ACTA – Auseinandersetzungen gehen in neue Runde

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Basiert auf ACTA — Geheim­ab­kom­men wird zu Poli­ti­kum

Der Druck auf die ACTA-Ver­hand­lungs­part­ner hat teil­wei­se gewirkt. Der aktu­el­le Ent­wurf der ACTA-Ver­hand­lun­gen wur­de nach über 3 Jah­ren Geheim­nis­krä­me­rei end­lich offen gelegt. Deut­lich wer­den dabei meh­re­re Din­ge: Der aktu­el­le Ver­trags­text wur­de gegen­über den frü­he­ren Ver­sio­nen, die an die Öffent­lich­keit gelangt sind, etwas ent­schärft. Klar wird aber auch, dass­die bis­he­ri­gen Geheim­ver­hand­lun­gen tat­säch­lich zum Ziel haben, die Grund­re­geln des Net­zes neu zu defi­nie­ren. Das Inter­net ist für vie­le Berei­che fast unent­behr­lich gewor­den. Über die Regeln, auf denen das Inter­net basiert, soll­te man also nicht im klei­nen Käm­mer­lein ent­schei­den.

Hier ist eine brei­te Dis­kus­si­on not­wen­dig, an der sich nicht nur die Urhe­ber­rechts­in­dus­trie betei­ligt. Netz­sper­ren gegen Urhe­ber­rechts­ver­let­zer (also ver­mut­lich 90% der heu­ti­gen Jugend) sind im aktu­el­len Ver­trags­text kei­ne Ver­pflich­tung mehr, die Sper­rung wird jedoch wei­ter­hin als geeig­ne­te Mög­lich­keit für die Ver­trags­staa­ten auf­ge­führt. Auch sol­len die Rege­lun­gen zum Scha­dens­er­satz ver­schärft wer­den. Die Höhe des Scha­dens­er­sat­zes wird dabei auf dubio­se Wei­se fest­ge­legt, wobei sich wesent­lich auf die Anga­ben des Rech­te­inha­bers ver­las­sen wird. Mil­lio­nen­stra­fen für das Her­un­ter­la­den weni­ger Lie­der kön­nen also nach den neu­en Richt­li­ni­en durch­aus nor­mal wer­den. Damit wür­de das ame­ri­ka­ni­sche Zivil­recht mit sei­nen teils absurd hohen Stra­fen auch in Deutsch­land Fuß fas­sen kön­nen. Da auch die Anstif­tung zur Urhe­ber­rechts­ver­let­zung straf­bar wer­den soll, wür­den die Gerich­te nach einer sol­chen ver­än­der­ten Rechts­la­ge sicher viel zu tun bekom­men.

Die Rege­lun­gen im Ver­trags­ent­wurf zie­len vor allem auf die Pro­vi­der ab. Sie sol­len ver­pflich­tet wer­den, bei ver­meint­li­chen Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen gegen ihre Nut­zer vor­zu­ge­hen. Wer­den die Pro­vi­der nicht selbst bei der Kon­trol­le und Über­wa­chung ihrer Nut­zer aktiv, sol­len sie sel­ber haft­bar gemacht wer­den. Es ist ver­gleich­bar mit einem Ver­mie­ter, der für die Hand­lun­gen sei­ner Mie­ter haft­bar gemacht wird, wenn er nicht sel­ber regel­mä­ßig die Woh­nun­gen durch­sucht. Indus­trie­ver­bän­de von Pro­vi­dern und High­tech-Fir­men sehen durch die geplan­ten Rege­lun­gen ihre Geschäfts­grund­la­ge in Gefahr und haben ihren Wider­stand gegen ACTA ange­kün­digt.

So sieht der welt­größ­te Pro­vi­der­ver­band EuroI­S­PA die Basis der moder­nen Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft in Gefahr. Der CCIA (Com­pu­ter and Com­mu­ni­ca­ti­ons Indus­try Asso­cia­ti­on) hat schar­fe Kri­tik an dem end­lich ver­öf­fent­lich­ten ACTA-Ent­wurf geäu­ßert. In der CCIA sind unter ande­rem Fir­men wie Micro­soft, T-Mobi­le, Goog­le, Nvi­dia und AMD ver­tre­ten. Da es auch für Jour­na­lis­ten, Blog­ger etc. kei­ne Son­der­re­ge­lun­gen gibt, müs­sen auch die Gefah­ren für die Mei­nungs­frei­heit betrach­tet wer­den. Ver­öf­fent­licht ein Ent­hül­lungs­jour­na­list Infor­ma­tio­nen, z. B. Doku­men­te einer gefähr­li­chen Sek­te, kann es für ihn nach den geplan­ten Rege­lun­gen äußerst schwie­rig wer­den. Sei­ne Ver­öf­fent­li­chung im Netz kann schnell zivil­recht­lich unter­bun­den wer­den, auch ohne lang­wie­ri­gen Pro­zess, in dem auch Aspek­te wie Pres­se­frei­heit berück­sich­tigt wer­den wür­den. Der Jour­na­list muss dann unter Umstän­den sogar rui­nö­sen Scha­dens­er­satz zah­len. Inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­lis­mus wird somit behin­dert und damit ein Eck­pfei­ler der Demo­kra­tie. Wäh­rend die har­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Scha­dens­er­satz­re­ge­lun­gen in den ACTA-Ent­wurf auf­ge­nom­men wur­den, sind die ame­ri­ka­ni­schen Schutz­vor­schrif­ten für Kon­su­men­ten und Jour­na­lis­ten „ver­ges­sen“ wor­den. Die Dis­kus­si­on um ACTA hat nach der Ver­öf­fent­li­chung des aktu­el­len Ent­wurf gera­de erst begon­nen. Vie­les ist noch in der Ver­än­de­rung befind­lich. Wir wer­den über die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen berich­ten!

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