Die Foundation-Trilogie von Asimov


Alexander Bringmann

by Alexander Bringmann | Datum: 27.08.2014
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(Foto by  Telly Gacitua | Quelle: Flickr | Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Kann man die Zukunft der Menschheit planen? Ihre Entwicklung über einen längeren Zeitraum in eine bestimmte Richtung lenken? In der Foundation-Trilogie von Isaac Asimov geht es um einen solchen Versuch, die Entwicklung der Menschheit über Jahrhunderte hinweg zu steuern. Ein Buch, das in Zeiten der NSA-Überwachung eine neue Aktualität erhält.

Deutscher Titel:Die Foundation-Trilogie
Originaltitel:Foundation Trilogy
Autor:Isaac Asimov
Erscheinungsjahr:2012
ISBN:978-3-641-05736-7

Den Büchern rund um die Foundation fehlen viele übliche Science-Fiction-Bestandteile: es gibt keine Außerirdischen und Raumschlachten spielen nur am Rande eine Rolle. Dafür werden die Triebfedern der gesellschaftlichen Entwicklung untersucht: Religion, Wirtschaft, Politik. Ein Buch hatte auf das Werk von Asimov großen Einfluss: „Verfall und Untergang des Römischen Reiches“ von Edward Gibbon. Die meisterhafte Analyse der gesellschaftlichen Gründe für den Untergang des römischen Imperiums, haben Asimov sichtbar beeinflusst. Rund um die Foundation-Trilogie haben Isaac Asimov, aber auch weiteren Autoren, einen umfangreichen Kosmos geschaffen.

Ich habe mich auf die ursprüngliche Trilogie konzentriert. Der Wissenschaftler Hari Seldon erkennt aufgrund seiner Forschungen, dass das allmächtig scheinende galaktische Imperium dem Untergang geweiht ist. Die Galaxie droht in eine 30.000 Jahre dauernde Barbarei zurückzufallen. Die Wissenschaft, die es Hari Seldon möglich macht, die Zukunft vorherzusehen, ist die Psychohistorik, eine Mischung aus Soziologie, Statistik und Psychologie. Damit kann er die Entwicklungen von Gesellschaften mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Doch er will noch mehr! Er setzt Pläne in Bewegung, die Chaoszeit nach dem kommenden Zusammenbruch des Imperiums von 30.000 Jahre auf weniger als 1.000 Jahre zu verringern. Aus diesem Grund gründet er mit anderen Wissenschaftlern am Ende der Galaxie die erste Foundation. Diese soll zur Keimzelle eines neuen Imperiums werden. In der Trilogie geht es um die Entwicklung der Foundation von einer kleinen Welt zu einem mächtigen Reich. Dabei vollzieht die Foundation entwicklungsgeschichtliche Prozesse in vergleichsweise rasantem Fortschritt.

Anhand einzelner Geschichten mit oftmals überraschenden Wendungen werden die Schlüsselmomente der Veränderungen dargestellt. Während die erste Foundation immer mächtiger wird, zieht im Hintergrund die, ebenfalls von Hari Seldon gegründete, 2. Foundation die Fäden, eine Gruppe von Psychohistorikern. Sie soll das Gelingen des Seldon-Plans garantieren. Doch ein Schwachpunkt der Psychohistorik ist es, dass sie nur die Entwicklung von Menschenmassen vorhersagen kann und so bringt ein ungewöhnlich mächtiges Individuum den Plan zeitweilig durcheinander.

Geschrieben wurden die ursprünglichen Foundation-Romane in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, was kein Zufall ist! Im 2. Weltkrieg begründete der US-Amerikaner Norbert Wiener die neue Wissenschaft der Kybernetik. In der Kybernetik geht es um die Steuerung von Maschinen, aber auch um die Steuerung von biologischen und gesellschaftlichen Prozessen. Die ersten Erkenntnisse gewann Norbert Wiener bei der Beschäftigung mit Flugabwehrgeschützen. Mit einem mathematischen Modell wurde versucht, die Flugbahn von Flugzeugen vorherzubestimmen. Dabei wurde analysiert, wie sich ein unter Beschuss stehender Pilot voraussichtlich verhalten wird.

Besondere Relevanz bekommt die Kybernetik mit der modernen Informationstechnik. So hat besonders die Soziokybernetik große Fortschritte gemacht, die unter anderem die Evolution von Gesellschaften simuliert. Die Soziokybernetik liefert uns wertvolle Erkenntnisse über gesellschaftliche Prozesse, doch liegt darin auch die Gefahr möglicher Manipulationen. Die utopische Idee der Psychohistorik nimmt langsam reale Formen an. Nach Aussage des ehemaligen Technischen Direktors der NSA William Binney vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages strebt die NSA die kybernetische Steuerung der Gesellschaft an. Bei der Datensammlung der NSA gehe es eben nicht um die Terrorismusabwehr, sondern um die Analyse und Steuerung der ganzen Gesellschaft. Isaac Asimov sah die neue Wissenschaft der Kybernetik relativ positiv, doch stellt sich jetzt für uns die Frage: wollen wir von der unsichtbaren Hand der NSA gelenkt werden?

In den Romanen um die Foundation gerät der große Plan der gesellschaftlichen Steuerung in Gefahr, als sich die Gelenkten der Manipulation durch die Psychohistoriker bewusst werden. Die Datensammlung von staatlichen aber auch privaten Unternehmen wie Google stellen uns vor neue große Herausforderungen, auf die Antworten gefunden werden müssen. Soziokybernetische Analysen können helfen, die Welt besser zu machen, zum Beispiel indem sie Krisen zu vermeiden helfen, doch sie können auch zu einem neuen Herrschaftsinstrument werden. Demokratische Kontrolle setzt voraus, dass man die Steuerungsinstrumente kennt. Die Science-Fiction-Romane um die Foundation sind über 60 Jahre alt, doch sind sie aktuell wie noch nie. Die Welt befindet sich in einem Wandel, der sich in seiner Tragweite noch nicht abschätzen lässt.

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