kant zwei Arten der Glück­se­lig­keit unter­schei­det: Einer­seits beschreibt er die­se als einen dem Men­schen zuge­hö­ri­gen Zustand, in dem sich die­ser befin­det. Die­ser Begriff der Glück­se­lig­keit ist empi­risch begrün­det und beschreibt den Wunsch und Wil­len eines Men­schen zur best­mög­li­chen Befrie­di­gung bestimm­ter Nei­gun­gen. Ande­rer­seits spricht Kant von der Idee der Glück­se­lig­keit, die a prio­ri sei, und zwar eine Vor­stel­lung des abso­lu­ten Glücks, ein Maxi­mum des Wohl­be­fin­dens. Dies ist für ihn das höchs­te Gut, das nie­mals von einem Men­schen erreicht wer­den kann. Dage­gen ist die empi­ri­sche Glück­se­lig­keit etwas, das jeder Mensch für sein Leben erlan­gen will. Die eige­ne Glück­se­lig­keit nun ist zwar ein Zweck, den jeder Mensch hat, der aber nie eine Pflicht ist. Denn es wäre ja auch gera­de­zu absurd, jeman­den ver­pflich­ten zu wol­len, einen Zustand der Zufrie­den­heit anstre­ben zu wol­len. Viel­mehr ist in der mensch­li­chen Natur bereits ange­legt, sich die eige­ne Glück­se­lig­keit wün­schen zu wol­len. Dage­gen ist die frem­de Glück­se­lig­keit ein Zweck, der zugleich Pflicht ist. Denn wenn durch „die all­ge­mei­ne Beför­de­rung >frem­der Glück­se­lig­keit< auch Zwe­cke unter­stützt wer­den, die ande­re um ihrer >eige­nen Voll­kom­men­heit< wil­len ver­fol­gen, ist die Beför­de­rung >frem­der Glück­se­lig­keit< also schon wegen der Unter­stüt­zung der eige­nen Voll­kom­men­heit zur Pflicht zu erhe­ben.“36 Kann denn ein ratio­nal den­ken­der und bei kla­rem Ver­stan­de sei­en­der Mensch in einer Lebens­la­ge, in der er zwin­gend auf die Hil­fe eines ande­ren Men­schen ange­wie­sen ist, wirk­lich wol­len, dass er die Hil­fe nur bekom­men wür­de, wenn der ande­re Mensch zufäl­lig gera­de ein­mal Lust hät­te, ihm die­se zu leis­ten?

Oder müss­te er nicht viel­mehr wol­len, dass der Ande­re ihm in die­ser Situa­ti­on unab­hän­gig von sei­ner Lust oder Unlust hilft? Letz­te­res ist – nicht zuletzt aus eige­ner Erfah­rung her­aus – weit­aus plau­si­bler. Da es aber gemäß einem all­ge­mei­nen Gesetz eine Nöti­gung bedeu­ten wür­de, den ande­ren dazu zu ver­pflich­ten, einem ande­ren Men­schen in der Not zu hel­fen, kann ich der Maxi­me, mei­ne eige­ne Glück­se­lig­keit zu beför­dern, nur wider­spruchs­los wol­len, indem ich in mei­ne Glück­se­lig­keit auch mei­ne Mit­men­schen ein­schlie­ße. Denn schließ­lich könn­te ich mich unter den geschil­der­ten Vor­aus­set­zun­gen nur dann auf die Hil­fe der ande­ren Men­schen ver­las­sen, wenn auch die­se die Glück­se­lig­keit in ihre Maxi­me auf­neh­men. Somit ist es mir nach Kant nur dann erlaubt, die eige­ne Glück­se­lig­keit zum Zweck zu machen, wenn ich mir – auch wenn ich dazu weni­ger geneigt sein möge – zugleich die Glück­se­lig­keit ande­rer zum Zweck mache. Dabei gilt jedoch die Ein­schrän­kung, dass jeg­li­che „Form, sich auf die­sem Wege an ande­ren zu berei­chern und ihre Dank­bar­keit zu erzwin­gen, […] dar­in aus­ge­schlos­sen [wird], eben­so wie das kom­mu­ni­ka­ti­ve Aus­schlach­ten der eige­nen Leis­tun­gen und Wohl­ta­ten. […] Die Unter­stüt­zung frem­der Zwe­cke ent­bin­det [zugleich] nicht von der kri­ti­schen Prü­fung die­ser Zwe­cke. Die­se aber erweist es zum Bei­spiel als nicht tugend­haft, für einen ande­ren zu lügen oder sei­nen Rechts­bruch durch eine eides­statt­li­che Erklä­rung zu decken und aus Freund­schaft sich an ein Schwei­ge­ge­bot gebun­den zu füh­len, das ein Unrecht deckt.“37 Sich der Glück­se­lig­keit wür­dig erweist sich der Mensch laut Kant nur dann, wenn er aus Pflicht han­delt. Nur dann ist sei­ne Hand­lung im Sin­ne des KI mora­lisch. Zwar las­sen sich laut Kant Pflich­ten wie das Hilfs­ge­bot sowie das Tötungs- und Lügen­ver­bot grund­sätz­lich nicht kon­se­quen­tia­lis­tisch, also von ihren Fol­gen her recht­fer­ti­gen: Den­noch hat man sich auch die Kon­se­quen­zen einer Hand­lung zu über­le­gen und ist dazu ange­hal­ten, stets zu hin­ter­fra­gen, ob die beab­sich­tig­te Hand­lung auch ein wirk­sa­mes Mit­tel zum ange­streb­ten Zweck ist.

2.3.5 Fazit

Bei der Aus­ein­an­der­set­zung mit den obi­gen Bei­spie­len Kants stell­te sich her­aus, dass er zwei Arten der Über­prü­fung von Maxi­men unter­schei­det: Einer­seits das „nicht den­ken kön­nen“, ande­rer­seits das „nicht wol­len kön­nen“. Er woll­te auf­zei­gen, dass all jene Maxi­men, die wir nicht wider­spruchs­frei den­ken oder wol­len kön­nen, ande­re Men­schen immer bloß als Mit­tel gebrau­chen. Dabei unter­schei­det er zwi­schen Pflich­ten gegen sich selbst (= Ver­bot des Selbst­mor­des; Gebot der Kul­ti­vie­rung der eige­nen Anla­gen) und Pflich­ten gegen ande­re (= Ver­bot eines fal­schen Ver­spre­chens; Gebot der Hil­fe). Die Tat­sa­che, dass Kants Argu­men­te in den Bei­spie­len teil­wei­se nicht in sich stim­mig bzw. nicht nach­voll­zieh­bar sowie auf das prak­ti­sche Leben bezo­gen oft unplau­si­bel erschei­nen und auch nicht aus­schließ­lich a prio­ri gel­ten, wie es ja sei­ne Ansprü­che rund um den kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv impli­zie­ren, rela­ti­viert in keins­ter Wei­se die gro­ße Bedeu­tung sei­ner Über­le­gun­gen in mora­li­scher Hin­sicht. Denn alle Hand­lun­gen, die an der Selbst­zweck­for­mel ori­en­tiert sind, „brin­gen […] immer die Aner­ken­nung und den Respekt eines exis­tie­ren­den abso­lu­ten Wer­tes zum Aus­druck. Es gibt etwas, das abso­lut wert­voll ist, und was abso­lut wert­voll ist, das zer­stört oder ver­letzt oder beein­träch­tigt man nicht, son­dern das respek­tiert und ach­tet man.“38

Wäh­rend es in einer kon­se­quen­tia­lis­ti­schen Ethik stets dar­um geht, „wün­schens­wer­te Zustän­de in einer opti­mie­ren­den Wei­se her­vor­zu­brin­gen, wobei prin­zi­pi­ell alles als Mit­tel zu die­sem Zweck erlaubt sein kann“39, geht es in Kants „wert­ori­en­tier­ter Ethik […] nicht (pri­mär) um die Her­vor­brin­gung eines Zustan­des, son­dern um die Respek­tie­rung eines exis­tie­ren­den abso­lu­ten Wer­tes. Sol­che Wer­te set­zen Gren­zen, die auch mit Aus­sicht auf eine grö­ße­re Sum­me von Glück­se­lig­keit nicht ver­letzt wer­den dür­fen.“40 Die Selbst­zweck­haf­tig­keit eines jeden Men­schen impli­ziert ver­bun­den mit die­sen Über­le­gun­gen zugleich, dass als Mensch „kein Arzt, kein Erzie­her oder bedeu­ten­der Staa­ten­len­ker mehr wert sein [kann] als das gerings­te, schein­bar nutz­lo­ses­te Mit­glied der mensch­li­chen Gesell­schaft.“41

Am Bei­spiel des Ver­bots eines fal­schen Ver­spre­chens hat Kant sehr gut dar­ge­stellt, wie man zu erken­nen imstan­de ist, was der Selbst­zweck­haf­tig­keit des Men­schen wider­spricht: näm­lich eine Hand­lung, der nicht alle von ihr Betrof­fe­nen zustim­men kön­nen. Kants Leis­tun­gen im Rah­men der Selbst­zweck­for­mel lie­gen eben­so dar­in, dass er wesent­li­che Grund­la­gen für unser heu­ti­ges Ver­ständ­nis von der Men­schen­wür­de geschaf­fen hat, wie sie z. B. im deut­schen Grund­ge­setz oder der UNO-Men­schen­rechts­er­klä­rung ver­an­kert ist. Dar­in wird Kants uni­ver­sa­lis­ti­schem Ver­ständ­nis der Wür­de gefolgt. Wür­de kommt dem Men­schen bereits als Mit­glied der Gat­tung Mensch zu. Sie gilt für alle Men­schen gleich, ohne dass dafür erst bestimm­te Leis­tun­gen erbracht oder bestimm­te Qua­li­tä­ten erfüllt wer­den müss­ten.

3. Schluss­be­mer­kung

Es ist deut­lich gewor­den, dass Kants „Kate­go­ri­scher Impe­ra­tiv“ als eine Art uni­ver­sel­ler Ori­en­tie­rungs­re­gel fun­giert, an der die ethi­sche Qua­li­tät des eige­nen Han­delns bemes­sen wer­den soll. Dies trägt für Kant die Ver­pflich­tung in sich, die Maxi­men mei­nes Han­delns in einer Art von Gedan­ken­ex­pe­ri­ment stets auf ihre Uni­ver­sa­li­sier­bar­keit hin zu über­prü­fen, also zu hin­ter­fra­gen, ob die­se Maxi­men wider­spruchs­los als all­ge­mei­nes Gesetz gedacht und gewollt wer­den kön­nen. Bei sei­nen Über­le­gun­gen zur Selbst­zweck­for­mel kommt Kant zu der Schluss­fol­ge­rung, dass eine Sache nur einen rela­ti­ven Zweck, also einen Preis, hat, wäh­rend Per­so­nen Zwe­cke an sich selbst sind und eine Wür­de besit­zen. Er sieht also die eige­ne mensch­li­che Exis­tenz als auch die Exis­tenz ande­rer Ver­nunft­we­sen als etwas objek­tiv Wert­vol­les, als Zweck an sich an. Was genau er unter der Selbst­zweck­haf­tig­keit ver­steht, ver­sucht Kant mit­tels meh­re­rer Bei­spie­le exem­pla­risch dar­zu­stel­len. Er unter­schei­det hier­bei zwi­schen Pflich­ten gegen sich selbst (= Ver­bot des Selbst­mor­des; Gebot der Kul­ti­vie­rung der eige­nen Anla­gen) und Pflich­ten gegen ande­re (= Ver­bot eines fal­schen Ver­spre­chens; Gebot der Hil­fe). Kri­tisch anzu­mer­ken im Zusam­men­hang mit dem KI und Kants auf­ge­führ­ten Bei­spie­len ist, dass er sei­nem eige­nen Anspruch, näm­lich eine von empi­ri­schem Wis­sen voll­kom­men befrei­te Moral­phi­lo­s­phie zu begrün­den, deren Sys­tem mora­li­scher Pflich­ten sich a prio­ri aus Begrif­fen der rei­nen Ver­nunft speist, nicht gerecht wer­den kann und sei­ne Aus­füh­run­gen mit Blick auf das prak­ti­sche Leben teil­wei­se unplau­si­bel und rea­li­täts­fern wir­ken. Den­noch ist es Kant recht über­zeu­gend gelun­gen, mit­tels sei­ner Über­le­gun­gen zur Selbst­zweck­haf­tig­keit eines jeden Men­schen die Bedeu­tung der Ach­tung und Aner­ken­nung der Wür­de des Gegen­übers her­aus­zu­ar­bei­ten. Als ein wesent­li­ches Mit­tel zum Zwe­cke der sitt­li­chen Ver­voll­komm­nung der gesam­ten Men­schen­gat­tung dient laut Kant die Ent­wick­lung der eige­nen Anla­gen, die den Men­schen in die Lage ver­setzt, Wis­sen­schaft und Kunst her­vor­zu­brin­gen. In der End­kon­se­quenz befä­higt erst die­se kul­tu­rel­le Ent­wick­lung den Men­schen dazu, sei­ne mora­li­schen Fähig­kei­ten zu ent­fal­ten und in Frei­heit zu han­deln.

4. Quel­len- und Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

Quel­len:

Kant, Imma­nu­el: Die Meta­phy­sik der Sit­ten., In: ders., “Wer­ke in zwölf Bän­den”, Bd. 8, Hrsg. von Wil­helm Wei­sche­del, Frank­furt am Main 1968.

Kant, Imma­nu­el: Eine Vor­le­sung über Ethik, Mit einer Ein­lei­tung von Paul Men­zer, Her­aus­ge­ge­ben von Gerd Ger­hardt, Frank­furt am Main 1990.

Kant, Imma­nu­el: Grund­le­gung zur Meta­phy­sik der Sit­ten, hrsg. v. T. Valen­ti­ner u. ein­gel. v. H. Ebe­ling, Stutt­gart 2004.

Kant, Imma­nu­el: Kri­tik der Urteils­kraft, In: ders., “Wer­ke in zwölf Bän­den”, Bd. 10, Hrsg. von Wil­helm Wei­sche­del, Frank­furt am Main 1968.

Lite­ra­tur:

Esser, Andrea Mar­len: Eine Ethik für End­li­che. Kants Tugend­leh­re in der Gegen­wart, Stutt­gart 2004.

Fischer, Peter: Mora­li­tät und Sinn. Zur Sys­te­ma­tik von Klug­heit, Moral und sym­bo­li­scher Erfah­rung im Werk Kants, Mün­chen 2003.

Ger­hardt, Vol­ker: Imma­nu­el Kant. Ver­nunft und Leben, Stutt­gart 2002.

Höf­fe, Otfried: Grund­le­gung zur Meta­phy­sik der Sit­ten. Ein koope­ra­ti­ver Kom­men­tar, Frank­furt am Main 1993.

Leist, Anton: Die gute Hand­lung. Eine Ein­füh­rung in die Ethik, Ber­lin 2000.

Schöne­cker, Die­ter / Wood, Allen W.: Kants Grund­le­gung zur Meta­phy­sik der Sit­ten, Pader­born 2002.

Schwartz, Maria: Der Begriff der Maxi­me bei Kant, Ber­lin 2006.

  1. Ger­hardt, Vol­ker: Imma­nu­el Kant. Ver­nunft und Leben, Stutt­gart 2002, S. 222.
  2. Kant, Imma­nu­el: Grund­le­gung zur Meta­phy­sik der Sit­ten, hrsg. v. T. Valen­ti­ner u. ein­gel. v. H. Ebe­ling, Stutt­gart 2004, S. 68.
  3. Anm.: Nach Kant ist die Ver­nunft (als obers­tes Erkennt­nis­ver­mö­gen) das Ver­mö­gen der Ide­en­bil­dung, die geis­ti­ge Fähig­keit des Men­schen, alle Ein­zel­erfah­run­gen auf regu­la­ti­ve Ide­en wie »Welt«, »See­le« usw. hin zu ori­en­tie­ren und sie dadurch zu einer Gesamt­erfah­rung zusam­men­zu­schlie­ßen, ver­ein­facht gesagt also die Fähig­keit des mensch­li­chen Geis­tes, uni­ver­sel­le Zusam­men­hän­ge in der Welt sowie deren Bedeu­tung zu erken­nen und nach die­sen zu han­deln.
  4. Anm.: Der Wil­le ist für Kant „ein Ver­mö­gen, nur das­je­ni­ge zu wäh­len, was die Ver­nunft unab­hän­gig von der Nei­gung als prak­tisch not­wen­dig, d.i. als gut, erkennt.“ (Kant, GMS, S. 56)
  5. Kant, GMS, S. 29.
  6. Leist, Anton: Die gute Hand­lung. Eine Ein­füh­rung in die Ethik, Ber­lin 2000, S. 251.
  7. Kant, GMS, S. 79.
  8. Ebd. S. 77.
  9. Ebd. S. 87.
  10. Ebd. S. 89.
  11. Kant, GMS, S. 86.
  12. Ebd. S. 85.
  13. Ebd. S. 86.
  14. Ebd. S. 85.
  15. Kant, GMS, S. 79.
  16. Ebd. S. 79–80.
  17. Kant, Imma­nu­el: Die Meta­phy­sik der Sit­ten., In: ders., “Wer­ke in zwölf Bän­den”, Bd. 8, Hrsg. von Wil­helm Wei­sche­del, Frank­furt am Main 1968, S. 555.
  18. Ebd. S. 555.
  19. Fischer, Peter: Mora­li­tät und Sinn. Zur Sys­te­ma­tik von Klug­heit, Moral und sym­bo­li­scher Erfah­rung im Werk Kants, Mün­chen 2003, S. 225.
  20. Kant, Imma­nu­el: Eine Vor­le­sung über Ethik, Mit einer Ein­lei­tung von Paul Men­zer, Her­aus­ge­ge­ben von Gerd Ger­hardt, Frank­furt am Main 1990, S. 226.
  21. Kant, GMS, S. 21.
  22. Ebd. S. 22.
  23. Höf­fe, Otfried: Grund­le­gung zur Meta­phy­sik der Sit­ten. Ein koope­ra­ti­ver Kom­men­tar, Frank­furt am Main 1993, S. 211.
  24. Kant, GMS, S. 70.
  25. Schwartz, Maria: Der Begriff der Maxi­me bei Kant, Ber­lin 2006, S. 80.
  26. Fischer S. 229.
  27. Kant, GMS, S. 70.
  28. Ebd. S. 70–71.
  29. Fischer S. 230.
  30. Fischer S. 230.
  31. Kant, Imma­nu­el: Kri­tik der Urteils­kraft, In: ders., “Wer­ke in zwölf Bän­den”, Bd. 10, Hrsg. von Wil­helm Wei­sche­del, Frank­furt am Main 1968, S. 390.
  32. Ger­hardt S. 260–261.
  33. Ebd. S. 261–262.
  34. Kant, GMS, S. 81.
  35. Esser, Andrea Mar­len: Eine Ethik für End­li­che. Kants Tugend­leh­re in der Gegen­wart, Stutt­gart 2004, S. 341.
  36. Ebd. S. 341.
  37. Esser S. 343–344.
  38. Schöne­cker, Wood S. 150.
  39. Ebd. S. 150.
  40. Ebd. S. 150.
  41. Ger­hardt, Vol­ker: Ist jedes Leben gleich viel wert?, In: sueddeutsche.de, Res­sort: Wis­sen, 12.10.2007 (http://www.sueddeutsche.de/wissen/ethik-ist-jedes-leben-gleich-viel-wert-1.830750).