
(Foto: European Union | Bildbeschreibung: Ursula von der Leyen, Mark Carney und Wolodymyr Selenskyj beim Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Yerevan am 3. Mai 2026. | Quelle: Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 4.0)
Es war ein Bild, das man sich nicht besser hätte ausdenken können: Auf der Ehrentribüne bei der Rede zur Lage der Europäischen Union von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 16. September 2026 saß der kanadische Premierminister Mark Carney. Was folgte, war mehr als Diplomatie. Von der Leyen machte Kanada ein beispielloses Angebot: „Ich möchte Kanada die Tür öffnen, das erste assoziierte Mitglied der Europäischen Union zu werden.“ Der Saal reagierte mit stehendem Applaus. Nur einen Tag später begrüßte Carney diesen Vorstoß bei seiner Rede im EU-Parlament und betonte: „Wir wollen widerstandsfähiger werden, damit niemand unsere offenen Märkte kontrollieren, unsere Souveränität beeinträchtigen, unsere territoriale Unversehrtheit bedrohen oder unsere Freiheiten, unsere Demokratien und unsere Rechtsstaatlichkeit untergraben kann.“
Ein Status als „assoziiertes Mitglied“ existiert in den EU-Verträgen bislang nicht. Artikel 49 des EU-Vertrags erlaubt die Vollmitgliedschaft ausschließlich europäischen Staaten. Was von der Leyen vorschlug, ist also rechtliches Neuland, und die Details müssen erst noch ausgehandelt werden. Auch Carney räumte das ein und unterstrich, dass man so nah wie möglich an die EU auf eine Weise heranrücken wolle, die die Souveränität Kanadas stärkt. Die Mehrheit der kanadischen Bevölkerung trägt diesen Kurs eindrucksvoll mit: Eine aktuelle Umfrage von Abacus Data zeigt, dass 80 Prozent der Kanadier:innen eine Vertiefung der strategischen Zusammenarbeit mit der EU befürworten.


